„Sicherheit ist oberstes Ziel“
Interview mit Dominik Deinzer, Geschäftsführer der GSB Sonderabfall-Entsorgung Bayern GmbH

Wirtschaftsforum: Was sind das für Abfälle, die zu Ihnen gelangen, und warum ist ihre Entsorgung so wichtig?
Dominik Deinzer: Bei jedem Fertigungsprozess, ob bei der Herstellung von Chemieprodukten, in der Metallverarbeitung oder in der Medizin und Pharmatechnik, fallen feste, flüssige und pastöse Industrieabfälle an. Sie weisen ein weites Spektrum an stofflichen Eigenschaften auf. Die Abfälle sind in der Regel reaktiv und enthalten Schadstoffe. Zum Schutz unserer Umwelt ist es wichtig, dieses Schadstoffpotenzial zuverlässig und dauerhaft zu eliminieren. Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Recycling sind Dauerthemen in der öffentlichen Diskussion. Diese Konzepte funktionieren nur mit einer wirksamen Schadstoffsenke.
Wirtschaftsforum: Was genau ist dabei die Aufgabe der GSB?
Dominik Deinzer: Wir sind die Spezialisten für die Entsorgung gefährlicher Industrieabfälle. Seit fast 50 Jahren beschäftigen wir uns mit dem Betrieb technischer Spezialanlagen, haben entsprechend viel Know-how und spezifische Erfahrungen im Umgang mit den unterschiedlichen Abfällen. Unser Hauptgeschäft ist die thermische Behandlung gefährlicher Industrieabfälle, die ganz überwiegend aus Bayern stammen. Dazu betreiben wir zwei leistungsstarke Drehrohr-Ofenlinien mit einer Gesamt-Verbrennungskapazität von 200.000 t pro Jahr. Unsere vier Anlagen zur chemisch-physikalischen Behandlung von flüssigen Abfällen haben eine Gesamtkapazität von rund 120.000 t pro Jahr. Außerdem betreiben wir zur Entsorgung mineralischer Sonderabfälle aus Bayern eine Deponie der Klasse III mit besonders hohen Sicherheitsstandards. Durch unser 2013 gegründetes Spezialtransportunternehmen Sonderabfall Logistik Bayern GmbH, kurz SLB, können wir außerdem den Transport der Abfälle übernehmen.
Wirtschaftsforum: Gefährliche Industrieabfälle gab es immer und wird es immer geben. Aber wie entwickelt sich der Markt?
Dominik Deinzer: Ihr Aufkommen steht in engem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung im Land und dem Konsum. Über die Jahrzehnte haben sich Lebensstandard und Lebensverhältnisse stetig verbessert. Entsprechend ist die Menge an Industrieabfällen angestiegen. Auch ihre Zusammensetzung verändert sich infolge des technischen Fortschritts. Unser Geschäft ist daher nicht statisch. Es gilt, mit einem Abfallspektrum, das immer heterogener und anspruchsvoller wird, umzugehen.
Wirtschaftsforum: Wie reagieren Sie auf diese Herausforderungen?
Dominik Deinzer: Wir haben in den letzten Jahren zielgerichtet in die Erweiterung und Modernisierung unserer technischen Infrastruktur investiert. Das gilt insbesondere für unseren Firmensitz in Baar-Ebenhausen. Dort modernisieren wir derzeit die Prozessleittechnik unserer beiden Sonderabfall-Verbrennungsanlagen und erweitern unsere Lagerkapazitäten für Sonderabfall-Verbrennungsabfälle. Zusätzliche Lager- und Arbeitsfläche vereinfacht das Handling für unsere Logistik-Mitarbeiter. Die verbesserten Arbeitsbedingungen dienen daher letztlich auch der Betriebssicherheit. Zudem ermöglicht die höhere Lagerkapazität, das sogenannte ‘Sonderabfall-Verbrennungsmenü’ bestmöglich einzustellen. Mit einem ausgewogenen Verbrennungsmenü aus festen, flüssigen und pastösen Abfällen gewährleisten wir einen konstanten und damit umweltschonenden Betrieb der Drehrohr-Öfen. Ende September haben wir außerdem das erste von zwei neuen Stückgutlagern in Betrieb genommen. Das zweite wird bis Ende 2019 fertiggestellt. Insgesamt erweitern wir damit unsere Lagerkapazität um 1.500 t. Bis 2021 werden außerdem zwei zusätzliche Tanks zur Lagerung von flüssigen Abfällen mit einem Volumen von 800 t zur Verfügung stehen. Insgesamt haben wir in den letzten fünf Jahren rund 42 Millionen EUR in die Modernisierung unserer technischen Infrastruktur investiert.
Wirtschaftsforum: Ein heißes Eisen ist in Ihrer Branche das Thema Sicherheit. Wie können Sie diese gewährleisten?
Dominik Deinzer: Der sichere Betrieb unserer Anlagen ist für uns das erste Unternehmensziel. Wir unterliegen hohen gesetzlichen Sicherheitsstandards für den Betrieb der technischen Anlagen sowie die Lagerung und das Handling der Industrieabfälle. Die Einhaltung der Vorschriften wird sowohl innerbetrieblich als auch von den zuständigen Behörden regelmäßig und intensiv überwacht. Unsere Verbrennungsanlagen in Baar-Ebenhausen verfügen über effektive Anlagentechnik, die darauf ausgelegt ist, Emissionen auf das technische Minimum zu reduzieren. In einem mehrstufigen Prozess zur Reinigung der Rauchgase werden Restschadstoffe ausgefiltert, abgetrennt und sicher entsorgt. Jede eingehende Abfalllieferung wird im Hinblick auf die vorab ermittelte Abfallspezifikation durch erfahrenes Fachpersonal kontrolliert. Bei Bedarf wird ergänzend beprobt, in unserem eigenen Labor analysiert und eingestuft.
Wirtschaftsforum: Entsorgungsanlagen stehen unter kritischer Beobachtung der Öffentlichkeit. Viele Menschen machen sich Sorgen über mögliche Emissionen. Wie gehen Sie damit um?
Dominik Deinzer: Offensiv. Transparenz ist für uns von zentraler Bedeutung. Deshalb veröffentlichen wir die Emissionswerte unserer Drehrohr-Öfen auf unserer Homepage in Echtzeit. Die konstant niedrigen Emissionen der Anlagen belegen unsere kontrollierte und sichere Betriebsführung. Die uns nach der 17. Bundesimmissionsschutzverordnung erlaubten Emissionskontingente schöpfen wir bei Weitem nicht aus.
Wirtschaftsforum: Macht sich der Fachkräftemangel auch in Ihrem Geschäft bemerkbar?
Dominik Deinzer: Ja, leider. Es ist extrem schwierig, gute Leute zu finden. Sonderabfall ist kein populäres Thema. Wir suchen deshalb den Kontakt zu Schulen und Hochschulen und bilden seit einigen Jahren verstärkt aus. Außerdem haben wir Headhunter eingeschaltet.
Wirtschaftsforum: Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie für das Unternehmen und was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?
Dominik Deinzer: Politische Entwicklungen wie die Verschärfung von Emissionsgrenzwerten auf europäischer Ebene betreffen auch uns. Unser Ziel ist, die in Europa beste verfügbare Technik zu repräsentieren. In den nächsten drei Jahren steht der Modernisierungsprozess unserer technischen Infrastruktur weiter im Vordergrund. Mittelfristig ist unser Ziel nicht Expansion, sondern die Aufrechterhaltung unserer hohen Leistungsqualität.