Webcode:

Um einen Artikel aus dem Print-Magazin online zu lesen, geben Sie bitte nachfolgend den Webcode ein, der im Magazin unter dem Artikel zu finden ist.

https://www.getdigital.de - Gadgets und mehr für Computerfreaks

Maximale Wirkung – minimale Nebenwirkung

Interview mit Hans-Heiko Hünemeyer, Geschäftsführender Gesellschafter der Schaebens Unternehmensgruppe

Social Share
Teilen Sie diesen Artikel

Wirtschaftsforum: Herr Hünemeyer, Sie agieren in einer sehr dynamischen und hoch wettbewerbsintensiven Branche. Was unterscheidet das Haus Schaebens vom Wettbewerb? Wo-rauf baut Ihr Erfolg auf?

Hans-Heiko Hünemeyer: Wir verbinden Kosmetik und Pharmazie, und dabei steht das Wirkungsprinzip im Mittelpunkt. Meine Idee war es bereits in den 1980er Jahren, wirksame Kosmetik ähnlich wie Pharmazeutika in den Markt einzuführen. Das bedeutete und bedeutet auch heute noch für uns: maximale Wirkung bei minimaler Nebenwirkung. Das ist unser Slogan und der bringt unser Alleinstellungsmerkmal auf den Punkt. Das heißt, unsere kosmetischen Produkte funktionieren wie pharmazeutische Produkte. Sie bieten zum Beispiel maximale Feuchtigkeit oder einen Anti-Falten-Effekt mit minimalen Nebenwirkungen. Das war damals ein revolutionärer Vermarktungsansatz. Ein wichtiger Aspekt ist dabei unser Ansatz der Einmalverwendung. Üblicherweise wurden damals Masken, Cremes und viele andere kosmetische Produkte in Tiegeln verkauft. Da diese immer wieder geöffnet wurden und häufig Produktanteile per Finger entnommen wurden, bestand eine erhöhte Gefahr unter anderem der Verkeimung. Um dieses Problem zu umgehen, wurden tendenziell relativ viele Konservierungsmittel, Stabilisatoren sowie potentielle Hautunverträglichkeiten auslösende Stoffe der Rezeptur zugeführt. Wir hatten die Idee einer hygienischeren Entnahme – und konnten dies durch Einmal-Anwendungen auch realisieren.

Wirtschaftsforum: Funktioniert das Konzept der minimalen Unverträglichkeit? Wie ist das Feedback der Kunden?

Hans-Heiko Hünemeyer: Es funktioniert hervorragend. Bei den letzten über 320 Millionen verkauften Produkten hatten wir weniger als 260 Unverträglichkeiten. Das ist eine beispiellos gute Quote für so hochwirksame Kosmetik für die Anwendung im Gesicht.

Wirtschaftsforum: Die Idee der Einmal-Anwendungen ist vor dem Hintergrund der hygienischeren Entnahme einleuchtend. Aber widerspricht es nicht dem Nachhaltigkeits- und Umweltschutzgedanken unserer Zeit?

Hans-Heiko Hünemeyer: Nein, das widerspricht dem überhaupt nicht, im Gegenteil. Auch hier waren wir unserer Zeit voraus. Wir beschäftigen uns seit Jahrzehnten mit dem Thema Nachhaltigkeit, nicht erst, seit es ein geflügeltes Wort der Politik und Wirtschaft geworden ist. „Unsere Verpackungen sind in der Regel wesentlich ökologischer im direkten Vergleich zu relevanten Wettbewerbern. Wir bringen schon seit geraumer Zeit kein Produkt mehr auf den Markt, das nicht bezüglich der Nachhaltigkeit optimiert wurde. So sind seit Oktober 2015 alle Rezepturen von Schaebens-Produkten frei von Mikroplastik. Das Unternehmen Schaebens und alle Schaebens-Produkte sind seit August 2018 klimaneutral beziehungsweise CO2-neutral, und alle Schaebens-Produkte sind seit Juni 2019 plastikneutral. Bei vielen unserer Schaebens-Masken optimieren wir aktuell zum Beispiel die Folienqualität. Hierdurch werden die durch die Verpackung bedingten CO2-Emissionen, die schon jetzt vergleichsweise gering sind, nochmals um circa 45% gesenkt und die Recyclingfähigkeit auf enorme 93% gesteigert. Dies ist möglich durch den Wechsel auf einen Einstoffverbund als neuartigen Folientyp, bei dem auf eine Aluminiumschicht verzichtet werden kann und der wesentlich leichter ist.

