Wenn Arbeitsräume zu Lebensräumen werden

Interview mit Peter Erhardt, Geschäftsführer und Markus Sulz, Geschäftsführer der Leonhard GmbH

Social Share
Teilen Sie diesen Artikel

Wirtschaftsforum: Herr Sulz, Herr Erhardt, die Leonhard GmbH handelt mit Möbeln, richtet Büros ein und macht doch viel mehr. Worin liegt der Unterschied zum traditionellen Büro- und Objekteinrichter?

Markus Sulz: Das Unternehmen wurde 1987 gegründet und stand schon vor 15 Jahren für den Slogan ‚Ideen für Leben. Raum.Büro.‘ Peter Erhardt brachte den Slogan mit, als er als Investor nach Stuttgart kam; er passte hervorragend zu meinem persönlichen Denken. Heute heißen wir Leonhard Lebensraum Büro. Das war damals in dieser sehr traditionellen Branche historisch. Wir haben damit eine Seitenrolle in der Wahrnehmung gemacht und uns nicht allein auf Möbel bezogen, sondern gesagt, dass es um mehr geht, dass die Gesellschaft sich verändern wird. Für uns ging es um Themen wie Wellbeing in der Arbeit und Connecting Competences; wir wollten Talente finden, halten und entwickeln und multifunktionale Flächen schaffen. Das Thema Camping kam auf; wir hatten die Idee, einen T1 anzuschaffen, einen ikonischen, multifunktionalen Bulli. Etwas ähnlich Multifunktionales und Ikonisches wollten wir mit Arbeitswelten kreieren. Wir wollten Pionier, Mutmacher und Trendsetter sein. Die Skepsis war groß und viele schmunzelten über diese Ideen.

Peter Erhardt: Damals tauchten erstmals Bilder von Leuten mit Laptop am Strand auf, die von überall arbeiteten. Wir waren davon überzeugt, dass das mobile Arbeiten ein Teil der Zukunft sein könnte.

Wirtschaftsforum: Und bekamen Recht. Das Büro als Lebensraum wurde zur Maxime von Leonhard. Wie wurde sie mit Inhalt gefüllt?

Markus Sulz: Uns war klar, dass wir über den reinen Verkauf von Möbeln keine Mitarbeiter, Mitgestalter, Helfer, Kollegen, Mitinitiatoren finden würden. Wir wollten Menschen finden, die unser Mindset teilten und an die Veränderung der Arbeit glaubten. Anhand unserer Thesen haben wir eine eigene Firma entwickelt, hinter der interessante Menschen stehen. Wir haben es geschafft, dass Kunden nicht zu uns kommen, um Möbel zu kaufen, sondern weil sie Geschichten rund um das Thema New Work hören wollen. Wir sind eines der Originale in Deutschland, weiterentwickelt vor 10, 15 Jahren aus einem Rebellenteam. Und wir stehen wieder vor einem historischen Moment. Am 01.01.2023 werden wir mit einem unserer Marktbegleiter, der Kist Gruppe, verschmelzen, um die Kräfte zu bündeln und uns als Markt- und Themenführer für die Gestaltung, Entwicklung und Umsetzung von Arbeitswelten im deutschsprachigen Raum zu positionieren.

Wirtschaftsforum: Wie wird sich die Fusion auswirken?

Peter Erhardt: Wir werden von aktuell 50 auf 150 bis 170 Mitarbeiter wachsen und einen Umsatz von circa 70 Millionen EUR generieren. Hinzu kommen deutschlandweit Standorte, an denen unsere Idee des Büros als Lebensraum weiterentwickelt wird. Auch internationale Standorte sind denkbar. Die Fusion ist getrieben von der Vision, in eine nachhaltige Organisation zu kommen, damit die Ideen und Visionen, für die Leonhard steht, auch künftig Bestand haben.

Markus Sulz: Momentan gibt es einen Standort in Stuttgart am Flughafen; ab dem 01.01.2023 wird es sieben weitere Standorte geben, auch in wichtigen Metropolregionen, noch näher an unseren Kunden.

Wirtschaftsforum: Das Thema New Work ist omnipräsent. Wie erleben und leben Sie das Thema?

Markus Sulz: Wir erleben momentan einen epochalen Umbruch in der Wirtschaft, stehen am Ende der Leistungsökonomie und spüren den Anfang zur Kreativökonomie. Im Vordergrund steht die Symbiose von Arbeit und Leben. Für uns bedeutet das unter anderem, dass wir Kunden früh und bis zum Schluss begleiten, von der Analyse über die Planung bis zu Realisierung und Lifecycle Management. Wir wollen Mutmacher sein und Menschen mitnehmen, um Arbeitsorte unternehmerisch weiterzuentwickeln.

Peter Erhardt: Unser Portfolio mit unseren strategischen Partnern wie Steelcase, Vitra, Palmberg, Bene, Brunner, USM u.v.m. ist in punkto Qualität und Innovationskraft einzigartig. Anfangs stand ein haptisches Produkt im Vordergrund; heute ist es eine Lösung. In Zukunft werden wir vielleicht auch Räume für das Metaverse entwickeln, digitale Räume. Es kann etwas völlig Neues entstehen, das wir mit großer Leidenschaft mitgestalten werden. Wir laden Sie herzlich ein, uns in einem unserer Worklabs zu besuchen und zu entdecken, wie sich Arbeitsräume und Arbeitsorte zukünftig und heute entwickeln!

Bewerten Sie diesen Artikel
TOP