Wenn Ventile sicher sein sollen (Kopie 1)

Interview mit Carsten Braun, Geschäftsführer der ITAG Valves Engineering GmbH

ITAG ist Synonym für Kelly Valves, die den hohen Sicherheitsanforderungen von Global Playern der Erdölindustrie wie Shell, Exxon, Chevron usw. gerecht werden. Dabei handelt es sich um Vorrichtungen, die es ermöglichen, die Innenbohrung eines Bohrstrangs zu schließen und die Spülungssäule im oberen Teil des Kelly Valves zu halten, wenn vom Bohrstrang abgekoppelt wird. Damit übernehmen die Ventile eine entscheidende Sicherheitsfunktion.

Mit dem Markt, für den Markt

Kelly Valves sind komplexe Produkte und mit entsprechendem Know-how verbunden. Die ITAG hat dieses Know-how in vielen Jahren aufgebaut und sich den Marktbedürfnissen konsequent angepasst. Hermann von Rautenkranz gründete das Unternehmen 1912 als Internationale Tiefbaugesellschaft. „Mit der Entdeckung von Erdöl wuchs der Bedarf an Ausrüstungen wie Bohranlagen und Werkzeug“, erklärt Geschäftsführer Carsten Braun. „Viele Firmen haben sich zu der Zeit in Celle niedergelassen, darunter die ITAG.“

Das Unternehmen etablierte sich schnell am Markt, trug Know-how und Erfahrung auch in andere Länder und musste nach dem zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands, als der Osten nicht mehr vom grenznahen Celle aus betreut werden musste, umdenken. „Zu Beginn war ITAG im Bohrbetrieb tätig, später hatte man eine Werkstatt für Reparaturen und Instandsetzungen,“ so Carsten Braun. „Schließlich entwickelte ITAG neue, zum Teil patentierte Geräte und stellte Langwellen her. Es gab eine Zeit, in der die ITAG die längste Drehbank Europas hatte und Schiffswellen baute.“

Von Celle bis Katar

Eine neue Ära begann 2001; bis dahin eigentümergeführt, übernahm Dr. Jaber A. Al Marri aus Katar das Unternehmen. „Dr. Al Marri hat Know-how und Erfahrung aus der Erdölindustrie erworben und auf neue Standorte in Doha und Jubail in Saudi-Arabien übertragen.“ Heute hat die Muttergesellschaft der ITAG ihren Sitz in Katar, mit seinen Mitarbeitern agiert Celle als ‚Center of Excellence‘ mit dem Fokus auf Engineeringleistungen für die ITAG Standorte Doha und Jubail. Gefertigt wird an allen drei Standorten. In Celle sind dies vor allem Kelly Valves, aber auch Armaturen. Die Ventile sind relativ standardisiert, Spezialanfertigungen auf Anfragen.

„Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert“, so Carsten Braun. „Angesichts wachsender Konkurrenz aus China konzentrieren wir uns bewusst auf die Nische, auf besonders schwierige Anwendungen, hohe Drücke und Spezialanwendungen. Die Produkte aus China sind zwar günstiger, erfüllen in einigen Fällen oft nicht die hohen Sicherheitsanforderungen großer Konzerne.“ Der hohe Sicherheitsstandart der großen Konzerne fordert für die Kelly Valves alle 6 Monate eine Technische Überprüfung. Hierfür bietet die ITAG Valves Engineering einen Aftermarket Service an.

Herausforderung und Chance

Mit den Produkten und Leistungen wendet sich das Unternehmen an drei Kundengruppen: Hersteller von Top Drive Systemen, Drilling Contractoren mit Ihren Bohranlagen sowie Händler für Ausrüstungen der Erdoil & Erdgas Industrie. Kunden sind vor allem in Europa ansässig, über sie gehen die Produkte indirekt in die ganze Welt. ITAG profitiert von einem guten Netzwerk – und einem guten Ruf. Corona stellt das Unternehmen nun vor neue Herausforderungen. „Der Bedarf an Produkten für die Erdoil & Erdgas Industrie ist zur Zeit signifikant eingebrochen“, sagt Carsten Braun.

„Hat man Aufträge, steht man vor dem Problem der Materialbeschaffung. Lieferzeiten können zur Zeit nur mit hohen Aufwand eingehalten werden, da ganze Lieferketten unterbrochen sind. Stahlpreise sind extrem hoch, Transportkosten ebenso. Zudem steht uns ein stark wachsender amerikanischer Markt gegenüber, welcher sich nur schwer erschließen lässt. Der russische Markt hingegen kann aufgrund bestehender Embargos nur äußerst schwer bedient werden. Durch unsere Dependancen in Doha und Saudi-Arabien sind wir dennoch insgesamt gut etabliert; dort stellen wir uns marketingtechnisch gerade erst auf, um neue Geschäftsfelder zu erschließen. Zudem arbeiten wir erfolgreich an alternativen Produkten für den Bereich der Geothermie sowie an einem Messsystem zur Überwachung des Gewichtes von Rohrtouren zur Förderung von Erdoil oder Erdgas. Ein erstes Messsystem mit dem Namen EiWIS260T ist bereits im Einsatz.

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