Das Energieökosystem der Zukunft

Interview mit Jie Zhang, Managing Director Europe der GoodWe Europe GmbH

Das Energieökosystem der Zukunft

Mit Photovoltaikmodulen, Wechselrichtern, Wärmepumpen und vielen weiteren Artikeln hält der chinesische GoodWe-Konzern alle wesentlichen Komponenten bereit, damit die Energiewende gelingen kann. Kein Wunder, dass das Unternehmen in den 16 Jahren seines Bestehens ein beeindruckendes Wachstum erzielen konnte – insbesondere in Europa. Managing Director Europe Jie Zhang sprach mit Wirtschaftsforum über weiteres Marktpotenzial. 

Wirtschaftsforum: Herr Zhang, seit seiner Gründung vor 16 Jahren konnte der chinesische GoodWe-Konzern enorme Wachstumsraten verzeichnen und dabei auf einem breiten Produktportfolio aufbauen.

Jie Zhang: Insgesamt arbeiten heute etwa 6.500 Menschen für GoodWe, circa 400 von ihnen außerhalb Chinas, und davon wiederum etwa die Hälfte in Europa. Unser Produktsortiment ist dabei klar auf unsere Mission und Vision zugeschnitten: Wir wollen die Energiewende weltweit entscheidend vorantreiben und dabei mit allen relevanten Stakeholdern zusammenarbeiten. Vor diesem Hintergrund bieten wir neben Wechselrichtern und Photovoltaikmodulen auch Batteriespeicherlösungen, Ladegeräte für Fahrzeuge mit Elektroantrieb, Wärmepumpen, Smart Meter sowie viele weitere Produkte und Zubehörgeräte an. 

Wirtschaftsforum: Über die Hälfte seines Auslandsgeschäfts bestreitet GoodWe in Europa – zu einem signifikanten Anteil im DACH-Raum. Wie wichtig ist Deutschland für GoodWe als Wachstumsmarkt? 

Jie Zhang: Der deutsche Markt ist nun einmal der größte und damit auch bedeutendste für erneuerbare Energien in Europa. Deshalb hat GoodWe schon mit dem Beginn seines Exportgeschäfts zwei Jahre nach der Firmengründung seine Europa-Zentrale in München eingerichtet. Heute ist der DACH-Raum eines von sieben Territorien, in dem wir in Europa und Zentralasien aktiv sind. Inzwischen erzielen wir außerhalb von Deutschland sogar höhere Wachstumsraten als in unserem einstigen europäischen Kernmarkt. 

Wirtschaftsforum: Ist das primär der Rezession in Deutschland geschuldet oder eher Ausfluss einer strategischen Überlegung von GoodWe? 

Jie Zhang: Ich glaube, hier spielen beide Elemente eine Rolle. Letztes Jahr blieb das Wachstum von Deutschland nun einmal hinter dem in anderen Ländern zurück. Gleichzeitig ist auch GoodWe als Organisation gereift – insbesondere im Zuge unseres Turn­arounds im letzten Jahr. Denn 2024 war das einzige Jahr in unserer Unternehmensgeschichte, in dem wir keinen Gewinn erzielen konnten, auch bedingt durch den starken Lagerbestandsaufbau bei unseren Händlern. 

Wirtschaftsforum: Wie hat sich GoodWe in Europa in diesem Zuge neu aufgestellt? 

Jie Zhang: Bevor ich zu GoodWe kam, hatte ich ein eigenes Softwareunternehmen in Europa gegründet und viele Jahre lang bis zu meinem erfolgreichen Exit betrieben: Ich wusste daher aus eigener Erfahrung, welche Innovationskraft sich in einem Start-up-Umfeld freisetzen lässt, eben weil dort flache Hierarchien und effiziente Strukturen herrschen. Demzufolge haben wir dann auch bei GoodWe einige organisatorische Ebenen abgeschafft und arbeiten heute stärker in Teams als in Silos. Gleichzeitig haben wir spannendes Verbesserungspotenzial erkannt, das wir nun gezielt nutzen möchten. 

Wirtschaftsforum: Welche Ziele will GoodWe damit erreichen? 

Jie Zhang: Wir haben in Europa ein starkes Servicenetzwerk aufgebaut, mit dem wir verdeutlichen wollen, dass wir langfristig in den europäischen Märkten präsent sein und nicht nur schnell unsere Produkte absetzen wollen. Dazu möchten wir auch in einen noch weitreichenderen Dialog mit Montagebetrieben, den Eigentümern von Liegenschaften sowie den Investoren eintreten, um auch auf der Pre- und Aftersales-Ebene eng mit allen Stakeholdern zu kooperieren. Um gerade in diesem Kontext weiterhin agil auftreten zu können, haben wir zudem unser Produktspektrum deutlich verschlankt: In der Vergangenheit führten wir zeitweise über 10.000 Artikel auf unseren Preislisten, was sowohl uns als auch unsere Kunden vor zahlreiche Herausforderungen gestellt hat. Inzwischen fokussieren wir uns auf die Kern­szenarien, die für unsere Kunden tatsächlich relevant sind, und halten für jedes davon eine Handvoll Lösungen bereit, samt vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten. Darüber hinaus wollen wir in den nächsten Jahren noch deutlicher über den Residential-Markt hi­nauswachsen und vor diesem Hintergrund noch stärker als bisher Photovoltaikanwender aus Handel und Industrie unterstützen. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie auf Basis Ihrer Erfahrung in China und anderen europäischen Märkten auf die Energiewende in Deutschland? 

Jie Zhang: Ich sehe viele positive Elemente, denn Deutschland war eines der ersten Länder, das sich überhaupt auf den Weg in die Zukunft der nachhaltigen Energieerzeugung gemacht hat. Viele andere Märkte waren da deutlich langsamer. Gleichzeitig war ich ehrlich überrascht von dem Stand der Digitalisierung, den ich vorfand, als ich zum ersten Mal aus Norwegen, wo ich seit vielen Jahren lebe, nach Deutschland kam – doch auch darin sehe ich Chancen: Man kann sich leicht vorstellen, wie viel Produktivität hierzulande erst freigesetzt werden kann, wenn wir es großen wie kleinen Unternehmen leichter machen, mit ihren Innovationen durchzustarten und die Möglichkeiten der Digitalisierung voll auszunutzen! 

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