People First – gevekom zeigt‘s allen

Interview mit Roman Molch, CEO der gevekom GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Molch, wir waren vor rund acht Jahren bereits einmal im Gespräch. Was hat sich seitdem bei gevekom geändert?

Roman Molch: Der Markt hat in den vergangenen Jahren zunehmend Dienstleister gesucht, die in Deutschland, aber auch im Nearshore-Bereich aufgestellt sind. Wir arbeiten für sehr große Unternehmen, die unter enormem Kostendruck stehen. Sie möchten ihren Kundenservice, der in der Regel ein Non-Profit-Bereich ist, möglichst kostengünstig darstellen. Wir sind deshalb heute in Deutschland nach wie vor mit mehreren Niederlassungen vertreten, haben uns aber um Standorte in Serbien, Spanien, Bulgarien, Bosnien und Nordmazedonien vergrößert. Unser Arbeitgeberkonzept ‘People, Family, Employer First’ hat in den neuen Ländern genauso gut gewirkt wie hier in Deutschland. Entsprechend hatten und haben wir dort einen starken Zulauf an Mitarbeitern.

Wirtschaftsforum: Nearshoring ist sicherlich ein Weg, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Welche Maßnahmen ergreifen Sie darüber hinaus?

Roman Molch: Bei uns sind dies weniger Maßnahmen als eine zu Grunde liegende Philosophie. Von Anfang an war ‘People First’ mein Leitmotiv. Dieses Konzept verfolgte ich mit Herzblut und ich bin überzeugt, das wir deshalb eine so starke Marke in einem Markt geworden sind, der immer noch mit Imageproblemen zu kämpfen hat. In vielen Unternehmen ist ‘Der Mensch im Mittelpunkt’ ein Marketingslogan. Bei uns ist dies täglich gelebte Realität. Wir stellen aufrichtig den Menschen in den Fokus. Was den Mangel an Fachkräften angeht, haben wir ein internes Karrieremodell entwickelt, mit dem wir aus Callcenter Agents später Callcenter Experts und dann Führungskräfte, wie zum Beispiel Teamleiter, Projektmanager, Trainer und Workforce Manager bis hin zu operativen Heads entwickeln. Natürlich stellen wir auch vom Markt ein, aber am liebsten treiben wir intern Karrieren voran. Das zeichnet uns aus.

Wirtschaftsforum: Bitte geben Sie uns doch einige Beispiele für Maßnahmen, mit denen Sie ‘People First’ täglich in Ihrem Unternehmen sichtbar machen.

Roman Molch: Der Job unserer Mitarbeiter ist herausfordernd. Die Prozesse werden immer komplexer, die Gespräche immer schwieriger. Wir möchten sie deshalb so gut es geht unterstützen und ihr Arbeitsumfeld so angenehm wie möglich machen. Wir haben ein Event Office-Konzept gebaut, die Arbeitsplätze ‘entlüftet’ und Raum geschaffen, Schaukeln, Wasserfälle und Massagestudios integriert. Eine Etage heißt zum Beispiel Ibiza Holiday Floor. Die ist eingerichtet wie eine karibische Insel. Es gibt außerdem eine Green Zone mit sehr vielen Pflanzen, die zum Entspannen einlädt. An allen Standorten haben wir CO2-Messgeräte und überall riecht es gut. Mit Callcentern verbindet man normalerweise unpersönliche Großraumbüros. Wir bieten selbstverständlich flexible Arbeitszeiten und Homeoffice. Es gibt eine Kita, kostenloses Essen in der Kantine und Englischkurse während der Arbeitszeit. Vor Kurzem habe ich drei Ferienhäuser am Scharmützelsee erworben, in denen unsere Mitarbeiter zu vergünstigten Preisen Urlaub machen können. Dieses Jahr werden wir das Jobrad einführen. Wir haben für unser soziales Konzept den CCV Quality Award gewonnen. Das ist die renommierteste Auszeichnung in unserer Branche und eine schöne Bestätigung für unsere Strategie. Ich werde diese Callcenter-Branche nicht verändern können, aber ich habe den Wunsch, sie ein kleines bisschen besser zu machen.

Wirtschaftsforum: Wo geht Ihre Reise mit gevekom in den kommenden Jahren hin?

