Von der Technik begeistert

Interview mit Karsten Güdemann, CEO der LIST Technology AG

„Die Kneter-Technologie ist eine Nische in der Industrie, die größer ist, als sie sich im ersten Moment darstellt“, verdeutlicht der CEO der LIST Technology AG. „Bei uns gibt es nichts aus dem Katalog. Honig ist bei uns die Einstiegsviskosität, wir kneten aber auch Gummi für die Reifenindustrie.“

So wird zum Beispiel das Feuchtigkeit aufnehmende Trockengranulat in Windeln auf LIST-Maschinen hergestellt. Eine weitere Anwendung ist die Herstellung von Babynahrung. Aktuell sucht LIST den Einstieg in die Raffinerieindustrie. Mittels der Kneter soll Rohöl aus dem Schlamm minderwertiger Ölqualitäten gewonnen werden.

Auch in der Textilindustrie sind die Maschinen aus der Schweiz zu finden. So lassen sich moderne Viskose ersetzende Stoffe mit LIST-Knetern wesentlich umweltfreundlicher herstellen.

Innovation – ein Muss

„Unsere Innovationskraft ist sehr groß“, sagt Karsten Güdemann. „Davon leben wir. Wir müssen immer etwas schneller sein als der Rest der Industrie. Wir suchen immer die Innovationsnische, um die Produktion umweltfreundlicher und energiesparender zu machen und Herstellungsverfahren zu ermöglichen, die es so noch gar nicht gibt.“

Eine solche Anwendung sind zum Beispiel Lichtleiter aus dem Kunststoff PMMA. Für dessen Fertigung sind höchste Qualität und Homogenität gefragt, die LIST-Kneter gewährleisten. Weitere Beispiele sind modifizierte Karbonfasern, die im Flugzeugbau, in der Autoindustrie, für Kleidung und beim Militär verwendet werden.

Geschlossener Kreislauf

Neben der energiesparenden Produktion weist CEO Karsten Güdemann auf einen weiteren Vorteil hin: „Wir arbeiten in einem geschlossenen System. Wir kneten das Material und reißen die Oberfläche auf, sodass Lösungsmittel entweichen können. Es ist also ein geschlossener Kreislauf.“

Karsten Güdemann
„Bei uns gibt es nichts aus dem Katalog.“ Karsten GüdemannCEO

Auch für die Recycling Branche ist das Verfahrensehr von lnteresse. So lassen sich mit den LIST-Knetern die bei der Fertigung entstehenden Produktionsrückstände, Lackschlämme sowie werthaltige Katalysatoren, sehr gut recyceln. „Von unserer Methode sind wir fest überzeugt und werden – kosten- und umweltgetrieben – in den kommenden Jahren sehr stark wachsen“, ist Karsten Güdemann zuversichtlich.

Weiter wachsen

Das 1966 von Heinz List gegründete Unternehmen ist seit 2016 Teil der Jakob Müller-Gruppe mit rund 1.000 Beschäftigten. Von den 50 Mitarbeitern bei LIST sind 40 in der Schweiz. Die übrigen arbeiten in Niederlassungen in den USA, Südkorea, Indien, Singapur und Deutschland.

Produziert werden die LIST-Kneter zu 100% von Lohnfertigern. Der momentane Umsatz liegt bei rund 25 Millionen CHF. Das Produktspektrum reicht von Labormaschinen mit einer Tonne Gewicht bis zu Industrieknetern von 100 t. Getestet werden die späteren Anwendungen in kleinerem Maßstab.

Karsten Güdemann: „Das ist unsere absolute Stärke: Wir wissen genau, wie wir vom Labor- auf World Scale-Maßstäbe kommen. Der Kunde kommt mit einem Problem zu uns in die Testeinrichtung und wir lösen das Problem.“ Im Gegensatz zu anderen Maschinen sind LIST-Kneter echte Handarbeit auf der Basis bewährter Ingenieurkunst.

Der CEO sieht es auch als eine Aufgabe an, den hochqualifizierten Mitarbeitern optimale Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. „In den nächsten fünf Jahren wollen wir das Unternehmen nachhaltig stabilisieren, im hohen einstelligen Prozentbereich wachsen, Zukäufe realisieren und Komplementärtechnologie ausbauen“, formuliert Karsten Güdemann die Ziele.

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