Für jede Herausforderung die richtige Maschine

Interview mit Peter Wildemann, Geschäftsführer der Manitou Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wildemann, Manitou ist nicht nur in Deutschland eine bekannte Marke, sondern weltweit. Was waren die wichtigsten Meilensteine der Unternehmensgeschichte, die zu diesem Erfolg geführt haben?

Peter Wildemann: Manitou ist 1958 in Frankreich aus einem Bauunternehmen heraus gegründet worden. Zunächst wurden ganz klassisch Betonmischer gebaut. Dann hatte der Firmengründer die zündende Idee, einen Gabelstaplermast an einen Traktor zu montieren. So wurde der erste geländegängige Gabelstapler erfunden. Aus dieser Idee heraus ist über die Jahre ein vollständiges Produktportfolio an Gabelstaplern, Kompaktladern, Raupenladern, Radladern und Knickladern bis hin zu einer kompletten Baureihe von mobilen Hubarbeitsbühnen, drehbaren Teleskopladern, Schwerlast-Teleskopladern und Teleskopladern für die unterschiedlichsten Branchen entstanden. Damit ist die Manitou-Gruppe in über 140 verschiedenen Ländern erfolgreich aktiv.

Wirtschaftsforum: Seit wann ist Manitou in Deutschland vertreten?

Peter Wildemann: Die Manitou Deutschland GmbH wurde 1996 gegründet, um das Händlernetz im deutschsprachigen Raum aufzubauen und zu betreuen. Ich bin seit 2007 hier im Unternehmen und seit 2016 Geschäftsführer. Ein ganz wichtiger Meilenstein war der Bezug unseres neuen Standorts in Friedrichsdorf im Jahr 2022. Ein großer Vorteil dabei war, dass wir auf der grünen Wiese gebaut haben und deswegen die vielen unterschiedlichen Bedürfnisse direkt bei der Planung berücksichtigen konnten. Da wir ausschließlich über Händler verkaufen, war ein sehr wichtiger Aspekt die Schaffung von geeigneten Räumlichkeiten für die Schulung unserer Händler. Wir haben es mit einem sehr technischen Produkt zu tun. Dementsprechend hoch ist der Schulungsbedarf für die Mechaniker unserer Händler.

Wirtschaftsforum: Was ist das Hauptgeschäftsfeld der deutschen Niederlassung?

Peter Wildemann: Eines unserer Hauptproduktfelder sind die Teleskoplader. Auf dem deutschen Markt bedienen wir damit immer noch eine Nische, was uns die Möglichkeit bietet, jedes Jahr weiter zu wachsen. Unsere Aufgabe als Vertriebsunternehmen ist es, dieses Produkt aus der Nische herauszuholen. Es ist zum Teil eine völlig andere Denkweise, gegen die wir arbeiten müssen. Teleskoplader sind in Frankreich ein viel bekannteres Produkt, als das zum Beispiel in Deutschland der Fall ist. Hier wird üblicherweise auf einer Baustelle als Erstes ein Kran aufgebaut, während in Frankreich als Erstes drei Teleskoplader angeliefert werden.

Wirtschaftsforum: Wie hebt sich Manitou vom Markt ab und was zeichnet Ihre Produkte aus?

Peter Wildemann: Der Markt hat sich natürlich seit den Ursprüngen des Unternehmens massiv verändert. Damals waren wir wirklich Pioniere im Bereich der Teleskoplader und es gab nur zwei weitere Unternehmen, die sich auch mit dem Thema Teleskoplader beschäftigt haben. Inzwischen bieten alle namhaften Hersteller von Baumaschinen oder landwirtschaftlichen Maschinen Teleskoplader an. Unsere Produktentwicklung ist jedoch auch nicht stehen geblieben. Wir bieten inzwischen ein unvergleichbar breites Portfolio an. Damit heben wir uns insbesondere ab. Von Gabelhubwagen mit einer Tragfähigkeit von 1,5 t über Knicklader und Arbeitsbühnen bis hin zu Teleskopladern, die eine Hubhöhe von bis zu 32 m erreichen, bieten wir eine umfassende Produktpalette inklusive Dienstleistungen wie Finanzierung und Wartungsverträgen aus einer Hand an.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Innovation für Sie im Unternehmen?

Peter Wildemann: Innovation wird bei uns sehr großgeschrieben. Wir versuchen in der Produktentwicklung in dieser Branche eine Vorreiterrolle einzunehmen und technologieführend zu sein. Hierbei geht es neuerdings um die digitalen Möglichkeiten. Inzwischen sind alle unsere Produkte auf Wunsch vernetzt. Es gibt die Möglichkeit, Fehlercodes online auszulesen sowie den Kraftstoffverbrauch zu reduzieren und den CO2-Austoß zu verringern.

Wirtschaftsforum: Was sind hinsichtlich der Produktentwicklung die Themen der Zukunft?

Peter Wildemann: Wir bringen permanent neue Modelle auf den Markt, die den Kunden zusätzliche Vorteile bringen. Wir gehen im Moment sehr stark auf das Thema Elektrifizierung ein und werden dieses Jahr den ersten rein elektrischen drehbarenTeleskoplader auf den Markt bringen. Dies ist ein großer Fortschritt gegenüber unseren elektrischen Hubarbeitsbühnen, die im Einsatz relativ statisch sind. Deshalb sind wir sehr stolz auf die Arbeit, die wir geleistet haben, um die Herausforderungen einer voll flexiblen elektrischen Maschine zu meistern.

Wirtschaftsforum: Gibt es weitere Neuheiten in der Pipeline?

Peter Wildemann: Wir arbeiten zurzeit an einem Wasserstoffantrieb. Hier sind wir gerade in der Erprobung. Wir glauben, dass der Wasserstoffmotor eine praktikablere Lösung ist, insbesondere in der Landwirtschaft, um die Verfügbarkeit über die derzeitige Batterielebensdauer eines E-Fahrzeugs hinaus zu gewährleisten. Für uns ist das auf jeden Fall ein Zukunftsthema, dem wir uns weiter widmen werden.

Wirtschaftsforum: Wie wirken sich diese Entwicklungen auf Ihr Geschäftsmodell aus?

Peter Wildemann: Elektromaschinen sind für den Kunden zwar teurer in der Anschaffung, aber dafür deutlich wartungsärmer. Das heißt, dass wir insgesamt unser ganzes Servicekonzept überdenken müssen. Die Anforderungen einer Elektromaschine an die Techniker sind andere. Darauf müssen wir uns mit zusätzlichen Schulungen und anderen Maßnahmen einstellen. Das hat zudem Auswirkungen auf unsere Verkaufsstrategie. Wir werden in Zukunft nicht mehr einfach eine Maschine verkaufen, sondern eine Gesamtlösung. Da ist der Service ein elementarer Bestandteil. Damit können wir uns auch in Zukunft gegen den sehr starken außereuropäischen Wettbewerb behaupten.

Wirtschaftsforum: Welche weiteren Themen sind für Sie in Zukunft wichtig?

Peter Wildemann: Auf Gruppenebene steht das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) auf der Tagesordnung. Wir haben uns zum einen beim Verbrauch der Maschinen und zum anderen bei der Produktion sehr ambitionierte Ziele gesetzt. Wir wollen aktiv am Umweltschutz und am Schutz der nächsten Generation teilnehmen.

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