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Interview mit Michaela Tiefenbacher, Geschäftsführerin der Naturel Hotels & Resorts GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Tiefenbacher, Sie führen gemeinsam mit Ihrer Tochter die Naturel Hotels & Resorts GmbH in Latschach. Wofür steht der Name genau?
Michaela Tiefenbacher: Naturel Hotels & Resorts versteht sich nicht als klassisches Hotel, sondern als Gastgeber zweier außergewöhnlicher Hoteldörfer, die 1978 am Faaker See entstanden. Damals hatte der österreichische Baumeister Robert Rogner die Idee, alte Bauernhäuser abzubauen und hier originalgetreu wieder aufzubauen, vergleichbar mit einem Freilichtmuseum. Für ihn waren die charmanten Bauernhäuser der ideale Ort für eine damals neue Urlaubsform – den Cluburlaub. Von 1983 bis 2011 befanden sich die Häuser im Besitz der TUI AG und wurden ganz im Sinne dieses Konzepts betrieben.
Wirtschaftsforum: Wie kamen Sie zum Unternehmen?
Michaela Tiefenbacher: Ich bin 2000 als Leiterin des Rechnungswesens hier eingestiegen, wurde dann Geschäftsführerin der Dorfhotelgruppe, zu der auch Dörfer in Deutschland gehörten, und habe das Unternehmen 2011 direkt vom TUI-Konzern übernommen.
Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Unternehmen seit der Übernahme weiterentwickelt?
Michaela Tiefenbacher: Heute beschäftigen wir 60 Angestellte; in der Hauptsaison wächst das Team auf etwa 110 Personen an. Mit dem Dorf Schönleitn und dem Dorf Seeleitn am Faaker See betreiben wir zwei außergewöhnliche Feriendörfer mit besonderem Flair und individuellem Charakter. Sie bestehen aus 25 und 23 Bauernhäusern. Teilweise wurde 500 Jahre altes Holz verwendet, das den Häusern ihre unverwechselbare Atmosphäre verleiht. In jedem Haus gibt es bis zu vier moderne Apartments. Das Herzstück des Dorfes bildet ein zentraler Dorfplatz, ein Ort der Begegnung. Wer im Urlaub auf der Suche nach authentischem, bodenständigem Dorfleben ist, auf modernen Komfort aber nicht verzichten möchte, ist hier genau richtig. In Schönleitn erwartet die Gäste ein moderner Wellness- und Spa-Bereich zum Entspannen, es gibt ein Veranstaltungszentrum und einen Kinderclub. Seeleitn, das nur in den Sommermonaten geöffnet ist, bietet zwar weniger Infrastruktur, begeistert aber mit direktem Zugang zum See – ein echtes Highlight. Hier steht der Faaker See klar im Mittelpunkt. Für Gäste, die Ruhe inmitten der Natur suchen, sind unsere zwei Chalets in Alleinlage der perfekte Rückzugsort. Das Chalet am See begeistert nicht nur mit seiner traumhaften Lage, sondern auch mit einer eigenen Sauna mit Panoramablick auf das Wasser. Ähnlich ruhig und doch anders präsentiert sich das auf 1.650 m Seehöhe liegende Chalet am Berg, im Herzen des Naturparks Dobratsch – ein Ort für alle, die Natur in ihrer ursprünglichsten Form erleben möchten.
Wirtschaftsforum: Naturel Hotels und & Resorts laden im dörflichen Umfeld oder mit Chalets in Alleinlage zum Abschalten ein, es gibt aber auch Kinderclubs und attraktive Unterhaltungsprogramme. Welche Zielgruppe sprechen Sie mit dem Angebot an?
Michaela Tiefenbacher: Unser Fokus liegt auf Familien aus Deutschland, Österreich und einigen osteuropäischen Ländern, die ihre Ferien bei uns verbringen, vor allem im Sommer, aber auch im Winter. Daneben sehen wir ein wachsendes Interesse von Gesundheitstouristen, die gezielt Erholung suchen und an Bewegungsprogrammen teilnehmen möchten.
Wirtschaftsforum: Sie sprachen vom zunehmenden Gesundheitstourismus. Welche Trends und Entwicklungen sehen Sie am Markt?
Michaela Tiefenbacher: Ein Blick auf die aktuelle Lage in der Tourismusbranche zeigt deutlich – die wirtschaftliche Unsicherheit wirkt sich spürbar auf das Buchungsverhalten aus. Viele Menschen halten sich mit Ausgaben zurück; der Urlaub hat für viele derzeit keine Priorität. Wir hatten vor Corona sensationelle Zahlen; dann kam eine Zäsur. Während der Coronapandemie haben wir die Zeit bewusst für Investitionen in unsere Anlage genutzt. Gemeinsam mit unserem Team haben wir umfassende Renovierungsarbeiten in den Apartments, aber auch im Wellness- und Spa-Bereich durchgeführt. Unsere Häuser sind damit auf einem sehr guten Stand. An die Vor-Corona-Ergebnisse werden wir dennoch frühestens 2027 wieder anknüpfen können. Wenn wir über Trends sprechen, beobachten wir ein wachsendes Bedürfnis nach authentischen Naturerlebnissen. Natürlich möchten wir unsere Gäste in unseren Clubs unterhalten und ihnen eine unbeschwerte Zeit bereiten, aber wir sehen, dass das Thema Regeneration im Urlaub eine immer größere Rolle spielt; man wünscht sich auf der einen Seite das Abenteuer, möchte aber auch die Zeit zum Regenerieren haben, Zeit, sich selbst zu spüren und bewusst wahrzunehmen. Bei uns kann man gut Berge erklimmen, aber auch in Ruhe am See oder beim Yoga entspannen. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Bedürfnis nach Ruhe, nach Rückzug aus der Hektik des Alltags, in Zukunft noch mehr im Vordergrund stehen wird.








