Energieversorgung im Einklang mit der Natur

Interview mit Stefan Illien, Geschäftsführer der IBC Energie Wasser Chur

Wirtschaftsforum: Herr Illien, die IBC Wasser Chur blickt auf 125 Jahre Firmengeschichte zurück: Was waren in dieser Zeit wichtige Schritte in der Entwicklung des Unternehmens?

Stefan Illien: Die Stadt mit Gas versorgen zu können bot damals zum einen die Verfügbarkeit von Licht auch im öffentlichen Raum und war gleichzeitig auch das Ende der mit Holz beheizten Küchenherde – das Kochen wurde mit einem Gasherd sehr viel einfacher. Später kam die Versorgung mit fließendem Wasser hinzu: Die Stadt durfte sich ergiebige Quellen im nahen Berggebiet erschließen und diese auch erwerben und so sichern. Diese Quellen versorgen uns noch heute mit Trinkwasser. Die damals erbrachte Ingenieursleistung ist beachtlich, denn die Leitungen erstrecken sich über 15 km von den Quellen bis nach Chur. In der jüngeren Zeit ist ein wichtiger Schritt für uns das Hinzukommen der erneuerbaren Energien, und das natürlich auch im Hinblick auf unsere Zukunft als Energieversorger.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen strukturiert und wie lässt es sich in Zahlen ausdrücken?

Stefan Illien: Von unserem Standort Chur versorgen wir alle unsere Kunden in der Region von Maienfeld bis Thusis, das ist ein Radius von etwa 40 km. Im Team sind wir 90 Mitarbeiter und erwirtschaften bei den derzeit höheren Energiepreisen einen Jahresumsatz von circa 100 Millionen CHF.

Wirtschaftsforum: Was umfasst Ihr Portfolio und welche Leistungen sind dabei besonders wichtig?

Stefan Illien: Wir differenzieren hier zwischen dem Leistungsauftrag der Stadt Chur als Eignerin von IBC, der einerseits die Strom- und andererseits die Wasserversorgung umfasst und bei dem die Versorgungssicherheit im Vordergrund steht, und den Tätigkeiten, die wir im Markt anbieten dürfen. Letztere sind vor allem das Gasgeschäft und das Wärmegeschäft, die Transformation von Gasanschlüssen zu Wärme- und Kälteanschlüssen auf der Basis erneuerbarer Energien. Im Bereich Stromerzeugung haben wir verschiedene Wasserkraftprojekte in der Pipeline. Wenn wir diese realisieren können, haben wir einen Eigenversorgungsgrad von 85 bis 90%. Im Gasbereich möchten wir über eine Biogasanlage auch in den Bereich ökologisch erzeugter Gase hinein; wir planen hier eine Trockenvergärungsanlage, die uns nach abgeschlossener Transformation der Wärmestrategie ebenfalls etwa 20% des künftig benötigten Gases garantieren könnte – als lokales Biogas. Aktuell transportieren wir circa 300 GWh Gas in unsere Netze, 200 GWh benötigen wir zur Wärmegewinnung. Diese 200 GWh wollen wir zukünftig aus alternativen Quellen gewinnen: unter anderem aus Grundwasser, welches wir über Energiezentralen von circa 9 °C auf 65 °C anheben und über Fernwärmeleitungen in die Haushalte verteilen. Bis 2040 wollen wir sämtliche Kunden in Chur CO2-neutral versorgen.

Wirtschaftsforum: Wen versorgen Sie, abgesehen vom Leistungsauftrag der Stadt Chur, mit Wasser, Strom, Gas und Wärme? Wer sind Ihre Kunden?

Stefan Illien: Zu unseren Kunden zählen Unternehmen aller Art und aus allen industriellen Branchen sowie Haushalte und Geschäftsliegenschaften hier im Umkreis. Im kleineren Rahmen bieten wir Unternehmen hier im Umkreis auch Photovoltaik-, Mobilitäts- und Ladeinfrastruktur-Dienstleistungen an.

Wirtschaftsforum: Wie erreichen Sie Ihre Kunden und was macht Ihrer Meinung nach den Erfolg der IBC aus?

Stefan Illien: Wir kennen unsere Kunden sehr gut, weil wir in direktem Austausch mit ihnen stehen. Trotzdem müssen wir nach und nach auch ʿmassengeschäftstauglicherʾ werden und rascher auf Anfragen reagieren können – hier gehen wir verstärkt über Social Media-Kanäle und Chatbots, also digitale Instrumente. Erfolgreich sind wir vor allem auch durch unsere Zuverlässigkeit und solide Arbeit in der Grundversorgung. Das ist unser Fundament.

Wirtschaftsforum: Eine persönliche Frage zum Schluss: Welche Motivation treibt Sie in Ihrem Beruf an?

Stefan Illien: Als Familienvater liegt es mir am Herzen, dass Kinder in einer intakten Umwelt aufwachsen können. Dass wir hier inmitten einer grandiosen Natur leben, ist nicht selbstverständlich – das müssen wir uns immer wieder vor Augen führen und verantwortungsvoll handeln.

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