New Work zum Anfassen und Ausprobieren

Interview mit Jochen Wagner, Geschäftsführer der KAHL Büroeinrichtungen GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wagner, wie hat die Geschichte von KAHL begonnen?

Jochen Wagner: Das Unternehmen wurde 1970 von Otto Kahl und seiner Frau Monika gegründet. Er war in der Stuhlkonstruktion tätig, unter anderem bei Thonet, und wurde auf den Büromöbelhersteller Schärf aufmerksam, der Händler suchte. So hat das Ehepaar Kahl den Betrieb mit eigenem Budget und unermüdlicher Arbeit aufgebaut. In den nun 51 Jahren seines Bestehens ist KAHL kontinuierlich gewachsen. 2001 haben die Gründer den Betrieb an drei ihrer Kinder übergeben. Diese streben nun auch den Ruhestand an, deshalb gestalten mein Geschäftsführer-Kollege Frank Winkler und ich nun die nächste Generationenfolge. Auch wenn wir mit Nachnamen nicht Kahl heißen, verstehen wir uns doch als Teil der Unternehmensfamilie.

Wirtschaftsforum: Welche Position nimmt das Unternehmen am Markt ein?

Jochen Wagner: In unserem Segment sind wir bundesweit ganz vorne dabei. Unser Jahresumsatz liegt bei circa 20 Millionen EUR. An unserem Firmensitz in Mannheim beschäftigen wir aktuell rund 50 Mitarbeiter, Tendenz weiterhin steigend.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr Produktportfolio aus?

Jochen Wagner: Wir kommen vom klassischen Büromöbel, bieten auf der Produktseite aber schon lange alles was es braucht, um vom veredelten Rohbau zum fertigen Wohlfühl-Arbeitsplatz zu kommen. Allerdings shiften wir immer mehr vom Handel zur Beratung. Wir möchten den Kunden zu einem sehr frühen Zeitpunkt abholen und in den Dialog mit ihm eintreten, um festzustellen, welche Gestaltung sinnvoll ist, ob zum Beispiel ein Konzept wie New Work überhaupt zu ihm passt. Die Wertschöpfung ist in der Beratung am höchsten, wenngleich der Handel bei uns immer noch den größten Umsatzanteil ausmacht.

Wirtschaftsforum: Was hat sich denn in Ihrem Geschäft durch die Corona-Zeit verändert?

Jochen Wagner: Im Vergleich mit vielen unserer Branchenbegleiter hat uns die Pandemie sehr milde getroffen. Wir waren glücklicherweise 2020 wirtschaftlich sehr solide aufgestellt, hatten treue Kunden und sind bis heute ohne eine Minute Kurzarbeit und ohne einen Euro an Förderungen ausgekommen. Sehr geholfen hat uns, dass wir bereits alles hatten, was wir in dieser Zeit brauchten: Schon 2018 haben wir uns verstärkt mit dem Thema New Work beschäftigt, denn viele Kunden hatten hier Bedarf. Um das Thema greifbar zu machen, haben wir unser eigenes Haus zu einer New Work Erlebniswelt gemacht. Sie heißt New Work Dock. Für New Work braucht man nicht nur Räume, sondern vor allem IT-Struktur. Im Herbst 2019 hatten wir unsere Hausaufgaben gemacht. All unsere Mitarbeiter konnten mobil und remote arbeiten und waren zum Teil schon in die Cloud migriert. Wir waren also gut aufgestellt und mussten in diesem Bereich nicht nachinvestieren. 2020 wurde immerhin das zweitbeste Jahr in unserer Firmengeschichte. Der Markt an sich ist im Volumen konstant geblieben. Die Prägung ist aber eine andere, weil sich die Bedarfe geändert haben.

Wirtschaftsforum: Ist New Work bei Ihren Kunden ein Trend?

Jochen Wagner: Die meisten unserer Kunden sind zunächst einmal stark verunsichert. Sie haben keinen Kompass und suchen eine helfende Hand durch die bewegten Zeiten. Für viele ganz klassisch aufgestellte Kunden dürfen wir komplette Arbeitsstrukturen neu schaffen und die Transformation schon in einem frühen Stadium bis hin zur finalen Umsetzung begleiten. Und letztlich zeigt sich ganz allgemein, dass eine hervorragende Antwort auf die Herausforderungen der Corona- Pandemie New Work heißt

Wirtschaftsforum: Mit welchen Qualitäten überzeugt KAHL besonders?

Jochen Wagner: Nicht zuletzt durch unser New Work Dock, in dem Kunden auch arbeiten können. New Work und Digitalisierung erzeugen manchmal Ängste. Es ist daher wichtig, die Mitarbeiter mit auf die Reise zu nehmen. Dafür haben wir die richtigen Partner und sind selbst zentraler Ansprechpartner für unsere Kunden. Unsere Kunden können hier bei uns spüren und erleben, dass wir das, was wir überzeugt vertreten, auch selbst konsequent leben. Deswegen würde ich sagen, wir überzeugen in erster Linie durch Ehrlichkeit.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt für Sie das Thema Nachhaltigkeit?

Jochen Wagner: Nachhaltigkeit ist schon jetzt eminent wichtig und wird noch wichtiger werden. Die Kunden wünschen sie sich, aber in erster Linie legen wir selbst Wert darauf. Deshalb beziehen wir so weit wie möglich von regionalen oder innerdeutschen Partnern. Das ist einerseits ein klares Qualitätsversprechen und zusätzlich vorteilhaft für den ökologischen Fußabdruck. Einrichtungsgegenstände um die halbe Welt zu transportieren, wenn diese doch hierzulande in bester Qualität hergestellt werden, ergibt für uns keinen Sinn.

Wirtschaftsforum: Was planen Sie für 2022?

Jochen Wagner: Wir wollen noch anschaulicher zeigen, wie in einem klug organisierten hybriden Arbeitsmodell Homeoffice und Büro ideal zusammenspielen. In Kooperation mit dem Mannheimer Startup nuwo haben wir zum Beispiel ein zeitgemäßes Konzept entwickelt, mit dem Mitarbeiter zuhause auf Leasingbasis ausgestattet werden. Das funktioniert sehr unkompliziert nach dem Prinzip des in vielen Firmen bereits etablierten Jobrad-Modells.

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