„China-Speed“ beim Laserschweißen
Interview mit Richard Steinbrecht, Geschäftsführer der iQLASE GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Steinbrecht, kürzlich fusionierte die Lessmüller Lasertechnik GmbH, deren Geschäftsführer Sie waren, mit der von Dr. Rüdiger Brockmann geführten Blackbird Robotersysteme GmbH zu iQLASE GmbH. Welche Vorteile können die Kunden von diesem Zusammenschluss erwarten?
Richard Steinbrecht: Wir haben uns entschieden, die Namen Lessmüller und Blackbird als Marken weiterzuführen. Damit wollen wir ihre über viele Jahre aufgebaute Bekanntheit und Reputation im Markt bewahren und gleichzeitig die komplementären Kompetenzen beider Unternehmen konsequent zusammenführen. Wir bieten unseren Kunden nun Komplettlösungen für das Remote-Laserschweißen mit unterschiedlichen Schweißköpfen für die unterschiedlichsten Aufgabenstellungen. Diese kombinieren wir mit kartesischen oder anthropomorphen Robotersystemen sowie der entsprechenden Sensorik zur Nahtsuche, zur In-situ-Messung der Schweißtiefe und für weitere Anwendungen.
Wirtschaftsforum: Wie gestalten Sie die Fusion auf organisatorischer Ebene, damit auch über das gemeinsame Produktspektrum hinaus ein nachhaltiger Mehrwert entsteht?
Richard Steinbrecht: Wir werden beide angestammten Standorte im Großraum München beibehalten, und kein einziger Arbeitsplatz wird im Zuge dieser Veränderung verloren gehen. Derzeit vernetzen wir unsere bestehenden Mitarbeitenden in den Bereichen Technologie, Produktentwicklung, Vertrieb, Service und Auftragsabwicklung miteinander. Sie sollen sich nicht nur über die jeweiligen Fachthemen austauschen, sondern auch ein starkes Vertrauensverhältnis zueinander aufbauen. So wollen wir am Markt noch schlagkräftiger auftreten und unsere Kunden umfassender unterstützen: von der gemeinsamen Entwicklung über die Bereitstellung der Systeme bis hin zu Wartung und Service.
Wirtschaftsforum: Auf welche Branchen möchte sich iQLASE künftig besonders konzentrieren?
Richard Steinbrecht: Wir kommen traditionell aus dem Body-in-White-Segment, also dem Karosserierohbau im Fahrzeugbau, den wir auch weiterhin mit unseren bewährten Lösungen bedienen werden. Unser stärkster Wachstumsmarkt ist jedoch sicherlich die E-Mobilität in Verbindung mit dem Energiemanagement. Hier können unsere Lösungen sämtliche laserbasierten Schweiß- und Fügeprozesse rund um die Batterie ausführen – von der eigentlichen Batterieeinheit über die Stromschienen, die sogenannten Busbars, bis hin zur Modulgestaltung und zum Packaging, bei dem schließlich das Gesamtsystem verschweißt werden muss. Da der asiatische Markt in diesem Segment inzwischen deutlich schneller und stärker wächst als der europäische, haben wir bereits eine lokale Niederlassung in China eröffnet. Dort fertigen wir unter anderem auch einfachere Komponenten, die kein relevantes geistiges Eigentum enthalten, etwa die entsprechenden Versorgungsschränke.
Wirtschaftsforum: Welche Potenziale sehen Sie jenseits der Automobilindustrie?
Richard Steinbrecht: Das Thema Energiespeicherung knüpft ideal an unsere bestehenden Kernkompetenzen an, denn der weltweite Bedarf an Batteriesystemen wird in Zukunft deutlich steigen. Gleichzeitig sehen wir großes Potenzial in der Medizintechnik. Auch dort müssen viele Komponenten lasergeschweißt werden, und es gelten hohe Qualitätsanforderungen, mit denen wir aufgrund unserer Erfahrungen in der Automobilindustrie bestens vertraut sind. Während die Entwicklungszyklen im Fahrzeugbau mit dem zunehmenden „China-Speed“ jedoch immer kürzer werden, muss man in der Medizintechnik schon wegen der langwierigen Zulassungsverfahren weiterhin mit vielen Jahren rechnen. Das ist allerdings nicht die einzige Herausforderung.
Wirtschaftsforum: Welche weiteren Hürden beschäftigen Sie?
Richard Steinbrecht: Gerade die großen OEMs haben mit ihren automatisierten Einkaufs- und Lieferantenportalen hohe bürokratische Hürden geschaffen. Gibt man dort ein Angebot ab, erhält man im ersten Schritt häufig lediglich eine KI-gestützte Antwort – meist mit dem Hinweis, der angebotene Preis sei zu hoch. Das kann sehr frustrierend sein, nicht wegen der Preisverhandlungen an sich; sie gehören selbstverständlich zum Tagesgeschäft. Bei iQLASE stellen wir jedoch Investitionsgüter für die Serienproduktion her. Dabei kommt es auf Vertrauen und Zuverlässigkeit an, und zwar in beide Richtungen. Wenn auf der anderen Seite zunächst ein KI-Bot sitzt, ist das wenig vertrauenerweckend und kein idealer erster Schritt für den Aufbau einer langfristigen Lieferbeziehung, von der am Ende beide Seiten profitieren sollen. Ich jedenfalls verhandle weiterhin lieber mit einem Menschen als mit einem KI-Bot.
Wirtschaftsforum: Welche Position streben Sie mit iQLASE in den kommenden Jahren an?
Richard Steinbrecht: Bei allem, was mit Remote-Laserschweißen sowie der Laserbearbeitung in Verbindung mit Robotik und Sensorik zu tun hat, wollen wir weiterhin technologisch an der Spitze stehen und zugleich Lösungen zu marktgerechten Preisen anbieten. Gelingen soll uns das unter anderem durch umfassende Investitionen in wichtige Innovationen. Rund die Hälfte unserer Mitarbeitenden beschäftigt sich mit der Entwicklung neuer Lösungen oder der grundlegenden Weiterentwicklung unserer bestehenden Systeme. Zu einem vergleichbaren Mut zur Innovation möchte ich auch andere Unternehmen ermuntern: Wer sich mit etwas Optimismus an Neues wagt, hat damit nicht selten Erfolg. Dieser Ansatz ermöglicht uns einen schnellen Markteintritt zu einem Zeitpunkt, an dem wir noch attraktive Preise erzielen können. Darüber hinaus setzen wir in der Beschaffung inzwischen auf globales Sourcing, um wettbewerbsfähige Kostenstrukturen zuverlässig zu sichern.









