Die Synergie von Hydraulik und Elektronik

Interview mit Markus Schwarzkopf, Geschäftsführer der Hans Pregler GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Schwarzkopf, welche Rolle spielt die Hans Pregler GmbH & Co. KG in der Branche?

Markus Schwarzkopf: Pregler hat sich seit der Gründung im Jahr 1929 als zuverlässiger Partner für Unternehmen etabliert, die individuelle Hydraulik- und Elektroniklösungen für ihre Anwendungen benötigen. Aus dieser fast 100-jährigen Historie heraus verfügen wir über eine außergewöhnliche technische Expertise. Stets kombiniert mit innovativen Ansätzen und Technologien können wir auch sehr hohen Kundenanforderungen gerecht werden.

Wirtschaftsforum: Was sind die Hauptprodukte und Dienstleistungen von Pregler?

Markus Schwarzkopf: Unser Leistungsspektrum umfasst die Entwicklung und den Bau von Hydraulikaggregaten und Schaltschränken. Zudem bieten wir Dienstleistungen wie Montagen, Verrohrungen und Softwareprogrammierungen an. In den Jahren nach der Inbetriebnahme stehen wir unseren Kunden bei Wartungen, Erweiterungen und Optimierungen zur Verfügung.
Wir liefern überall dorthin, wo die Kraft der Hydraulik und die Intelligenz der Elektronik benötigt werden – und das ist ein sehr breites Anwendungsspektrum. Sicherlich zählen der Fahrzeugbau oder der Maschinenbau zu unseren Kunden, aber auch in Müllverbrennungsanlagen, Kraftwerken, Chemieanlagen sowie beim Testen von Hubschrauber- oder Flugzeugteilen werden unsere Anlagen eingesetzt.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Pregler von anderen Anbietern in der Branche?

Markus Schwarzkopf: Unsere besondere Stärke sind Projekte, in denen wir unsere Kernkompetenzen Hydraulik und Elektronik kombinieren. Mit der Möglichkeit, solche elektrohydraulischen Komplettsysteme aus einer Hand anzubieten, grenzen wir uns von vielen Wettbewerbern ab. Besonders bei anspruchsvollen Kundenanforderungen können wir früh erkennen, ob die konkrete Problemstellung besser hydraulisch, elektronisch oder mit einer Kombination aus beidem zu lösen ist.

Wirtschaftsforum: Welche konkreten Vorteile hat dies für Ihre Kunden?

Markus Schwarzkopf: Für unsere Kunden bedeutet das, dass sie sich nicht um die komplizierte Schnittstelle zwischen Hydraulik und Elektronik kümmern müssen, sondern ein perfekt abgestimmtes elektrohydraulisches System erhalten. Dieses ist häufig leistungsstärker, benutzerfreundlicher und energieeffizienter als ein System, bei dem Hydraulik und Elektronik separat beschafft werden. Auch die Projektabwicklung ist für den Kunden effizienter, da er nicht gleichzeitig den Hydrauliklieferanten und den Anbieter der Automatisierung koordinieren muss.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt?

Markus Schwarzkopf: In den letzten fünf Jahren haben wir unseren Umsatz um 30% gesteigert und auch unsere Effizienz und Profitabilität haben sich sehr positiv entwickelt. Das ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass die industrielle Produktion in Deutschland seit 2018 rückläufig ist. Viele unserer Kunden beschäftigen sich derzeit eher mit Kurzarbeit und Personalabbau und weniger mit Investitionen, die ja der Treiber für unser Geschäft sind.

Wichtig war in den letzten Jahren zudem, dass wir unsere Kundenbasis kontinuierlich erweitert haben. Das war leichter gesagt als getan, denn mit begrenzten Ressourcen und in einem schwierigen Marktumfeld neue Kunden aufzubauen, ohne die bestehenden zu vernachlässigen, ist herausfordernd. Heute ist der breite Kunden- und Branchenmix jedoch ein wesentlicher Baustein für unsere Resilienz in schwierigen Marktsituationen.
 

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen haben Sie in der Branche erlebt?

Markus Schwarzkopf: Eine der größten Herausforderungen war die Materialversorgung, insbesondere während und nach der Corona-Pandemie. Da wir auf die zuverlässige Belieferung mit hydraulischen und elektronischen Komponenten angewiesen sind, stellten die damaligen Lieferverzögerungen ein ernsthaftes Problem dar. Eine Anlage kann erst ausgeliefert werden, wenn auch das letzte Bauteil eingetroffen ist – bis dahin lässt sich in der Regel auch keine Rechnung stellen.

Zudem ist auch bei uns der Fachkräftemangel in technischen Berufen spürbar. Aktuell suchen wir noch nach Industriemechanikern und Elektronikern. In diesen Berufen bilden wir selbst aus und bieten auch Plätze für duale Studenten in den Fachrichtungen Maschinenbau und Elektrotechnik an. Mitarbeitende, die bei uns ausgebildet wurden, sowie Empfehlungen bestehender Beschäftigter haben sich als die besten Wege erwiesen, qualifizierte Fachkräfte langfristig zu gewinnen.

Wirtschaftsforum: Welche Trends sehen Sie in der Branche?

Markus Schwarzkopf: Ein klarer Trend ist die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung in der Industrie. Unsere Kunden sehen darin die Möglichkeit, effizienter und qualitativ besser zu arbeiten. Auch zur Reduzierung monotoner oder gefährlicher Tätigkeiten kann ein höherer Automatisierungsgrad der Schlüssel sein. Deutlich stärker als in der Vergangenheit rücken zudem die Themen Umweltschutz und Energieeinsparung in den Fokus. Bei all diesen Bestrebungen unterstützt Pregler mit seinen elektrohydraulischen Lösungen.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für Pregler?

Markus Schwarzkopf: Das Dach unseres Firmengebäudes wurde schon beim Neubau vollständig mit Photovoltaikmodulen ausgestattet. Damit produzieren wir im Jahr mehr Strom, als wir verbrauchen. Den überschüssigen Strom speisen wir ins Netz ein – und auch unsere Mitarbeitenden profitieren: Das Laden privater Elektrofahrzeuge ist für sie kostenlos.
Auch in unseren Kundenprojekten spielt Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Mit unserer patentierten Motor-Pumpen-Einheit SAVE ENERGY für Regelpumpen können unsere Kunden erhebliche Energieeinsparungen erzielen. Und bei Retrofit-Projekten werden beispielsweise 40 oder 50 Jahre alte Pressen hydraulisch und steuerungstechnisch auf den neuesten Stand gebracht – ohne dass eine Neuanschaffung der gesamten Presse erforderlich wäre.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie in die Zukunft?

Markus Schwarzkopf: Was die weitere Entwicklung von Pregler betrifft, bin ich sehr optimistisch. Selbst in den krisenreichen letzten Jahren ist uns eine positive Entwicklung gelungen. Aber bei aller Expertise, Flexibilität und Stärke, die wir zweifellos haben: Wir leben nicht auf einer Insel der Glückseligen. Langfristig brauchen wir weiterhin starke und erfolgreiche Industriekunden, mit denen wir zusammenarbeiten und gemeinsam wachsen können. Das sehe ich nur dann als möglich an, wenn Deutschland als Industriestandort wieder zu alter Stärke zurückfindet.

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