„Wir machen einfach – und liefern Ergebnisse“
Interview mit Sebastian Betz, geschäftsführender Gesellschafter der LIP Invest GmbH
Wirtschaftsforum: Herr Betz, Ihr Geschäftspartner ist in den Ruhestand gegangen. Wo steht LIP Invest heute?
Sebastian Betz: Der Übergang wurde langfristig vorbereitet. Bodo Hollung und ich haben LIP Invest 2017 gemeinsam aufgebaut. Aus zwei Mitarbeitenden sind inzwischen mehr als 20 geworden, allein im vergangenen Jahr haben wir fünf neue Kollegen eingestellt. Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds entwickeln wir uns planmäßig weiter. Ein wesentlicher Grund dafür ist unsere konsequente Spezialisierung auf Logistikimmobilien in Deutschland. Dadurch verfügen wir über ein tiefes Marktverständnis.
Wirtschaftsforum: Welche Entwicklungen haben die vergangenen zwölf Monate besonders geprägt?
Sebastian Betz: Für unsere institutionellen Anleger sind stabile Ergebnisse entscheidend. Deshalb hat die Vollvermietung unserer Portfolios höchste Priorität.
Aktuell sind sämtliche von uns verwalteten Objekte zu 100% vermietet. Das bildet die Grundlage für stabile Cashflows, eine positive Performance und eine verlässliche Wertentwicklung der Fonds. Gleichzeitig konnten wir seit August 2025 Logistikimmobilien mit einem Investitionsvolumen von rund 125 Millionen EUR erwerben. Für unseren fünften Fonds wurden innerhalb eines Jahres rund 90 Millionen EUR Eigenkapital eingeworben und investiert. Das zeigt, dass institutionelles Kapital wieder verstärkt in hochwertige Logistikimmobilien fließt.
Wirtschaftsforum: Warum bleiben Logistikimmobilien auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld attraktiv?
Sebastian Betz: Weil Logistik unverzichtbar ist. Produkte müssen transportiert, gelagert und verteilt werden, unabhängig davon, wie die konjunkturelle Lage aussieht. Gleichzeitig sorgen geopolitische Entwicklungen, veränderte Handelsströme und neue Lieferketten dafür, dass Unternehmen zusätzliche Lager- und Pufferkapazitäten benötigen. Hinzu kommen strukturelle Wachstumstreiber wie der wieder anziehende E-Commerce, die steigende Bedeutung der Pharmalogistik oder die zunehmende Komplexität in der Automobilindustrie durch neue Antriebstechnologien und größere Modellvielfalt. All diese Entwicklungen sorgen für zusätzlichen Flächenbedarf und damit für eine nachhaltig stabile Nachfrage nach Logistikimmobilien.
Wirtschaftsforum: Welche Vorteile bietet die Assetklasse aus Investorensicht?
Sebastian Betz: Einer der größten Vorteile liegt in ihrer Planbarkeit. Bei einem Mieterwechsel bleiben die Investitionen häufig überschaubar. Viele Nutzer bauen die Flächen individuell für ihre Prozesse aus und passen sie bei Bedarf selbst an. Dadurch bleibt die Kostenbasis vergleichsweise gering und Ausschüttungen lassen sich verlässlich kalkulieren. Genau diese Stabilität ist für institutionelle Anleger attraktiv. Aktuell können Ausschüttungsrenditen von rund 5 bis 5,5% erzielt werden, die damit deutlich über der Rendite deutscher Staatsanleihen liegen. Gleichzeitig ist die Volatilität der vergangenen Jahre weitgehend aus dem Markt verschwunden. Anleger erhalten heute wieder mehr Planungssicherheit.
Wirtschaftsforum: Worauf kommt es beim Ankauf neuer Immobilien besonders an?
Sebastian Betz: Für uns steht immer zuerst der Standort im Mittelpunkt, danach das Objekt und erst anschließend der Nutzer. Ein langfristiger Mietvertrag allein macht noch keine gute Immobilie aus, denn auch er endet irgendwann. Entscheidend ist die langfristige Qualität des Standorts. Dank unseres Netzwerks aus Logistikern, Projektentwicklern und Eigentümern verfügen wir über einen sehr guten Marktzugang.
Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen beschäftigen die Branche derzeit?
Sebastian Betz: Der Neubau von Logistikflächen hat deutlich nachgelassen. Gründe dafür sind unter anderem anspruchsvollere Finanzierungskonditionen und die begrenzte Verfügbarkeit geeigneter Grundstücke. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Standorten hoch. Dadurch gewinnen Bestandsimmobilien zusätzlich an Bedeutung. Aktuell verwalten wir 66 Objekte, weitere befinden sich in Exklusivität. Umso wichtiger ist es, dass wieder institutionelles Kapital in den Markt zurückkehrt und investiert wird.
Wirtschaftsforum: Welche Themen werden das Asset Management künftig prägen?
Sebastian Betz: Neben der Vermietung gewinnen Energieversorgung, Ladeinfrastruktur und Photovoltaik immer stärker an Bedeutung. Das sind nicht nur Nachhaltigkeitsthemen, sondern oft auch wirtschaftlich attraktive Lösungen für Eigentümer und Nutzer. Gleichzeitig erfordern regulatorische Anforderungen eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Immobilien. Entscheidend bleibt deshalb ein aktives Asset Management, das Chancen erkennt und die Objekte langfristig wettbewerbsfähig hält.
Wirtschaftsforum: Was zeichnet LIP Invest als Unternehmen besonders aus?
Sebastian Betz: Wir verstehen uns als Unternehmer. Erfolg entsteht nicht von allein. Unsere Mitarbeiter sind im gesamten Bundesgebiet unterwegs, weil Immobilien, Nutzer und Investoren persönliche Betreuung benötigen. Wenn Herausforderungen auftreten, suchen wir vor Ort nach Lösungen. Diese Mentalität prägt unsere Unternehmenskultur. Herausforderungen sind dazu da, angegangen zu werden. Fachwissen ist wichtig, doch mindestens genauso wichtig sind Teamgeist, Verantwortung und die Bereitschaft, Dinge voranzubringen. Unsere Bereiche greifen wie Zahnräder ineinander. Wenn wir unsere Anleger dauerhaft zufriedenstellen und die versprochenen Ergebnisse liefern, entsteht daraus weiteres Wachstum fast automatisch.









