Die Brücke zwischen Asien und Europa stärken

Interview mit Jörg Gutsche, Geschäftsführer der TaiGer Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Gutsche, Sie sind erst seit wenigen Monaten Geschäftsführer der TaiGer Deutschland GmbH. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Jörg Gutsche: Für mich ist das eine sehr spannende Aufgabe, weil hier unternehmerische Sub­stanz auf enormes Entwicklungspotenzial trifft. Das Unternehmen wurde von meinem Bruder aufgebaut, der seit Jahrzehnten in Taiwan und China tätig ist und den Markt dort sehr genau kennt. Ich selbst komme aus der IT, war viele Jahre in leitenden Funktionen tätig und habe zuletzt vor allem Transformations- und Aufbauarbeit geleistet. Als sich die Möglichkeit ergab, bei TaiGer einzusteigen, habe ich sofort die Chance gesehen, meine Erfahrung in Führung, Prozessen und Kundenentwicklung in ein internationales Industrieumfeld einzubringen.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet TaiGer im Wettbewerb besonders aus?

Jörg Gutsche: Unsere größte Stärke ist die Verbindung aus lokaler Nähe und internationaler Erfahrung. Mein Bruder ist seit Jahrzehnten in Asien präsent, kennt dort die Märkte, die Menschen und die Produktionslandschaft. Ich bringe die Perspektive des deutschen Marktes mit: Qualitätsanspruch, Kundennähe, Führungs- und Digitalisierungserfahrung. Diese Kombination ist aus meiner Sicht ein echter Wettbewerbsvorteil. Wir verstehen sowohl die Anforderungen europäischer Kunden als auch die Möglichkeiten auf der Beschaffungs- und Produktionsseite in Asien. Genau daraus entsteht Mehrwert.

Wirtschaftsforum: Welche Leistungen bietet TaiGer Deutschland konkret an?

Jörg Gutsche: Unsere Wurzeln liegen im Kunststoffspritzguss. Im Laufe der Jahre kamen Druckguss, Silikonlösungen, elektronische Komponenten und komplette Baugruppen hinzu. Wir begleiten unsere Kunden von der Anfrage über die Projektentwicklung bis zur Qualitätssicherung. Dabei geht es nicht nur um einzelne Teile, sondern oft um komplexere Lösungen, bei denen verschiedene Materialien und Komponenten zusammenkommen. Das Spektrum ist breit und reicht von Bedienelementen über Gehäuseteile bis hin zu anwendungsspezifischen Baugruppen. Für unsere Kunden ist entscheidend, dass sie einen Partner haben, der technische Anforderungen versteht, zuverlässig koordiniert und die Qualität im Blick behält.

Wirtschaftsforum: In welchen Branchen ist das Unternehmen aktiv?

Jörg Gutsche: Gerade das ist besonders interessant: Wir sind nicht auf eine einzelne Branche festgelegt. Unsere Produkte und Lösungen finden sich in sehr unterschiedlichen Märkten wieder – von Haushaltsgeräten über Beleuchtung, Fahrradtechnik und Pumpensysteme bis hin zu industriellen Anwendungen. Überall dort, wo Kunststoff-, Metall-, Silikon- oder Elektronikkomponenten gebraucht werden, können wir grundsätzlich ein relevanter Partner sein. Diese breite Aufstellung macht uns unabhängig und eröffnet viele Chancen.

Wirtschaftsforum: Wie wollen Sie die TaiGer Deutschland GmbH weiterentwickeln?

Jörg Gutsche: In einem ersten Schritt ging es darum, das Unternehmen zu stabilisieren. Wir haben Strukturen gestrafft, die Kostenbasis bereinigt und Prozesse modernisiert. Ein wichtiger Schritt war für mich auch die Digitalisierung interner Abläufe, damit wir flexibler, transparenter und insgesamt effizienter arbeiten können. Gleichzeitig habe ich in den vergangenen Monaten alle wesentlichen Kunden besucht, Kontakte reaktiviert und neue Gespräche angestoßen. Jetzt geht es darum, aus dieser stabilen Basis wieder Wachstum zu generieren.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie zusätzliches Potenzial für die Zukunft?

Jörg Gutsche: Ein spannendes Feld ist für uns die stärkere Vermarktung eigener Produkte unserer Partner aus Asien. Wir prüfen derzeit sehr genau, welche Lösungen sich sinnvoll für den deutschen Markt eignen. Dabei geht es ausdrücklich nicht um beliebige Massenware, sondern um Produkte mit echtem Nutzen und guter Qualität – etwa in technologischen oder industriellen Anwendungen. Wir verstehen uns zunehmend als Brücke zwischen Asien und Europa. Genau in dieser Rolle sehen wir großes Zukunftspotenzial.

Wirtschaftsforum: Welche Werte prägen Ihr Unternehmen dabei?

