Serielle Vorfertigung als Schlüssel moderner Wohnkonzepte

Interview mit Alexander Hartl, Geschäftsführer der Penzkofer Bau GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hartl, welche Meilensteine haben das Unternehmen bis heute geprägt?

Alexander Hartl: Wir stehen kurz vor unserem 30‑jährigen Jubiläum und beschäftigen inzwischen über 400 Mitarbeiter. Unser ursprüngliches Leitmotiv „traditionell anders“ beschreibt gut, warum wir wachsen: Wir ­haben früh Dinge anders gemacht als andere. Dazu gehört der Mut, neue Wege zu gehen – etwa mit unserem Werk, das komplette Ziegelfertigteile produzierte. Viele hielten das anfangs für wenig erfolgversprechend, am Ende wurde es ein etabliertes Produkt. Dieses Gespür für Trends zieht sich durch unsere Geschichte. Wir bauten zum Beispiel als einer der Ersten in der Region schlüsselfertig oder vermittelten Grundstücke samt Bebauung.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielte die Erweiterung Ihres Leistungsportfolios?

Alexander Hartl: Eine entscheidende. Wir sind als klassisches Bauunternehmen gestartet, haben aber früh eine eigene Zimmerei integriert – damals absolut unüblich. Das war die Grundlage für unsere heutige Massivholzproduktion. Heute bündeln wir 29 Abteilungen und über 60 Berufe im Haus. Diese breite Wertschöpfung macht uns effizient, unabhängig und zu einem starken Arbeitgeber in der Region.

Wirtschaftsforum: Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren stark ausgelagert. Warum sind Sie den umgekehrten Weg gegangen?

Alexander Hartl: Weil wir überzeugt sind, dass eigene Kompetenzen bessere Qualität, schnellere Abläufe und mehr Stabilität bringen. Outsourcing mag kurzfristig günstig erscheinen, aber wir sichern mit internen Gewerken Kontinuität, Wissen und Verlässlichkeit – für unser Unternehmen und für die Kunden.

Wirtschaftsforum: Sie sind inzwischen stark in der Projektentwicklung aktiv. Wie kam es dazu?

Alexander Hartl: Wir haben früh begonnen, Grundstücke selbst zu akquirieren, zu planen, zu bebauen und zu veräußern. Heute begleiten wir komplette Quartiersentwicklungen – inklusive Planung, Projektierung, Erschließung, Hochbau, Innenausbau, Vermarktung, Vermietung und Hausverwaltung. Das macht uns extrem reaktionsschnell, flexibel und unabhängig von externen Partnern, Auftraggebern und Markteinflüssen.

Wirtschaftsforum: Ein Schwerpunkt ist inzwischen die Vorfertigung. Welche Innovationen treiben Sie besonders?

Alexander Hartl: Unser Massivholzwerk Woodbloc steht im Zentrum. Wir fertigen metall- und leimfrei mit Holznägeln und Holzdübeln verbundene Produkte, die perfekt in die heutige Zeit passen. 2025 haben wir zudem begonnen, komplette Badmodule zu produzieren, die fertig auf die Baustelle geliefert und montiert werden. Der nächste Schritt ist ein Modulwerk, das komplette Bad- und Raummodule vorfertigt – ideal für Mikroapartments, studentisches Wohnen oder Pflegeimmobilien.

Wirtschaftsforum: Die Baubranche gilt seit Jahren als krisengeplagt. Wie gehen Sie damit um?

Alexander Hartl: Wir sagen intern oft: „Über eine Krise reden bedeutet nicht, dass wir sie mitmachen.“ Natürlich sind die Herausforderungen real – höhere Zinsen, Materialpreise, Lieferengpässe, langwierige Genehmigungen. Aber wir fokussieren uns darauf, Chancen zu nutzen. Vor zweieinhalb Jahren haben wir unser Profil geschärft und uns anders ausgerichtet, zum Beispiel mit stärkerem Fokus auf eigene Bauträgerprojekte oder anspruchsvolle Großprojekte. Damit sichern wir langfristige Planung – aktuell bis 2027/28. Dabei spielt die geschlossene Wertschöpfungskette eine wichtige Rolle. Wir bauen nicht nur, wir gestalten, verwalten und betreiben Immobilien. Für Investoren bieten wir vollvermietete Objekte samt Hausverwaltung. Ende letzten Jahres haben wir außerdem die Energiegesellschaft Greenbloc gegründet, die unsere Quartiere künftig mit Strom und Wärme versorgt.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Digitalisierung für Ihr Geschäftsmodell geworden?

Alexander Hartl: Extrem wichtig. Unsere Abläufe sind nahezu vollständig digital – von der Zeit­erfassung über Drohnen‑Aufmaß bis zur digital gesteuerten Massivholzproduktion. BIM‑Planung, digitale Baulogistik, papierloses Büro und eine eigene Mitarbeiter‑App gehören bei uns zum Standard. Digitalisierung steigert Qualität, Transparenz und Geschwindigkeit und macht uns als Unternehmen attraktiver und schlagkräftiger– gerade in Zeiten des Fachkräftemangels.

Wirtschaftsforum: Wie setzen Sie Nachhaltigkeit in Ihrer Produktion um?

Alexander Hartl: Unsere Holzprodukte sind der sichtbarste Baustein. Wir können die gesamte Wertschöpfung dokumentieren – vom Baum aus PEFC-zertifizierter Forstwirtschaft bis zum fertigen Bauteil. Unser Standort ist durch PV‑Anlagen und Restholzverwertung nahezu energieautark. Zudem setzen wir auf regionale Lieferketten, E‑ und Hybridfahrzeuge und kurze Transportwege. Nachhaltigkeit ist kein Trend für uns, sondern gelebte Praxis.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Zukunft des Wohnens?

Alexander Hartl: Der Bedarf an Quartieren mit Studenten- und Mikroapartments, klassischen Wohnungen für Singles, Paare und Familien sowie seniorengerechtem Wohnen steigt. Wir bauen ‘enkelgerecht’ – also für alle Generationen und Lebenslagen. Das heißt langlebig, nachhaltig, effizient und ausgelegt für hohe Lebensqualität.

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