Projektlogistik mit ganzheitlichem Ansatz

Interview mit Julia Zureck, Prokuristin der Zureck Logistik GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Zureck, wie hat sich die Zureck Logistik GmbH entwickelt?

Julia Zureck: Unser Unternehmen ist aus der Praxis heraus gewachsen. Mein Mann hat 2013 mit einem einzigen Begleitfahrzeug angefangen. Daraus wurde Schritt für Schritt ein etablierter Anbieter für Schwertransport-Begleitungen in Deutschland – zeitweise hatten wir mehr als 50 Begleitfahrzeuge in unserer Flotte. Parallel haben wir ein klassisches Speditionsgeschäft aufgebaut, das sich ebenfalls gut entwickelt hat.

Wirtschaftsforum: Heute sind Sie aber deutlich breiter aufgestellt, richtig?

Julia Zureck: Absolut. Wir haben uns bewusst vom klassischen Logistikdienstleister weiterentwickelt. Heute begleiten wir Projekte ganzheitlich – von der Streckenplanung über Genehmigungen bis hin zur Umsetzung vor Ort. Dazu gehören auch Streckenumbauten, mobile Straßen oder Baustellenlogistik. Wir verstehen uns als Projektlogistiker mit einem sehr umfassenden, flexibel skalierbaren und innovativen Leistungsportfolio.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet das konkret im Alltag?

Julia Zureck: Viele unserer Leistungen beginnen lange vor dem eigentlichen Transport. Wir analysieren Strecken, erstellen Machbarkeitsstudien, führen 3D-Scans durch und prüfen, ob ein Transport überhaupt realisierbar ist. Häufig müssen Autobahnanschlüsse angepasst, Leitplanken entfernt oder Verkehrsschilder temporär versetzt werden. Diese Maßnahmen werden nach dem Transport wieder vollständig zurückgebaut – oft innerhalb derselben Nacht.

Wirtschaftsforum: Ihre Tätigkeit bleibt für Außenstehende oft unsichtbar.

Julia Zureck: Das stimmt. Vieles passiert nachts und abseits der öffentlichen Wahrnehmung. Dennoch sind diese Prozesse essenziell, damit Groß- und Schwertransporte sicher durchgeführt werden können – sei es für Windkraftanlagen, Maschinen oder Brückenteile.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen ergeben sich aktuell für Ihr Geschäft?

Julia Zureck: Eine der größten Herausforderungen ist die Infrastruktur. Marode Brücken, Baustellen oder überlastete Verkehrswege können Transporte erheblich erschweren oder sogar verhindern. Deshalb beginnen wir in der Planung häufig schon sehr früh, mögliche Hindernisse zu identifizieren und Lösungen zu entwickeln.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit Behörden?

Julia Zureck: Sie ist essenziell. Transporte führen oft durch mehrere Bundesländer, und jede Genehmigung muss separat eingeholt werden. Dadurch entstehen komplexe Abstimmungsprozesse. Wir sind deshalb auch aktiv im Dialog mit Behörden und Infrastrukturbetreibern, um langfristig Verbesserungen zu erreichen.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Ihre besonderen Stärken im Wettbewerb?

Julia Zureck: Unsere größte Stärke ist die Praxisnähe. Wir entwickeln keine rein theoretischen Konzepte, sondern Lösungen, die auf der Straße tatsächlich funktionieren. Unsere Teams sind vor Ort im Einsatz, verstehen die Anforderungen und können flexibel reagieren. Diese Kombination aus Erfahrung und Pragmatismus wird von unseren Kunden sehr geschätzt.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Digitalisierung in Ihrem Unternehmen?

Julia Zureck: Digitale Technologien unterstützen uns vor allem in der Planung. Mit 3D-Scans und Simulationen können wir Transportwege genauer analysieren. Dennoch bleibt der Blick vor Ort unverzichtbar. Viele Entscheidungen lassen sich nicht allein digital treffen, weil sich Gegebenheiten ständig verändern.

Wirtschaftsforum: Wie ist Ihr Unternehmen heute strukturiert?

Julia Zureck: Wir beschäftigen rund 100 Mitarbeiter an zwei Standorten. Unsere Arbeit läuft rund um die Uhr, da viele Transporte nachts stattfinden. Gleichzeitig erfordert das Geschäft eine hohe Flexibilität in der Organisation und im Umgang mit unterschiedlichen Arbeitszeiten.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit dem Fachkräftemangel um?

Julia Zureck: Wir setzen stark auf Ausbildung und Quereinsteiger. Uns ist wichtiger, motivierte und zuverlässige Mitarbeiter zu gewinnen, als ausschließlich auf bereits vorhandene Qualifikationen zu achten. Loyalität, Teamfähigkeit und Engagement spielen eine zentrale Rolle.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Julia Zureck: Unser Fokus liegt auf gesundem Wachstum und kontinuierlicher Weiterentwicklung. Wir möchten unsere Prozesse weiter optimieren und gleichzeitig die Herausforderungen der Branche aktiv mitgestalten. Dabei ist uns wichtig, ein verlässlicher Partner zu bleiben und die Qualität unserer Arbeit kontinuierlich zu sichern.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

Julia Zureck: Unternehmertum bedeutet für uns, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Gerade in anspruchsvollen Zeiten zeigt sich, wie wichtig Zusammenhalt und Verlässlichkeit sind – intern wie extern. Genau das prägt unsere Arbeit täglich.

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