Mit Flexibilität durch den Wandel
Interview mit Dario Peran, geschäftsführender Gesellschafter der Brämig & Stehling GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Peran, Sie sind erst seit Kurzem Teil der Geschäftsführung. Wie kam es zu Ihrem Einstieg bei Brämig & Stehling?
Dario Peran: Ich kenne das Unternehmen bereits seit 2012 aus meiner früheren Tätigkeit bei einem großen Automatisierungsanbieter. Dadurch bestand über viele Jahre ein enger Kontakt zu den Gesellschaftern. Als sich die Frage der Unternehmensnachfolge konkretisierte, sind wir ins Gespräch gekommen. Brämig & Stehling ist technisch sehr erfahren und stabil aufgestellt. Meine Aufgabe liegt vor allem im kaufmännischen und vertrieblichen Bereich. Wichtig ist uns dabei, dass das Unternehmen inhabergeführt bleibt. Wer geschäftsführende Verantwortung trägt, soll auch unternehmerisch beteiligt sein.
Wirtschaftsforum: Was hat Sie an dem Unternehmen besonders gereizt?
Dario Peran: Vor allem die enorme Flexibilität. Als Sondermaschinenbauer sind wir nicht auf eine einzelne Branche oder Anwendung festgelegt. Wir können unsere Kompetenzen vergleichsweise schnell auf neue Märkte übertragen. Gerade in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld ist das ein großer Vorteil. Wenn sich Chancen beispielsweise in der Medizintechnik oder Elektronik ergeben, können wir uns darauf einstellen, ohne unser gesamtes Geschäftsmodell verändern zu müssen.
Wirtschaftsforum: Wie hat sich Brämig & Stehling entwickelt?
Dario Peran: Das Unternehmen wurde 1997 in Velbert gegründet und war zunächst auf den Prototypenbau spezialisiert. 2012 kam der Sondermaschinenbau als zweites Standbein hinzu. Dieser Bereich wurde immer wichtiger und ist heute unser Kerngeschäft. Auf rund 4.000 m2 Produktionsfläche entwickeln und bauen wir kundenspezifische Montage-, Prüf- und Handhabungstechnik – vom halbautomatischen Arbeitsplatz bis zur voll automatisierten Anlage.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die besondere Stärke des Unternehmens?
Dario Peran: Ganz klar in unserer Fertigungstiefe. Projektierung, Konstruktion, Fertigung, Montage, Programmierung, Inbetriebnahme und Aftersales-Support liegen vollständig in unserer Hand. Dadurch können wir sehr schnell reagieren und Lösungen aus einem Guss anbieten. Für unsere Kunden ist das ein wesentlicher Vorteil.
Wirtschaftsforum: Die Automobilindustrie befindet sich in einer schwierigen Transformationsphase. Wie reagieren Sie darauf?
Dario Peran: Wir haben früh begonnen, unser Kundenportfolio breiter aufzustellen. Neben der Automobilindustrie sind heute unter anderem Elektronik, Medizintechnik und Agrartechnik interessante Felder für uns. Besonders attraktiv sind Märkte, in denen neue Produkte individuelle Fertigungs- und Prüfprozesse erfordern. Genau dort können wir unsere Stärke im Sondermaschinenbau ausspielen. Gleichzeitig sind wir international aufgestellt. Maschinen, die in Deutschland geplant werden, stehen später beispielsweise in Mexiko, China, Portugal oder Tschechien.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI?
Dario Peran: Eine immer größere. Wir nutzen digitale Werkzeuge bereits für Simulationen, Risiko- und Prozessanalysen und setzen KI gezielt ein, um Abläufe effizienter zu gestalten. Unser Ziel ist, möglichst viele Prozesse bereits virtuell abzusichern und Standards zu schaffen, wo dies sinnvoll ist. So reduzieren wir Aufwand und gewinnen Geschwindigkeit.
Wirtschaftsforum: Was möchten Sie in den kommenden Jahren erreichen?
Dario Peran: Wir wollen weiter wachsen, unsere Kundenbasis diversifizieren und die Digitalisierung konsequent ausbauen. Gleichzeitig bleiben Nachhaltigkeit und Fachkräftesicherung zentrale Themen. Besonders wichtig ist mir die Ausbildung. Fachwissen können wir vermitteln – entscheidend sind junge Menschen, die lernen wollen und Begeisterung für Technik mitbringen. Und grundsätzlich gilt: Schwierige Rahmenbedingungen dürfen kein Grund sein, in Passivität zu verfallen. Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir selbst gestalten können.









