Die neue Intelligenz der Intralogistik

Interview mit Andreas Lindemann, Geschäfts­führer der NEURA Mobile Robots GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Lindemann, ek robotics blickt auf eine lange Geschichte zurück. Was zeichnet das Unternehmen heute aus?

Andreas Lindemann: Die Marke ek robotics steht für 60 Jahre Erfahrung in der Intralogistik. Wir bauen nicht nur Fahrzeuge, sondern verstehen die Prozesse unserer Kunden sehr genau. Wir entwickeln vollautomatische Transportlösungen für sehr unterschiedliche Anwendungen – von klassischen fahrerlosen Gabelstaplern bis hin zu individuell entwickelten Spezialfahrzeugen für schwere oder besonders sperrige Lasten.

Wirtschaftsforum: Was hat sich durch die Übernahme durch ­NEURA verändert?

Andreas Lindemann: Die Verbindung ist strategisch ausgesprochen spannend. ek robotics – jetzt NEURA Mobile Robots – bringt

jahrzehntelange Erfahrung in der industriellen Intralogistik, hohe Prozesskompetenz und eine starke Qualitätsorientierung mit. NEURA steht für technologische Exzellenz in der kognitiven Robotik. Diese Kombination eröffnet enorme Möglichkeiten. Wir arbeiten derzeit intensiv daran, beide Welten zusammenzuführen: die robuste, praxiserprobte Transport­robotik von ek robotics und die lernfähigen, softwaregetriebenen Technologien von NEURA.

Wirtschaftsforum: Wo liegen die besonderen Stärken von ek robotics im Markt?

Andreas Lindemann: Zum einen in unserer Qualität. Wir fertigen in Deutschland und stehen für verlässliche, langlebige Systeme. Unsere Fahrzeuge laufen bei vielen Kunden im 24/7-Betrieb, oft über viele Jahre hinweg. Zum anderen liegt unsere Stärke im tiefen Verständnis intralogistischer Prozessketten. Wir wissen, wie Materialflüsse in Produktion und Logistik funktionieren, wo Engpässe entstehen und wie sich Abläufe intelligent automatisieren lassen. Unsere Kunden suchen keine Standardprodukte von der Stange, sondern Lösungen, die exakt zu ihrer Umgebung passen – und genau dafür sind wir bekannt.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Software dabei?

Andreas Lindemann: Eine sehr große. Von außen sieht man oft zuerst das Fahrzeug. Der eigentliche Kern moderner Automatisierung liegt aber in der Software. Unsere Systeme erhalten Transportaufträge aus den IT-Strukturen des Kunden und steuern da­raus die komplette Bewegung der Fahrzeuge. Hinzu kommen Flottenmanagement, Navigation, Sicherheitslogik und die Einbindung in bestehende Prozesse. Deshalb haben wir einen starken Entwicklungsschwerpunkt – insbesondere in der Softwareentwicklung.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich die Technologie in den vergangenen Jahren entwickelt?

Andreas Lindemann: Die Entwicklung war enorm. Früher arbeiteten viele Systeme mit Induktionsschleifen im Boden, später kamen laserbasierte Navigationslösungen hinzu. Heute stehen zunehmend autonome mobile Roboter im Fokus, die mit Sensorik, Kameras und intelligenter Software freier im Raum agieren können. Wichtig ist aus unserer Sicht aber: Es gibt nicht die eine richtige Technologie für alle Anwendungen. Entscheidend ist immer der konkrete Bedarf des Kunden.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet die Integration in die NEURA-Welt konkret für die Zukunft?

Andreas Lindemann: Sie ermöglicht uns, den nächsten Schritt zu gehen. Bislang waren wir vor allem dort stark, wo es um den zuverlässigen Transport von Material ging. Mit den Technologien von NEURA können wir jetzt auch den ‘letzten Meter’ neu denken. Das ist in vielen Branchen hochrelevant. Ein Beispiel ist das Krankenhaus: Unsere Fahrzeuge können Material autonom auf eine Station bringen. Künftig lassen sich solche Lösungen mit robotischen Systemen kombinieren, die auch das Be- und Entladen oder weitere Handgriffe übernehmen. Ähnlich ist es in der Industrie, wenn Material nicht nur transportiert, sondern direkt in Montageprozesse eingebunden werden soll. Dadurch entstehen ganzheitliche Automatisierungslösungen.

Wirtschaftsforum: Was treibt das Wachstum im Automatisierungsmarkt an, und welche Rolle spielen dabei der Standort Deutschland sowie die künftige Ausrichtung von ek robotics?

Andreas Lindemann: Der wichtigste Treiber ist der zunehmende Fachkräftemangel. Automatisierung schafft hier nicht nur Entlastung, sondern ist oft auch wirtschaftlich sehr attraktiv, weil sich Investitionen durch den dauerhaften Einsatz der Systeme schnell amortisieren. Gleichzeitig ist der Standort Deutschland für uns ein klarer Vorteil: Unsere Stärke liegt in Entwicklung, Konstruktion, Endmontage, Inbetriebnahme und Testing. Gerade bei komplexen, sicherheitsrelevanten Lösungen sind Präzision, Qualität und verlässliche Prozesse entscheidend. Für die kommenden Jahre sehen wir deshalb großes Wachstums­potenzial. Mit der Verbindung aus der langjährigen Intralogistik-Expertise von ek robotics und den kognitiven Robotiktechnologien von NEURA wollen wir unsere Position weiter ausbauen und intelligente, ganzheitliche Automatisierungslösungen für die Industrie vorantreiben.

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