Die Markisenmacher

Interview mit Andreas Rödelbronn, Geschäftsführer der Rödelbronn GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Rödelbronn, der Name Rödelbronn ist Synonym für Markisen made in Germany. Wie kam es dazu? 

Andreas Rödelbronn: Mein Großvater gründete das Unternehmen 1965. Er war Schlossermeister und führte den Handwerksbetrieb viele Jahre gemeinsam mit meiner Großmutter. In den Anfangsjahren konzentrierten sie sich auf Metallarbeiten in der näheren Region, fertigten Fensterläden, Geländer oder Terrassendächer. Markisen, die mein Großvater schon während seiner Ausbildung kennen- und lieben gelernt hatte, spielten von Beginn an eine besondere Rolle. 

Wirtschaftsforum: Die Leidenschaft für hochwertige Markisen prägt das Unternehmen damit seit 61 Jahren. Was hat sich seit dieser Anfangszeit verändert? 

Andreas Rödelbronn: In den 1970er-Jahren begann mein Großvater eigene Markisensysteme zu entwickeln, die seit 1977 unter dem Markennamen Varisol vertrieben werden. Die Fertigung sah zur damaligen Zeit vollkommen anders aus als heute. Während wir heute zum Teil mit Baukastensystemen arbeiten, musste man damals die einzelnen Komponenten der Markise vor Ort zusammenmontieren und am Gebäude anbringen. Dieser Prozess war nicht nur sehr aufwendig, sondern auch wetterabhängig. Auf Basis dieser Erfahrungen entwickelte mein Großvater ein eigenes System, eigene Komponenten, die zum Teil patentiert wurden. Damals entwickelte sich Rödelbronn vom traditionellen Handwerksbetrieb zum Industrieunternehmen. Für viele Jahre lag der Fokus auf der Herstellung von Markisen, die regional an Endkunden vertrieben wurden. Einen Wachstumsschub brachten Wintergartenmarkisen, die in den 1990er-Jahren auf den Markt kamen. Damit einher ging die Entscheidung, sich vertrieblich neu aufzustellen. Nicht mehr der Endkunde, sondern der überregionale Fachhandel sollte im Fokus stehen. Dieses Vertriebsmodell hat sich bis heute bewährt. 

Wirtschaftsforum: Konnte diese dynamische Entwicklung fortgesetzt werden? 

Andreas Rödelbronn: Wir haben unsere Kapazitäten konstant ausgebaut, sowohl was die Personalstärke als auch die Produktionskapazitäten betrifft. 1998 erfolgte der Umzug an den heutigen Standort in Mönchengladbach. Nach Erweiterungen in den Jahren 2015 und 2020 stehen uns heute drei Produktionshallen mit knapp 15.000 m2 zur Verfügung. Es gibt zudem in Mönchengladbach und in der Nähe von Stuttgart jeweils ein hauseigenes Schulungszentrum (die ‘Varisol-Akademie’), in dem wir Fachpartnern kostenfreie Schulungen anbieten. Hier geht es um die Produkte selbst, um Montagefragen oder Verkaufsschulungen. Auch wenn heute dank moderner Technologien viele Fragen online geklärt werden können, bieten diese persönlichen Treffen ganz andere Möglichkeiten des Austauschs. 

Wirtschaftsforum: Drei Produktionshallen, ein Verwaltungsgebäude, eine eigene Varisol-Akademie – wie lässt sich dieses Wachstum in Zahlen ausdrücken? 

Andreas Rödelbronn: Wir beschäftigen knapp 250 Mitarbeiter, der Umsatz liegt bei 50 Millionen EUR. Damit haben wir die Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren verdoppelt, den Umsatz nahezu verdreifacht. 

Wirtschaftsforum: Wurde diese Entwicklung durch Krisen wie die Coronapandemie oder den Krieg in der Ukraine beeinflusst? 