Roman Molch: Digitale Prozesse werden ein wichtiges Cluster für uns. Wir haben in den letzten Jahren verstärkt in unsere IT investiert und ein interdisziplinäres Team zusammengestellt, das sich mit Zukunftsthemen beschäftigt. Unter anderem arbeiten wir an der Unsterstützung durch KI. Digitale Tools werden zunehmend einfache Cases übernehmen. Es wird aber immer auch die persönliche Beratung geben, spätestens, wenn etwas schiefläuft. Deshalb werden wir unsere Customer Service Agents in Zukunft noch besser ausbilden und uns noch intensiver um sie kümmern. Ich sehe in Zukunft eine Fusion aus Menschen und Digitalisierung. Aber Customer Service wird bleiben.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Wie man ein Geschäftsmodell aus der Krise baut

Interview mit Mike Bertsch, Geschäftsführer der The Cue Group GmbH

Wie man ein Geschäftsmodell aus der Krise baut

Was passiert, wenn eine Krise zur Blaupause für ein neues Geschäftsmodell wird? Aus den Erfahrungen der Coronapandemie heraus entstand die Idee zur The Cue Group GmbH: ein Netzwerk aus Eventspezialisten,…

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

Interview mit Dr. Dominik Benner, Geschäftsführer der The Platform Group SE & Co. KGaA

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

E-Commerce und stationärer Handel werden oft als Gegensätze gesehen: ein Trugschluss, wie Dr. Dominik Benner meint. Mit seinem Unternehmen The Platform Group will er starken stationären Einzelhändlern die Welt des…

„Fördermittel sind kein Zufall –  sie sind Strategie“

Interview mit Dr. Rüdiger Bormann, Geschäftsleitung der In Time Solutions AG

„Fördermittel sind kein Zufall – sie sind Strategie“

Fördermittel gelten oft als kompliziert und schwer zugänglich. Dr. Rüdiger Bormann ordnet das anders ein. Für ihn sind sie ein strategisches Instrument, das Unternehmen gezielt nutzen können – vorausgesetzt, sie…

Spannendes aus der Region Dresden

Grün gedacht, smart gemacht

Interview mit Dr. Gerhard Aust, Geschäftsführer und CSO der PRETTL Electronics GmbH

Grün gedacht, smart gemacht

Die PRETTL Electronics GmbH mit Hauptsitz in Radeberg steht seit 25 Jahren für komplexe Elektronikfertigung in anspruchsvollen Nischenmärkten wie Medizintechnik, Luftfahrt, Leistungselektronik oder Agrartechnologie. Mit Wirtschaftsforum sprach Geschäftsführer Dr. Gerhard…

Technologieführer mit Profil

Interview mit Ronald Wuttke, Kaufmännischer Leiter der Kirchhoff & Lehr GmbH

Technologieführer mit Profil

Direkt nach der Wende investierte die westdeutsche Tillmann-Gruppe in die Zukunft der ostdeutschen Kirchhoff & Lehr GmbH, um in den neuen Bundesländern ein führendes Unternehmen in der Rollformtechnik zu etablieren.…

Mit Radiopharmaka Leben verbessern

Interview mit Jens Junker, CEO der ROTOP Pharmaka GmbH

Mit Radiopharmaka Leben verbessern

Am Standort der ROTOP Pharmaka GmbH in Dresden wird bereits seit 1958 im Bereich der Nuklearmedizin geforscht. Heute produziert das Unternehmen Pharmazeutika für die nuklearmedizinische Diagnostik, unter anderem im Bereich…

Das könnte Sie auch interessieren

Strategie statt Chaos in der Kommunikation

Interview mit Björn Bröhl, Geschäftsführer der Scompler Technologies GmbH

Strategie statt Chaos in der Kommunikation

In Zeiten der digitalen Kommunikation produzieren Unternehmen mehr Content denn je – doch häufig fehlt die Strategie dahinter. Social Media-Posts werden ad hoc erstellt, Kampagnen ohne roten Faden gestartet. Die…

Wie Agenturstrukturen Leistungsfähigkeit sichern

Interview mit Philipp Hannemann, Geschäftsführer der MAI Marketing Automation Intelligence GmbH

Wie Agenturstrukturen Leistungsfähigkeit sichern

Die Agenturbranche steht unter starkem Veränderungsdruck: Konjunkturelle Unsicherheiten, intensiver Wettbewerb und technologische Umbrüche prägen den Markt. Die MAI Gruppe begegnet diesen Herausforderungen mit einer klar strukturierten Gruppenstrategie und hoher operativer…

TOP