Jörg Gutsche: Verlässlichkeit, langfristiges Denken und echte Partnerschaft. Das gilt für Kunden genauso wie für Lieferanten und Mitarbeitende. Wir glauben nicht an kurzfristige Effekte, sondern an belastbare Beziehungen. Qualität ist für uns kein Schlagwort, sondern Voraussetzung. Und wir wollen ein Unternehmen sein, das sich weiterentwickelt, ohne seine Bodenhaftung zu verlieren. Wenn es uns gelingt, Wachstum mit Vertrauen zu verbinden, dann ist das für mich der richtige Weg für TaiGer Deutschland.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Industrielle Zulieferer

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Interview mit Viktoria Steiner, Geschäftsführerin der raro plastics GmbH

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Die raro plastics GmbH steht für Präzision, Flexibilität und gewachsene Kompetenz in der Kunststoffverarbeitung. Geschäftsführerin Viktoria Steiner führt das Unternehmen mit hohem technischem Verständnis und klarem Blick für Kundenbedürfnisse. Im…

Magnete bewegen die Welt

Interview mit Stefan Möwius, Geschäftsführer der BEC Gesellschaft für ­Produktmanagement mbH

Magnete bewegen die Welt

Ob Kofferraumklappe, Windkraftanlage oder Robotiksystem – hinter vielem steckt ein Dauermagnet. Die BEC Gesellschaft für Produktmanagement mbH aus Moers liefert diese unsichtbaren Kraftpakete seit über 30 Jahren kundenspezifisch gefertigt in…

„Man muss ehrlich sein – das zahlt sich am Ende aus“

Interview mit Reinhard Decker, Geschäftsführer der Decker Containerbau GmbH & Co.

„Man muss ehrlich sein – das zahlt sich am Ende aus“

Wer mit Reinhard Decker spricht, merkt schnell: Hier redet keiner aus dem Lehrbuch. Decker kommt aus der Praxis – aus Werkstatt, Baustelle und Familienbetrieb. Heute entwickelt sein Unternehmen Containerlösungen für…

Spannendes aus der Region Kreis Euskirchen

Fenster zur Zukunft

Interview mit Miriam Berzen, Geschäftsführerin der Klaes GmbH & Co. KG

Fenster zur Zukunft

Als Horst Klaes 1983 eine Softwarelösung für die freie Fensterkonstruktion entwickelte, legte er damit den Grundstein für ein Unternehmen, das heute weltweit führend in der Softwareentwicklung für die Fenster-, Türen-,…

Mit Anlagen-Know-how gegen den Fachkräftemangel

Interview mit Thorsten Bung, Geschäftsführer der Kuhne GmbH

Mit Anlagen-Know-how gegen den Fachkräftemangel

Mit über 90 Jahren Erfahrung im Markt ist die Kuhne Group zu einem der führenden europäischen Anlagenbauer für die Folien- und Plattenherstellung avanciert. Geschäftsführer Thorsten Bung verriet im Interview mit…

Das Sägewerk der Zukunft gestalten

Interview mit Alexander Gebele, Geschäftsführer der HOLTEC GmbH & Co. KG

Das Sägewerk der Zukunft gestalten

Steigende Energiepreise, Rohstoffknappheit und Digitalisierung setzen die Sägeindustrie massiv unter Druck. Gefragt sind effiziente, nachhaltige Komplettlösungen. Die HOLTEC GmbH & Co. KG aus Hellenthal zählt im Rundholzhandling zu den europäischen…

Das könnte Sie auch interessieren

Die Kunst, Verbindungen dauerhaft dicht zu halten

Interview mit Dr. Matthias Orth, Geschäftsführer der SEALABLE Solutions GmbH

Die Kunst, Verbindungen dauerhaft dicht zu halten

Wenn neue Tunnel gebohrt werden, Metrolinien wachsen oder Straßenbahnen leiser und sicherer durch Innenstädte fahren sollen, spielt ein Detail eine Schlüsselrolle, das kaum jemand sieht: die richtige Abdichtung – und…

Mehr als Masse

Interview mit Martin Bauer, Geschäftsführer der terraplastik Spritzguss­technik GmbH

Mehr als Masse

Wer einen Spritzguss-Dienstleister sucht, findet schnell viele Angebote und doch selten einen wie diesen. terraplastik Spritzgusstechnik aus Merzig verbindet technische Kompetenz mit klaren Werten: Preistransparenz, Partnerschaft auf Augenhöhe und echte…

Materialien, die moderne ­Industrie möglich machen

Interview mit Dr. Sven Vogt, Geschäftsführer und Maximilian Steffien, Werksleiter Norsystec, Tochtergesellschaft der KKT Holding GmbH

Materialien, die moderne ­Industrie möglich machen

Die KKT Holding GmbH hat sich von zwei deutschen Standorten zu einer international aufgestellten Industriegruppe entwickelt. Mit hoher eigener Wertschöpfung, technologischer Kompetenz in der Verarbeitung von Gummi-, Kautschuk- und Kunststoffkomponenten…

TOP