Andreas Rödelbronn: In der Coronazeit stieg die Nachfrage nach Markisen rasant. Nach zwei umsatzstarken Jahren machte sich durch den Krieg und die damit verbundenen Preissteigerungen Verunsicherung breit. Verbraucher hielten sich mit Investitionen zurück. Inzwischen hat sich der Markt wieder stabilisiert. Ich bin davon überzeugt, dass wir im vergangenen Jahr die Talsohle erreicht haben und in zwei, drei Jahren die Zeichen erneut auf Wachstum stehen werden. 

Wirtschaftsforum: Sie teilen sich seit 2018 die Geschäftsleitung mit ihrem Vater. Wo sehen Sie besondere Herausforderungen? 

Andreas Rödelbronn: Ich habe in der Vergangenheit verschiedene Projekte angestoßen – beispielhaft ist die Investition in eine Beschichtungsanlage – oder Mitarbeiter bei neuen Projekten begleitet und unterstützt. Als Verantwortlicher für die IT-Abteilung ist es mir wichtig, dass wir auf dem neuesten Stand sind, was zum Beispiel digitale Technologien betrifft; allein durch unser ERP-System sind wir hier gut aufgestellt. Einen weiteren Schwerpunkt legen wir auf das Thema Lean Management, mit dem sich ein kompetentes Team intensiv beschäftigt; wir wollen das Thema Lean Management forcieren, um unsere Produktion zukunftssicherer aufzustellen. Natürlich setzten wir uns auch mit dem Thema KI auseinander, glauben aber, dass KI nicht für jede Anwendung sinnvoll ist. 

Wirtschaftsforum: So offen Rödelbronn für Neues ist, so treu ist das Unternehmen dem Produkt geblieben. Was ist das Besondere an Varisol-Markisen? 

Andreas Rödelbronn: Wir bieten das gesamte Sortiment rund um Markisen an – Gelenkarm-, Wintergarten-, Kassetten-, Pergola-, Fenster- und Terrassendachmarkisen – und zählen hier zu den größeren Herstellern in Deutschland. Nicht nur die Markisen, sondern auch sämtliche Vorkomponenten werden in Mönchengladbach gefertigt. Neben dieser Breite und Qualität des Angebots haben wir uns als kundennaher Problemlöser einen Namen gemacht. Ziel ist immer, Kunden, also Fachpartnern, ein Qualitätsprodukt an die Hand zu geben, das einfach montiert und gewartet werden kann und optisch überzeugt. Hier kommt uns unsere Expertise zugute. Viele Mitarbeiter arbeiten seit 20 oder 30 Jahren im Unternehmen und bringen entsprechende Erfahrung ein. Gerade bei Sonderlösungen ist das ein großer Pluspunkt. Probleme werden schnell gemeinsam gelöst. 

Wirtschaftsforum: Sie vertreten die 3. Generation der Familie. Was schätzen Sie besonders an Ihrer Arbeit? 

Andreas Rödelbronn: Ich habe nicht nur große Freude daran, das Unternehmen im Sinne meiner Familie weiterzuführen, sondern nehme auch die damit verbundene soziale Verpflichtung sehr ernst. Wir sind ein Familienunternehmen mit flachen Hierarchien, kurzen Wegen, einem sehr guten Betriebsklima und einer Mitarbeiterfluktuation, die gegen null geht. Das heißt, unsere Mitarbeiter fühlen sich wohl und wertgeschätzt. Das ist uns wichtig. Soziale Verantwortung hat immer eine große Rolle gespielt und ich bin froh, mich als Unternehmer sozial engagieren zu können. Nicht zuletzt kann ich mich mit unseren Produkten identifizieren. Sie bieten nicht nur Sonnen-, sondern auch Wärmeschutz, was in Zeiten des Klimawandels ein wichtiger Aspekt ist. Markisen verhindern das Aufheizen von Räumen, sodass keine zusätzliche Energie zum Kühlen notwendig ist. 

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