Immer im Wandel – immer für den Menschen

Interview mit Karen Thiele, Geschäftsführerin der St. Bernward Krankenhaus GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Thiele, das Krankenhaus gibt es seit 1852, aber auch Sie verbindet etwas mit St. Bernward. 

Karen Thiele: Als Hildesheimerin kenne ich das Krankenhaus natürlich schon lange und wurde tatsächlich auch hier geboren. 

Wirtschaftsforum: Spiegelt das die Verbundenheit der Stadt mit dem Krankenhaus?

Karen Thiele: Das Krankenhaus wurde vom Orden der Vinzentinerinnen gegründet, ist also christlich geprägt und liegt im direkten Stadtkern. Früher lag der Pflegefokus auf Bedürftigen. Aus diesem karitativen Ansatz sind wir über die Jahre groß geworden. Heute sind wir ein Schwerpunktversorger in der Region. Wir sind ein Haus mit Geschichte, das sich permanent weiterentwickelt, sowohl medizinisch als auch von der Infrastruktur her, was uns im Endeffekt gut zu Gesicht steht, weil wir immer im Wandel sind.

Wirtschaftsforum: Der Neubau ist ein großer neuer Abschnitt?

Karen Thiele: Wir bauen unter der Headline Eltern-Kind-Zentrum, aber da ist am Ende des Tages viel mehr drin. Der Neubau wird die Frauenklinik, die Kinderklinik und die Geburtsmedizin zusammenbringen. Zudem haben wir einen Schwerpunkt in der Versorgung von Frühchen. Es wird eine große Notaufnahme geben, eine Station für geriatrische Patienten sowie eine Palliativstation. Das zeigt unser Anliegen, dass wir medizinische Versorgung vom Lebensanfang bis zum Lebensende denken. 

Wirtschaftsforum: So bekommen Sie auch mehr Platz in anderen Bereichen des Krankenhauses?

Karen Thiele: Tatsächlich brauchen wir die Struktur, denn Ambulantisierung ist das nächste große Thema, und wir benötigen die Flächen im Haupthaus.

Wirtschaftsforum: Sie bieten Versorgung in allen Lebensphasen. 

Karen Thiele: Wir haben hier in der Region den alleinigen Versorgungsauftrag in der Neurologie, mit einer großen Abteilung inklusive einer überregionalen, zertifizierten Stroke Unit, und haben die Kompetenz für neurologische Erkrankungen, insbesondere für Schlaganfälle. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist unsere große urologische Klinik. Darüber hinaus bieten wir ein umfassendes Leistungsspektrum: Unsere Schwerpunkte liegen in den Bereichen Innere Medizin – mit eigenen Kliniken für Kardiologie, Onkologie, Gastroenterologie und Pneumologie – sowie Chirurgie mit Orthopädie und Unfallchirurgie, Allgemein-, Viszeral- und Onkologischer Chirurgie, Gefäßchirurgie, Thoraxchirurgie und Kinderchirurgie. Aber auch in den Bereichen Gynäkologie und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin bis hin zur Altersmedizin, inklusive geriatrischer Abteilung, sind wir bestens aufgestellt. 
Aufgrund unseres zertifizierten Onkologischen Zentrums mit angeschlossener Palliativstation können wir Krebspatienten umfassend und ganzheitlich begleiten – bis zum Lebensende, wenn keine Heilung mehr möglich ist.
 

Wirtschaftsforum: Es fügt sich also alles zusammen?

Karen Thiele: Ja, wir sind breit aufgestellt. Alle Patienten, die wir nicht vor Ort behandeln können – zum Beispiel bei herzchirurgischen Eingriffen – versorgen wir in Kooperation mit anderen Kliniken, etwa mit der Universitätsmedizin Göttingen, deren akademisches Lehrkrankenhaus wir auch sind.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit der wirtschaftlich angespannten Situation im Zuge der Krankenhausreform um?

Karen Thiele: Wir schauen derzeit, wie welche Weichen gestellt werden. Es geht hierbei um Bündelung von Kompetenzen in Kompetenzzentren und da kann ich sagen, dass wir bereits sehr gut aufgestellt sind. Wir sind zudem exzellent personell ausgestattet – im pflegerischen Dienst, im ärztlichen Dienst und im Funktionsdienst. Wir haben eine tolle Mannschaft und versorgen sehr viele Menschen. 

Wirtschaftsforum: Veränderungen im Bereich Digitalisierung, etwa Stichwort Patientenakte, prägen auch Ihren Alltag.

Karen Thiele: Uns ist es wichtig, alle Mitarbeiter bei dem Veränderungsprozess mitzunehmen. Unser medizinisches Personal hat gar nicht die Zeit, sich ausführlich mit den zahlreichen Digitalisierungsprozessen auseinanderzusetzen – für sie steht natürlich die Patientenversorgung an erster Stelle. Zum Glück haben wir vor Ort kompetente Mitarbeiter in der IT, der Medizintechnik und im Projektmanagement, die diese Prozesse federführend begleiten. 
 

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?

Karen Thiele: Trotz unserer Größe – immerhin beschäftigen wir 1.800 Mitarbeiter aus über 50 Nationen – erlebe ich uns als unglaublich familiär, und das auf allen Ebenen. Die Menschlichkeit hat einen großen Wert in unserem Miteinander, in der kollegialen Zusammenarbeit, aber auch in unserem sinnstiftenden Bezug. Wir versorgen kranke Menschen, wir begleiten sie. Jeder Einzelne gibt viel, weil einem die Arbeit wichtig ist. Dabei achten wir selbstverständlich auf gute Arbeitsbedingungen.

Wirtschaftsforum: Was macht Sie erfolgreich?

Karen Thiele: Meine feste Überzeugung ist, dass es nur im Team geht. Wir brauchen uns alle gegenseitig und deshalb funktioniert es auch so gut. Jeder macht das, was er am besten kann, und wirkt dann im Team. Das ist, glaube ich, ein großer Mehrwert unserer Einrichtung. Wir haben einen liebevollen Blick aufeinander und wissen um die Kompetenz des anderen, und die meisten sind immer bereit, einen Schritt mehr zu gehen, als sie vielleicht müssten – weil sie einen Sinn sehen in dem, was sie tun.

Wirtschaftsforum: Gibt es weitere Ziele?

Karen Thiele: Natürlich haben wir einen hohen Anspruch, hier auch dauerhaft gute Versorgung zu bieten, weiterhin fester Bestandteil der Stadt und auch der Versorgung zu sein. Wir haben ein großes ambulantes Angebot zusätzlich zum Krankenhaus. Also haben wir für fast jede Klinik im stationären Bereich auch eine Praxisstruktur und schaffen so für die Patienten ein umfassendes Angebot.

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