Studieren mit Praxisbezug und Perspektive

Interview mit Dr. Marc Hudy, Präsident der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/ Göttingen

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Hudy, was sind die fachlichen Schwerpunkte der HAWK?

Dr. Marc Hudy: Unter dem Dach der HAWK agieren drei Standorte in Göttingen, Holzminden und Hildesheim. Hildesheim fokussiert Bauen, Soziale Arbeit und Gestaltung, Holzminden bietet Management, Soziale Arbeit und als ehemalige Königliche Bauschule Bauen an und Göttingen hat neben der Forstwirtschaft traditionell einen technischen Schwerpunkt.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet die HAWK aus, im Vergleich zu anderen Hochschulen?

Dr. Marc Hudy: Wir sind eine vergleichsweise kleine, aber sehr modern aufgestellte Fachhochschule. Wir eruieren, was der Bedarf der Wirtschaft ist und sind Ansprechpartner für die Unternehmen in der Region, aber auch überregional. Gemeinsam mit der Wirtschaft, den Kommunen und Landkreisen entwickeln wir marktgerechte neue Studiengänge. Häufig entstehen im Rahmen dieser Kooperationen für die Studierenden Praktika oder sogar Jobs.

Wirtschaftsforum: Können Sie uns dafür einige Beispiele geben?

Dr. Marc Hudy: Ein gutes Beispiel ist unser Gesundheitscampus in Göttingen. Gemeinsam mit der Universität Göttingen, die einen hervorragenden Ruf für ihre medizinische Fakultät genießt, entwickelten wir die Idee, dass die universitäre Medizin nicht nur Pflege und Logopäden und ähnliche Berufe ausbilden sollte, sondern auch Techniker, die in den Klinken ja auch gefragt sind. Deshalb bieten wir hier Medizintechnik an sowie Pflege in einem dualen Studiengang. Die Zusammenarbeit zwischen einer großen Universität und einer Fachhochschule ist bundesweit ein Modellprojekt. Ebenfalls in Göttingen kooperieren wir im Bereich der Plasmatechnologie, unter anderem mit dem Fraunhofer Institut, im Rahmen eines Modellprojektes für ein Studium im Praxisverbund. Wir haben hier Partnerschaften mit verschiedenen Unternehmen wie Zeiss, Sartorius oder Otto Bock. Im engen Verbund mit unserer Hochschule können die Firmen ihre Mitarbeiter bei uns qualifizieren. Wir ermöglichen auf jeder Ebene unserer Hochschule und in den Unternehmen Studien mit speziell zusammengestellten Curricula.

Wirtschaftsforum: Dies bedeutet, dass sich im Rahmen dieser Kooperationen für die Studierenden vielversprechende Jobperspektiven ergeben?

Dr. Marc Hudy: Nahezu alle unserer Absolventen haben kurz nach ihrem Abschluss bereits einen unterschriebenen Arbeitsvertrag, wenn sie uns verlassen. Viele auch schon vorher. Mit unserem Ansatz bilden wir wertvolle Fachkräfte aus, die die Wirtschaft und auch die Gesellschaft brauchen. Unser Studienangebot ist vielfältig und interdisziplinär und unsere Vernetzung in die Praxis ist einzigartig – in allen Bereichen. So ist der Praxis-Schock später in der Arbeitswelt nicht so groß. Vor Kurzem haben Studierende unserer Hochschule zum Beispiel bei ‘Formular Student’ teilgenommen, einem europaweiten Konstruktionswettbewerb für Rennfahrzeuge. Die Entwicklungsabteilung von VW war so überzeugt von dem Ergebnis, dass man den Studierenden Unterstützung zusagte. Auch viele unserer Lehrenden engagieren sich. Fast alle kommen aus der Praxis, zum Beispiel aus der Entwicklung bei Zeiss oder Mercedes.

Wirtschaftsforum: Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, welche Pläne haben Sie für das laufende und kommende Semester?

Dr. Marc Hudy: Wir gehen davon aus, dass wir das Winter- und auch das nächste Sommersemester mit einem hohen Anteil an Onlinelehre gestalten müssen und hoffen, die Präsenzveranstaltungen zum Wintersemester 2021/2022 wieder hochfahren zu können. Man muss allerdings bedenken, dass nicht alle Aufgaben online erfüllt werden können, zum Beispiel die Abschlussarbeiten in Gestaltung – dafür müssen unsere Studenten in Werkstätten – und hier ergeben sich durch die Abstandsregeln Platzprobleme. Wenn dieser Zustand länger anhält, verlängern sich irgendwann die Studienzeiten – und das muss man sozial abfedern. Was unsere Fachrichtungen angeht, planen wir, den Studiengang Forstwirtschaft in Göttingen um die Themen Nachhaltigkeit, Klimawandel und Ökologie zu erweitern. In Holzminden möchten wir im Bereich Soziale Arbeit unser digitales Angebot stärken und für BWL berufsbegleitend einen Master anbieten. In Göttingen steht die Fertigstellung unseres Forschungsgebäudes für Plasmatechnologie im Mittelpunkt. Darüber hinaus planen wir, in rund einem Jahr in unser neues Gesundheitsgebäude umziehen zu können.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie in Ihrem Job an, was macht Ihnen Freude?

Dr. Marc Hudy: Es ist viel schöner, morgens aufzustehen, wenn das Ergebnis eines Tages ist, dass man jungen Menschen fundiertes Wissen beigebracht hat, als für irgendeine Bilanz zu arbeiten – das betrachte ich als Privileg und ich denke, das geht allen an der Hochschule so.

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