Vom Baum bis ins Geschäft

Interview mit Richard Clementi, Inhaber der Gebr. Clementi Gmbh

Wirtschaftsforum: Sie produzieren 80.000 t Äpfel pro Jahr. Wie gelingt Ihnen das?

Richard Clementi: Wir haben drei Produktionszonen und in jeder davon ein Hauptmagazin, das die Produktionszonen bedient. Je ein Drittel der Produktion wird im Raum Venedig, im Raum Verona und im Trentino in Südtirol umgesetzt. Die Äpfel werden hauptsächlich in Bozen abgepackt, in Santa Maria di Zevio auch Pflaumen und Kiwi. Wir produzieren um die 6.000 t Angeleno-Pflaumen und 4.000 t gelbfleischige Kiwi im Jahr.

Wirtschaftsforum: Die Gebr. Clementi Gmbh ist ein Familienbetrieb. Wie sind Sie auf den Apfel gekommen?

Richard Clementi: Unsere Familie ist schon seit Generationen im Obstanbau tätig. Nach dem Krieg hatte mein Vater die Idee, unsere Ernte selbst zu vermarkten. Also hat er 1951 die Firma gegründet. Ab den 1960er-Jahren haben wir zudem die Ware anderer Produzenten vermarktet und sind so gewachsen. 1970 hatten wir schon 40 Lieferanten und eine Umsatzmenge von etwa 4.000 t.

Wirtschaftsforum: Ihr Vater ist 1974 verstorben. Wie war es, in seine Fußstapfen zu treten?

Richard Clementi: Zunächst hat mein Onkel vier Jahre lang den Betrieb geleitet. Ich habe dann 1978 gezwungenermaßen übernommen. Das hat sich einfach so ergeben. Ich habe anfangs viel verändert. Ohne Vorgesetzten konnte ich mit 20 Jahren meinen Traum verwirklichen. Heute denke ich, dass ich vieles richtig gemacht habe. Der Betrieb steht auf sicheren Füßen, wir haben alle zehn Jahre unsere Zahlen verdoppelt und konnten 2018 einen Umsatz von 48 Millionen EUR verzeichnen. Es ist schön zu sehen, wie alles stetig wächst und funktioniert.

Wirtschaftsforum: Packen auch noch andere Familienmitglieder mit an?

Richard Clementi: Die komplette Familie ist involviert. Ich bin für den Handel zuständig, meine beiden Brüder arbeiten in der Produktion, meine beiden Schwestern in der Verwaltung. Die Aufgaben sind sehr vielseitig, und wir haben 135 sehr gute Mitarbeiter, die uns unterstützen. Meine Brüder kümmern sich um die Früchte vom Baum bis zur Ernte, von der Lagerung bis zum Abpacken der Äpfel, und für die Vermarktung der Ware bin ich zuständig. Und die neue Generation arbeitet ebenfalls schon mit. Wir planen gerade Neubauten, da helfen zwei meiner Neffen bereits. Der Betrieb ist stetig gewachsen, auch weil wir in der Familie stets gut zusammengearbeitet haben. Es hat nie Reibereien gegeben.

Wirtschaftsforum: Sie sagten, dass Sie vieles richtig gemacht haben. Was waren Ihrer Meinung nach die wichtigsten Schritte?

Richard Clementi: Wir waren schon immer sehr exportorientiert. Bereits mein Vater hat in Deutschland Großmärkte beliefert. Über diese Kunden kamen wir dann zu deren Kunden. Entscheidend war, dass wir die Produktionen in die richtigen Bahnen und Märkte gelenkt haben. Wir haben in den 1970er-Jahren festgestellt, dass die Ketten die Zukunft sind, nicht die Großmärkte. Heute liefern wir zu 70% an Ketten. Da kommt uns unsere Flexibilität zugute. Wenn man mit Supermärkten zu tun hat, dann muss man imstande sein, von heute auf heute zu liefern, nicht von heute auf morgen. Das geht nur, wenn man Personal hat, das hinter dem Betrieb steht und bereit ist, Überstunden für eine weitere Lieferung in Kauf zu nehmen. Dadurch haben wir schon sehr viele Kunden gewonnen.

Wirtschaftsforum: Was sind die neuesten Änderungen?

Richard Clementi: Die Qualitätsschraube ist in den letzten Jahren stetig nach oben gedreht worden und wird weiter steigen. Jetzt versuchen wir, näher an die biologische Produktion heranzukommen. Bis heute haben wir durch integrative Bekämpfung der Schädlinge die Rückstandswerte auf ein Zehntel reduziert. Vor allem aber haben wir in ein Projekt investiert, das 2020 abgeschlossen werden soll. Ein 5.500 m² großer Arbeitsraum mit zwölf neuen Sortier- und Abpacklinien. Damit können wir von 45 Paletten stündlich auf 90 Paletten verdoppeln und gleichzeitig die Arbeitszeiten reduzierten. Dann machen wir keine Überstunden mehr. Wir wollen, dass sich die Arbeitsbedingungen stetig verbessen und dass sich unser Unternehmen finanziell gut entwickelt. Dann kann ich mich in fünf bis zehn Jahren zurückziehen, ohne dass der Betrieb das spürt.

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