„Wir sind wie eine Familie mit allen Höhen und Tiefen!“

Interview mit Henning Diephaus, Geschäftsführer der Funke GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Diep­haus, erzählen Sie uns bitte etwas über die Geschichte der Funke Gruppe?

Henning Diephaus: Alles begann 1867 als klassische Klempnerei der Familie Funke. Über Jahrzehnte entwickelte sich daraus ein Heizungssanitär-Fachbetrieb. Der entscheidende Schritt kam 2007, als Andreas Beuke und ich als Gesellschafter einstiegen. Wir erweiterten das Portfolio um Kälte-, Klima-, Elektro-, Lüftungs- und MSR-Technik. Heute sind wir mit 150 Mitarbeitern an den drei Standorten Twistringen, Bremen und Wildeshausen vertreten und erzielen 20 Millionen EUR Umsatz.

Wirtschaftsforum: Warum neben Twistringen die beiden zusätzlichen Standorte?

Henning Diephaus: Bremen war strategisch wichtig, weil dort der Leitspruch gilt: „Bremer Kaufleute kaufen bei Bremer Kaufleuten.“ Wildeshausen liegt verkehrsgünstig mit vielen Gewerbe- und Industriebetrieben, die Kälte- und Klimatechnik benötigen. Beide Standorte stärken unsere regionale Präsenz und verbessern die Erreichbarkeit für Kunden.

Wirtschaftsforum: Ihr Angebot ist extrem breit gefächert. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Henning Diephaus: Ursprünglich waren wir nur für Privatkunden aktiv. Seit 2007 haben wir uns stark auf Gewerbe- und Industriekunden spezialisiert. Heute decken wir alles ab: Heizung, Sanitär, Klima, Kälte, Elektro und MSR-Technik inklusive eingenständiger Planung der Systeme. Privatkunden betreuen wir in einer eigenen Abteilung. Unser größter Vorteil: Der Kunde hat einen einzigen Ansprechpartner für alle Gewerke – keine Schnittstellen, keine Koordinationsprobleme.

Wirtschaftsforum: Welche Branchen sind Ihre Hauptkunden?

Henning Diephaus: Wir sind besonders stark in der Kälte- und Klimatechnik für Tankstellen, Universitäten, Krankenhäuser und Schlachtereien. Früher waren wir europaweit für Filialisten wie New Yorker unterwegs, heute konzentrieren wir uns auf Norddeutschland. In der Industrie arbeiten wir mit Unternehmen wie der Atlas-Gruppe oder Arcelor zusammen, privat decken wir alles von Wärmepumpen bis zu Pelletheizungen ab.

Wirtschaftsforum: Wie pflegen Sie die Beziehungen zu Ihren Kunden?

Henning Diephaus: Bei Privatkunden setzen wir auf persönliche Beratung vor Ort. Bei Gewerbekunden läuft die Kommunikation digital über Teams oder E-Mail. Unser Markenzeichen: Alles aus einer Hand – von der Planung bis zum Service. Das schafft Vertrauen und langfristige Partnerschaften.

Wirtschaftsforum: Digitalisierung ist in Ihrer Branche unverzichtbar. Wie nutzen Sie moderne Technologien?

Henning Diephaus: Unsere Techniker arbeiten mit iPads, erfassen Daten digital und bestellen Material direkt. 90% unserer Anlagen sind aufgeschaltet, wir überwachen sie remote, erkennen Störungen früh und können oft per Fernzugriff eingreifen. Im Privatbereich nutzen wir KI-gestützte Systeme der Hersteller, im Gewerbe setzen wir auf MSR-Technik. Intern läuft alles papierlos – von der Zeiterfassung bis zur Rechnungsstellung.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Wie setzen Sie das um?

Henning Diephaus: Wir verwenden umweltfreundliche Kältemittel wie Propan oder CO2, überwachen PV-Anlagen auf Effizienz und arbeiten mit regionalen Lieferanten. Unser Fuhrpark wird schrittweise elektrifiziert, alle Projektleiter fahren bereits E-Autos. Bei gewerblichen Fahrzeugen testen wir die Umstellung, stoßen aber auf Herausforderungen bei der Ladeinfrastruktur. Abfälle wie Altöl oder Kältemittel entsorgen wir selbstverständlich fachgerecht.

Wirtschaftsforum: Warum hat die Ausbildung bei Ihnen so einen hohen Stellenwert?

Henning Diephaus: Wir haben aktuell 20 Auszubildende und stellen jährlich sechs bis acht neue ein. Unsere Lehrwerkstätten sind mit Kühlzellen, Heizungsanlagen und Wärmepumpen zum Üben modern ausgestattet. Jede Sparte hat eigene Ausbilder. Die Fluktuation ist gering, viele bleiben nach der Ausbildung. Durch eine starke Ausbildung sichern wir unseren Fachkräftenachwuchs..

Wirtschaftsforum: Wie sieht die Zukunft der Funke Gruppe aus?

Henning Diephaus: Unser geplanter Nachfolger Carlo Bottermann verstarb leider 2025. Jetzt bereiten Andreas Beuke und ich die Nachfolge vor: Meine Tochter ist bereits in unserer Verwaltung tätig und die Söhne von Herrn Beuke stehen kurz vor dem Abschluss ihres Studiums in den Bereichen Kältesystemtechnik und Gebäudetechnik. Gemeinsam möchten wir die Funke Gruppe in Familienhand halten und sie mit der Unterstützung unserer sehr guten Projektleiter und Techniker weiterentwickeln – trotz Fachkräftemangel und wachsendem Wettbewerb.

Wirtschaftsforum: Und was motiviert Sie persönlich jeden Tag?

Henning Diephaus: Meine Mitarbeiter! Es erfüllt mich, junge Leute zu fördern und ihre Entwicklung zu begleiten. Wir sind wie eine große Familie mit allen Höhen und Tiefen. Diese Verbundenheit und das gemeinsame Wachstum machen die Arbeit jeden Tag wertvoll. Mein Ziel ist es, ein Unternehmen zu führen, in dem sich alle wohlfühlen und stolz auf ihre Arbeit sind.

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