Der innovative Logistikdienstleister für die Baumarktversorgung der Schweizer LANDI Läden
Interview mit Daniel Thomann, Geschäftsführer der LahrLogistics GmbH

Was einst als gemeinsames Logistikprojekt europäischer Handelsunternehmen begann, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einer zentralen Drehscheibe für die Schweizer Baumarktversorgung. Ausgangspunkt war die europäische Einkaufsgemeinschaft Intercoop. „Die Idee war, die Warenströme aller Mitglieder zentral zu bündeln“, erklärt Daniel Thomann. Gemeinsam mit der Schweizer fenaco-Gruppe und der ZG Raiffeisen entstand daraus in Lahr ein moderner Logistikstandort mit optimaler Infrastruktur und direkter Anbindung an Autobahn, Hafen, Bahn und Flughafen. 2015 startete LahrLogistics zunächst mit einer einzigen Halle auf einem rund 13 ha großen Areal. Heute fungiert das Unternehmen als Zentrallager und Logistikinstanz für alle LANDI Läden in der Schweiz. Das Areal umfasst mittlerweile drei Hallen mit 45.000 Palettenplätzen, Ende des Jahres soll der Spatenstich für die vierte Halle erfolgen.
Der Geschäftsführer kam 2018 aus der Schweiz nach Lahr, um den weiteren Ausbau des Standorts mitzugestalten, und begleitet die Entwicklung des Unternehmens seither maßgeblich. Heute beliefert LahrLogistics rund 280 LANDI Läden in der Schweiz sowie zusätzlich etwa 100 Märkte der ZG Raiffeisen. Landi Schweiz ist dabei nicht nur Hauptkunde, sondern über die fenaco-Gruppe auch eng mit der Eigentümerstruktur verbunden. Gleichzeitig erfüllt der Standort eine wichtige Funktion als Zolllager für die Schweiz. Bei rund 50% handelt es sich um Nicht-Unionswaren. Mit 95 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von rund 10 Millionen EUR hat sich das Unternehmen dynamisch entwickelt. Mittlerweile werden knapp 700 Artikel gelagert, darunter saisonale Produkte wie Holzkohle, Gartenhäuser oder Rasenmäher. Besonders die Monate von März bis Juni zählen zu den intensivsten Phasen des Jahres und machen einen erheblichen Teil des Gesamtvolumens aus. In Spitzenzeiten wird der ganzjährige Zweischichtbetrieb deshalb flexibel erweitert und zusätzlich mit Leiharbeitskräften gearbeitet. Während der Coronazeit sorgte zudem der verstärkte Fokus der Verbraucher auf Haus und Garten für deutlich steigende Volumina. Pro Jahr fahren rund 7.000 Lkw von Lahr aus in die Schweiz. Seit der Inbetriebnahme wurden mehr als 1,4 Millionen Paletten angeliefert, über 1,6 Millionen Paletten ausgeliefert und mehr als 54.000 Lkw abgefertigt. Der Lagerumschlag liegt aktuell bei 5,7. „Wir haben schon das Endausbaukonzept und wissen genau, in welchen Schritten wir weiter wachsen können“, sagt Daniel Thomann. Das Unternehmen rechnet etwa alle fünf bis acht Jahre mit einem weiteren Ausbau. Neben den Kernkunden betreut LahrLogistics zudem ausgewählte Drittkunden aus der Region, die zusätzliche Lagerkapazitäten nutzen.
Automatisierung mit Augenmaß
Mit dem geplanten Ausbau investiert LahrLogistics massiv in die Zukunft. Rund 30 Millionen EUR fließen in Halle 4, neue Intralogistiksysteme und umfangreiche Automatisierungslösungen. Dabei setzt das Unternehmen bewusst auf eine Kombination aus moderner Technologie und menschlicher Kompetenz. Rund 80% der eingelagerten Waren befinden sich auf klassischen Europaletten und eignen sich daher besonders gut für automatisierte Prozesse. Künftig sollen fahrerlose Transportsysteme Waren automatisch zwischen Wareneingang und Lager transportieren. Ergänzt wird dies durch ein automatisiertes Schmalganglager, neue Containerentladesysteme, Wickelroboter sowie halbautomatische Fördertechnik. Unterstützt werden die Prozesse dabei durch Lager- und Warenflusssysteme, die Materialbewegungen und Lagerkapazitäten digital steuern. „Bei der Automatisierung geht es nicht darum, Arbeitsplätze zu ersetzen, sondern Prozesse effizienter und körperlich schonender zu gestalten“, betont Daniel Thomann. Bereits heute nutzt das Unternehmen Vakuumhebesysteme für die Containerentladung, wodurch schwere Lasten einfacher bewegt werden können. Rückenprobleme bei Mitarbeitenden seien dadurch praktisch verschwunden. Parallel arbeitet LahrLogistics an weiteren Herausforderungen wie der hohen Verkehrsfrequenz auf dem Gelände, der Trennung von Wareneingang und Warenausgang sowie der Personalgewinnung in Spitzenzeiten. Gerade deshalb investiert LahrLogistics intensiv in seine Unternehmenskultur. „Es entspricht nicht unserer Kultur, Mitarbeitende einfach zu verbrauchen. Wir wollen gute Bedingungen schaffen, von denen beide Seiten langfristig profitieren“, betont Daniel Thomann. LahrLogistics setzt bewusst auf eine offene Du-Kultur, Kommunikation auf Augenhöhe und langfristige Mitarbeiterbindung. Moderne Sozialräume, Gesundheitsprämien, Team-Events sowie Freizeitangebote auf dem Gelände sollen dazu beitragen, ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Der Erfolg zeigt sich deutlich in den Fehlzeiten: Lag die Krankenquote früher noch bei rund 12%, liegt sie heute bei 3%. Man merkt, dass die Mitarbeiter Freude am Job haben und bereichsübergreifend auch Spaß mit den Teams. „Den Erfolg dieser Gesamtentwicklung sehe ich vor allem im offenen Dialog mit den Mitarbeitenden, worauf ich echt stolz bin“, betont Daniel Thomann. Auch Nachhaltigkeit spielt beim Ausbau eine zentrale Rolle. Auf den Hallendächern entstehen in zwei Ausbaustufen große Photovoltaikanlagen mit Ladeinfrastruktur für E-Lkw und Pkw. Geplant ist ein Ladepark mit mehr als zehn Ladepunkten sowie Kapazitäten für bis zu acht E-Lkw-Ladeplätze. Perspektivisch könnte zudem ein neues Bahn-Kombiterminal in unmittelbarer Nähe entstehen, das nach aktueller Planung bis 2040 realisiert werden soll. Dadurch könnten künftig große Teile der Transporte zwischen Lahr und der Schweiz auf die Schiene verlagert und die Autobahnen spürbar entlastet werden. Mit dem weiteren Ausbau, wachsender Automatisierung und langfristigen Investitionen in Nachhaltigkeit, Innovation und Mitarbeiterentwicklung sieht sich LahrLogistics für die kommenden Jahre bestens aufgestellt.









