Die Verbindung macht den Unterschied

Interview mit Martin Brück, Geschäftsführer der APT Advanced Polymer Tubing GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Brück, Sie sind seit vielen Jahren in der Welt der Fluorpolymere unterwegs und ein Kenner des Marktes. Seit wann sind Sie für die APT tätig? 

Martin Brück: Fluorpolymere begleiten mich durch meine gesamte berufliche Laufbahn. Mehr als 20 Jahre war ich für den Chemiekonzern DuPont tätig – das Unternehmen, das Polytetrafluorethylen (PTFE) erfunden hat, besser bekannt unter dem Markennamen Teflon®. In dieser Zeit hatte ich verschiedene Führungspositionen in Europa inne. Ende 2019 wechselte ich zur Masterflex Group und übernahm die Geschäftsführung der gruppenzugehörigen APT. Heute bin ich damit Kunde meines ehemaligen Arbeitgebers – und weiterhin täglich mit Fluorpolymeren befasst. 

Wirtschaftsforum: Wie sah die Entwicklung der APT aus?

Martin Brück: Die APT – Advanced Polymer Tubing – wurde 2011 in Neuss gegründet und ist seit 2017 Teil der Masterflex Group. Die Unternehmensgruppe konzentriert sich auf die Kernmärkte Life Tech, Mobility und Infrastructure. Innerhalb dieser Struktur liegt unser Fokus auf hoch spezialisierten Schlauchlösungen aus Fluorpolymeren. Mit einem hohen technologischen Anspruch entwickeln und fertigen wir komplexe Produkte für anspruchsvolle Anwendungen. Je nach Kundenanforderung liefern wir sowohl Halbzeuge als auch einbaufertige Komponenten. Damit bewegen wir uns sowohl hinsichtlich der eingesetzten Werkstoffe als auch der Anwendungen in einem klaren Nischenmarkt. Fluorpolymere sind kostspielige Kunststoffe und kommen vor allem dort zum Einsatz, wo ihre besonderen Eigenschaften tatsächlich benötigt werden. Bei vielen technologisch anspruchsvollen Prozessen – etwa in der Batterieproduktion, der Halbleiterfertigung oder der Herstellung von Photovoltaikanlagen.

Wirtschaftsforum: Welche besonderen Charakteristika bringen Fluorpolymere mit? 

Martin Brück: In der Halbleiter­industrie, wo aggressive, ätzende Materialien transportiert werden müssen, um beispielsweise Wafer für Microchips in hochreinen Prozessen herzustellen, überzeugen unsere Produkte, weil sie extrem chemikalienresistent und korrosionsfest sind. Sie eignen sich für den Dauergebrauch in Temperaturbereichen von - 200 °C bis + 260 °C. Das Besondere an Fluorpolymer-Schläuchen ist, dass sie ihre außergewöhnlichen Eigenschaften bereits direkt nach der Herstellung mitbringen. Merkmale wie die antiadhäsive Oberfläche sind fest im Material verankert; zahlreiche Branchen machen sich diese Eigenschaften zunutze. So werden Fluorpolymer-Schläuche beispielsweise häufig in Lackieranlagen eingesetzt, weil sie bei Farbwechseln schnell gereinigt werden können. Ein weiteres typisches Anwendungsfeld sind Kaffeevollautomaten. Hier müssen die Schläuche dauerhaft hohen Temperaturen, Wasserdampf und Druck standhalten – eine anspruchsvolle Kombination, die nur wenige Kunststoffe zuverlässig erfüllen können.

Wirtschaftsforum: Werden die Schläuche generell nach Kundenwunsch produziert? 

Martin Brück: Etwa 70% unserer Produkte werden kundenspezifisch gefertigt. Manche Kunden wünschen eine bestimmte Farbe, Länge, Toleranz, das Logo auf dem Schlauch, oder eine Lotnummer für die gerade in der Lebensmittelbranche essenzielle Rückverfolgbarkeit. Der Masterflex Group geht es nicht zuletzt um die vertikale Integration in die Lieferkette. Das heißt, wir wollen diese Produkte nicht nur anbieten, sondern fertige Produkte gemeinsam mit dem Endkunden weiterentwickeln.

Wirtschaftsforum: APT ist Marktführer auf dem Nischenmarkt der Fluorpolymere. Wie groß ist das Unternehmen heute? 

Martin Brück: Am Standort Düsseldorf, wo Produktion, Logistik, Administration, Vertrieb und Entwicklung unter einem Dach ansässig sind, beschäftigen wir circa 50 Mitarbeitende. Die Masterflex Group hat rund 600 Mitarbeitende weltweit, ist börsennotiert und setzt circa 100 Millionen EUR jährlich um. Die APT konzentriert sich zwar auf die DACH-Region, profitiert jedoch von den internationalen Aktivitäten der Gruppe und nutzt weltweit ihren Vertriebs- und Marketingarm. 

Wirtschaftsforum: Welche Stärken bringt die APT in den Markt ein?

Martin Brück: Wir sind technologisch sehr breit aufgestellt und können zielgerichtet Lösungen entwickeln. Die Fähigkeit, Schlauch- und Verbindungslösungen nicht nur zu liefern, sondern gemeinsam mit den Kunden zu entwickeln, ist ein USP, der Materialkompetenz, Engineeringtiefe, regulatorisches Verständnis, Fertigungs- und Beratungskompetenz erfordert. Unsere Kunden werden immer internationaler, deshalb wird Rückverfolgbarkeit immer wichtiger. Digitale Technologien sorgen für Transparenz über die gesamte Prozesskette.

Wirtschaftsforum: Sie sind seit vielen Jahren für APT tätig. Wie haben Sie die vergangenen krisengeprägten Jahre wahrgenommen und wo soll es hingehen? 

Martin Brück: Es waren Jahre des Wandels und der konsequenten Weiterentwicklung. Wir sehen uns als aktiver Gestalter, als Steuermann im eigenen Boot, der auch dann auf Kurs bleibt, wenn die See rauer wird. Unsere Zukunftsstrategie basiert auf den drei Säulen Profitabilität, Wachstum und Kreislaufwirtschaft. Mit der Devise „Hero at Zero“ wollen wir Nachhaltigkeit tatsächlich leben. Damit einher geht der sinnvolle Einsatz von KI, nicht als isoliertes Tool, sondern als Hebel für Effizienz, Qualität und Innovationsgeschwindigkeit. 

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