Wirtschaftsforum: Sprechen wir an dieser Stelle über einen weiteren Megatrend: Nicht erst seit der COVID-19-Krise ist die digitale Transformation ein beherrschendes Thema der Wirtschaft und unserer Gesellschaft. Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Haus Schaebens?

Hans-Heiko Hünemeyer: Für uns ist Digitalisierung kein Projekt oder Phänomen, sondern ein fortlaufender Prozess, den wir bereits vor vielen Jahren begonnen haben. Wir haben zu dem Thema auch an einem Forschungsvorhaben des Landes NRW teilgenommen und waren überrascht, wie weit vorne wir lagen. Wir hätten uns selbst eher im Mittelfeld eingeschätzt. In Zusammenarbeit mit meinen Söhnen haben wir in den vergangenen Jahren zum Beispiel unsere Onlinewerbung deutlich vorangebracht. Früher hatten wir einen verhältnismäßig hohen TV-Werbeetat. Heute agieren wir kaum noch über diesen Kanal. Dagegen ist Social Media für uns extrem wichtig geworden, insbesondere die hyper-lokalen Schaltungen. „Auch unsere Onlineverkäufe wachsen ganz erheblich und wir erwarten alle zwei bis drei Jahre eine Umsatzverdopplung.

Wirtschaftsforum: Was sind Bestseller Ihrer Produktpalette?

Hans-Heiko Hünemeyer: Unsere Totes-Meer-Schlammmaske ist seit vielen Jahren die meistverkaufte Maske Deutschlands. Der Schlamm ist als Naturstoff wegen seiner einzigartigen Zusammensetzung und seiner Abrasivität (Schmirgelwirkung) so wirkungsvoll. Ein Highlight war unsere Schokoladenmaske, die wir in Zusammenarbeit mit einem führenden Schokoladensoßenhersteller entwickelt haben. Sie war nicht nur essbar, sondern sogar lecker.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre jüngsten Innovationen?

Hans-Heiko Hünemeyer: Seit rund zwei Jahren bieten wir eine Hyaluron-Ampulle an, nicht aus Glas, wie üblich, sondern von weichem Kunststoff umhüllt. Die Produktionskosten sind niedriger und die Verpackung ist nachhaltiger.

Wirtschaftsforum: Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf den deutschen Markt?

Hans-Heiko Hünemeyer: Deutschland ist unser Heimatmarkt und damit sehr wichtig für uns. Darüber hinaus sind wir in Österreich aktiv. Seit einigen Jahren haben wir auch in China einen eigenen Flagship Store. Die Ausdehnung unserer Exportaktivitäten wird in den nächsten Jahren ein wichtiges Thema für uns sein.

Wirtschaftsforum: Vor dem Hintergrund der aktuell schwierigen Situation, ausgelöst durch COVID-19: Was erwarten Sie für den Rest des Jahres 2020?

Hans-Heiko Hünemeyer: Es ist schwierig, irgendetwas zu prognostizieren. Die meisten Firmen haben aufgrund der Krise Probleme, aber einige haben sich rechtzeitig gut aufgestellt und dazu gehören auch wir. Wir haben früh unsere Hausaufgaben gemacht, zum Thema Digitalisierung, aber auch zum Schutz unserer Mitarbeiter und der Aufrechterhaltung unseres Betriebes. Auch hier waren wir unserer Zeit wieder einmal voraus. Wir haben bereits im Januar erste Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet.

Wirtschaftsforum: Herr Hünemeyer, Sie stehen mit Leidenschaft hinter Ihrem Konzept und Ihren Produkten. Haben Sie eine Vision für das Haus Schaebens? Wo möchten Sie das Unternehmen in einigen Jahren am Markt sehen?

Hans-Heiko Hünemeyer: Wir möchten auf jeden Fall ein Familienunternehmen bleiben. Der Generationswechsel ist bereits eingeleitet. Ich habe drei Söhne, von denen in Kürze bereits zwei im Unternehmen sind, und möglicherweise der dritte in einigen Jahren folgen wird. Wir planen, die Übergabe in rund fünf Jahren zu vollziehen. Für die nächsten Jahre ist darüber hinaus auch die Stärkung unserer Exportaktivitäten ein wichtiger Punkt auf unserer Agenda. Hier gibt es auf jeden Fall noch Potenzial für uns. Auf jeden Fall aber werden wir unserem Ansatz der Verbraucherorientierung treu bleiben. Dadurch gehen wir Aufgabenstellungen anders an als viele Wettbewerber und das macht ein Teil unseres Erfolges aus.

TOP