Konstruktiv bauen im Team

Interview mit Leo W.A. de Man, Geschäftsführer der Kondor Wessels Holding GmbH WF:

Wirtschaftsforum: Derzeit muss man das einfach fragen: Wie geht es Ihnen? Wie geht es Ihrem Unternehmen?

Leo W.A. de Man: Die Baubranche kann sich wirklich nicht beklagen. Es läuft derzeit sehr gut für uns. Corona hat aktuell keinen Einfluss auf unser allgemeines Geschäft. Das ist doch einmal eine gute Nachricht. Ich habe mir gerade die Zahlen des ersten Quartals angeschaut und kann sagen, dass es gut aussieht.

Wirtschaftsforum: Sie schauen also optimistisch in die nächste Zeit?

Leo W.A. de Man: Absolut. Corona hin oder her, der Wohnungsbau bleibt ein Thema in Deutschland, Die Wohnungsnot wird nicht plötzlich abnehmen, sondern uns auch weiterhin beschäftigen. Gerade jetzt, da enorme Gelder in die Wirtschaft gepumpt werden, droht eine Inflation. Da flüchten viele in die Steine. Und die Investitionen werden einen Aufwind erleben und Fahrt aufnehmen. Das ist gut für uns.

Wirtschaftsforum: Und wie wird sich die Branche insgesamt entwickeln?

Leo W.A. de Man: Einige Bereiche werden sicherlich langsamer anlaufen. Hotels und Büros werden noch länger daran zu knabbern haben. Aber wir sehen Logistik als absolute Zukunftsbranche. Wir möchten verstärkt in die Logistikbranche einsteigen und Projekte entwickeln und bauen. Alle bestellen online, und die Zahlen wachsen beständig. In fünf bis zehn Jahren haben wir in den großen Ballungsgebieten Logistik-HUBs, von denen aus die Innenstädte mit Kleintransportern (bevorzugt elektrisch) beliefert werden können.

Wirtschaftsforum: Wie sieht es allgemein bei Ihnen aus?

Leo W.A. de Man: Wie gesagt, wir befinden uns weiter auf Wachstumskurs. In Deutschland beschäftigen wir an drei Standorten 365 Mitarbeiter. In Berlin sind wir recht gut vertreten, doch auch die Niederlassungen in Ratingen und Frankfurt beschäftigen sich derzeit mit schönen Projekten und sind recht erfolgreich unterwegs.

Wirtschaftsforum: Ihre Schwerpunkte liegen auf Produktentwicklung, Projektentwicklung und Bauausführung, sowie Baupartner der Öffentlichen Hand als auch für private Auftraggeber. Das stimmt, oder?

Leo W.A. de Man: Wir sind Baupartner von kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und privaten Auftraggebern. Zu Letzteren zählen beispielsweise die Groth-Gruppe Berlin, CG Gruppe und BPD sowie weitere renommierte Projektentwickler zu unseren Kunden. Wir sind ein entwickelnder Baubetrieb und sehr stark in der Projektentwicklung. Wir kaufen Grundstücke, bauen und verkaufen. Das macht uns stark und flexibel und wir können rasch auf Marktgegebenheiten reagieren. Das Portfolio ist ein Mix aus Wohnungen, Gewerbe, Kitas, Hotelbau – allesamt sehr stabil und krisenfest. Wir möchten zukünftig nicht nur in die Sparte Logistik einsteigen, sondern uns vermehrt auch auf den Schulbau ausrichten. Wir sind nachweislich einer der größten Player hier in Berlin – auf Platz 7 der aktuellen bulwiengesa Studie – und es sind in nächster Zeit rund 40 Schulen neu zu bauen. Sicherlich ein interessantes Segment – und das allein in der Hauptstadt.

Wirtschaftsforum: Sie sind nicht nur in Berlin eine Größe, sondern Sie realisieren deutschlandweit Projekte. Und sind zudem noch international ein bekannter Name in der Baubranche.

Leo W.A. de Man: Angefangen hat bei uns alles 1963, als Dik Wessels die Leitung des kleinen Familienunternehmen Wessels im niederländischen Rijssen übernimmt und das Unternehmen großgemacht hat. In Remscheid übernimmt er ebenfalls einen Betrieb und es kommen erste Namen in Berlin hinzu. Parallel dazu baut Wessels das niederländische Geschäft stark aus. Um die Aktivitäten auszuweiten, kommen also im Laufe der Jahre immer neue Unternehmen hinzu. 2006 wird dann die Holding in Berlin gegründet, um den Konzern zu restrukturieren, und zwar in der Form, wie wir ihn heute kennen. Mai 2017 sind wir mit der kompletten Gruppe an die Amsterdamer Börse gegangen, doch da sind wir aktuell wieder raus.

Wirtschaftsforum: Wie stellt sich das Unternehmen derzeit da?

Leo W.A. de Man: Volker Wessels besteht aus 120 Einzelgesellschaften. Das müssen Sie sich wie einen großen Lego-Bausteinkasten vorstellen. Gerade das ist unsere große Kraft und Stärke.

Wirtschaftsforum: Wie lange sind Sie schon im Unternehmen?

Leo W.A. de Man: Ich kam 1999 zu Wessels. Seit 2019 bin ich nun CEO der Kondor Wessels Gruppe in Deutschland. Ich mag es, operativ tätig zu sein und kenne, zum Ärger meiner geschäftsführenden Kollegen, jedes Projekt fast besser als sie selbst. Mein Steckenpferd sind Partnerschaften und Joint Ventures. Wir machen viel mit anderen bekannten Unternehmen und tun uns zu Bauteams zusammen. Begriffe wie Auftraggeber und Auftragnehmer mag ich nicht so sehr, da ist mir Bauteam lieber. Wir sind stark in Bauteam-Verfahren. Wir definieren hier gemeinsame Projekte, die wir am Ende realisieren. Dazu erstellen wir ein Eckpunkte-Papier: Wo wollen wir hin? Was wollen wir beide realisieren? Beide Seiten wollen Geld verdienen und deshalb schauen wir, dass wir die Zusammenarbeit möglichst gut hinbekommen.

Wirtschaftsforum: Und damit sind Sie erfolgreich?

Leo W.A. de Man: In Berlin sind wir dadurch eines der erfolgreichsten Unternehmen bei Ausschreibungen geworden. Wir realisieren zurzeit knapp 3.000 Wohneinheiten in Berlin. Dazu setzen wir das gesamte Know-how der Gruppe ein und konzentrieren uns auf Planungskonzepte und die Realisierung der Projekte, viele von ihnen preisgekrönt.

Wirtschaftsforum: Woher kommt der Erfolg von Kondor Wessels?

Leo W.A. de Man: Wir sind so erfolgreich, weil wir ein ehrlicher, angenehmer und zuverlässiger Partner sind. Durch unsere Struktur können wir uns in die Lage der Partner versetzen. Die meisten Konflikte entstehen, weil man sich nicht versteht. Wir verstehen, wo es haken könnte. Wenn man Verständnis füreinander aufbringt, dann kommt man weit. Wir sind lösungs- und nicht streitorientiert. Auch wenn jeder auf sein Geld schaut, so haben wir doch ein gemeinsames Ziel.

Wirtschaftsforum: Wie sieht die Zukunft aus?

Leo W.A. de Man: Wir wollen unseren Turnover steigern und das wird selbstverständlich zu einem Wachstum führen. Damit werden wir im Konzern eine noch signifikantere Rolle spielen. Das richtige Personal zu finden, ist ganz wichtig. Die Mitarbeiter müssen zu uns passen und wir müssen offen kommunizieren. Wir arbeiten mit vielen Werkstudenten zusammen, von denen nach dem Studium viele bleiben. Wir bieten große Freiheiten im Unternehmen und unterstützen alle, wenn sie engagiert bei der Sache sind.

Wirtschaftsforum: Offenheit ist ein wichtiges Stichwort in Ihrer Kommunikation.

Leo W.A. de Man: Das habe ich von Dik Wessels gelernt. Ich habe damals als junger Mitarbeiter gern seinen Rat angenommen: Offenheit, Ehrlichkeit und auch geschäftliche Härte sind wichtig, solange man gemeinsam für das gemeinsame Ziel einsteht. Einer der wichtigsten Sprüche von mir: Ein Unternehmen – das sind viele kommunizierende Röhren.

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