Vom Wasserkraftwerk zur smarten Energiezentrale

Interview mit Philipp Kain, Geschäftsführer der Elektrizitätswerk Perg GmbH

Die Elektrizitätswerk Perg GmbH wurde 1909 gegründet – ursprünglich zur Elektrifizierung der Straßenbeleuchtung in Perg. Heute versorgt das Unternehmen ein rund 80 km2 großes Gebiet mit etwa 9.000 Zählpunkten und 85 bis 90 Millionen kWh jährlich. Das E-Werk betreibt vier Wasserkraftwerke sowie ein Blockheizkraftwerk und befindet sich weiterhin zu 100% im Besitz der Stadt Perg. Seit 1999 agiert das Unternehmen als eigenständige GmbH. Mit 23 Mitarbeitern erwirtschaftet es rund 13 Millionen EUR Umsatz. Geschäftsführer Philipp Kain bringt Erfahrung aus Elektrotechnik und Vertrieb mit und treibt die Modernisierung interner Prozesse voran. „Das große Thema, das sich durch viele Bereiche zieht, ist die Digitalisierung“, erklärt er. Dazu gehören digitale Netzberechnungen, moderne Leitungsdokumentation, Smart Meter-Technologie und KI-gestützte Prognosen. KI- und Coding-Lösungen eröffnen heute auch kleinen Netzbetreibern neue Möglichkeiten. Das Unternehmen setzt bewusst auf Kundennähe statt anonymer Hotlines. Nicht Preisführerschaft sei dabei das Ziel, sondern Verlässlichkeit, regionale Präsenz und direkter Service. Auch als Arbeitgeber profitiert das Unternehmen vom starken Zusammenhalt im kleinen Team und davon, dass die große Pensionierungswelle bereits erfolgreich bewältigt wurde.

Zwischen Wasserkraft und ­Zukunftstechnologien

Ein zentrales Zukunftsprojekt ist die Modernisierung des gasbetriebenen Blockheizkraftwerks, das zahlreiche öffentliche Gebäude mit Wärme versorgt. Künftig soll eine Kombination aus Photovoltaik, Speichertechnologie und Wärmepumpen die fossile Energieversorgung ersetzen und gleichzeitig Förderfähigkeit sowie CO2-Ziele sichern. Geplant sind unter anderem PV-Carports auf bestehenden Parkplatzflächen. Parallel dazu beschäftigt sich das Unternehmen mit Speicherlösungen, intelligenten Netzen, LED-Straßenbeleuchtung sowie E-Mobilität. „Mit jeder zusätzlichen Speicherkapazität können wir mehr Photovoltaikleistung im Netz unterbringen“, sagt Philipp Kain. Gleichzeitig erschweren sinkende Wassermengen durch den Klimawandel langfristig die Stromproduktion aus Wasserkraft. Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch Diskussionen rund um Windkraft in Oberösterreich sowie durch den notwendigen Strombezug aus vorgelagerten Netzen. Trotz vieler paralleler Projekte setzt Philipp Kain bewusst auf schrittweises Wachstum und klare Prioritäten. „Man muss manchmal auch gute Ideen bewusst zurückstellen und Schritt für Schritt vorgehen“, betont Philipp Kain. Das junge Team, die regionale Verantwortung und der enge Zusammenhalt bilden dabei die Grundlage für die weitere Entwicklung und den Erfolg des Unternehmens. 

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Bauen mit Handschlagqualität

Interview mit Jürgen Fien, Geschäftsführer der Fien GmbH Bauunternehmen

Bauen mit Handschlagqualität

Vom kleinen Auftrag für private Bauherren bis zum Rohbauprojekt in Millionenhöhe: Die Fien GmbH Bauunternehmen aus Wehr verbindet die Flexibilität eines mittelständischen Familienbetriebs mit der Leistungsfähigkeit größerer Bauunternehmen. Regionale Nähe,…

Bauen mit Sicherheit und Nähe

Interview mit Kathleen Pfennigsdorf, Geschäftsführerin der AKOMA GmbH

Bauen mit Sicherheit und Nähe

Ein eigenes Haus bleibt für viele Menschen ein Lebenstraum. Doch steigende Baukosten, hohe Zinsen und komplexe Vorgaben erschweren den Weg ins Eigenheim. Die AKOMA GmbH aus Remchingen begleitet private Bauherren…

Tiernahrung mit Qualitätsanspruch

Interview mit Beate Rank, Geschäftsführerin der F&F Pet Food GmbH

Tiernahrung mit Qualitätsanspruch

Die Tiernahrungsbranche ist von starkem Wettbewerb und einem anspruchsvollen Markt­umfeld geprägt. Mit eigener Produktion, kompromisslosem Qualitätsanspruch und einer klaren Premiumstrategie hat sich die F&F Pet Food GmbH erfolgreich im Markt…

Spannendes aus der Region Perg

Stark im Heben

Interview mit Dipl.-Ing. Thomas Jakowiak, Geschäftsführer der Bulmor Industries GmbH

Stark im Heben

Es ist einfache Physik: Wenn man etwas Langes und Schweres transportieren will, klemmt man es seitlich unter den Arm, statt es in Armeslänge vor sich zu halten. Die dadurch verbesserte…

Plädoyer für nachhaltiges Bauen

Interview mit Johann Aschauer, Geschäftsführer der GAP-Solution GmbH

Plädoyer für nachhaltiges Bauen

In erster Linie sieht sich DI Mag. Johann Aschauer als Motivator und Botschafter für Nachhaltigkeit und den Wandel hin zur CO2-freien Bewirtschaftung von Gebäuden. Mit Partnern möchte er dahingehend einen…

Kunststoff: analog trifft digital

Interview mit Hans-Peter Kranewitter, Head of Sales and Marketing der Praher Plastics Austria GmbH

Kunststoff: analog trifft digital

Wenn der normale Standard nicht mehr ausreicht, dann kommen häufig Produkte der Praher Plastics Austria ins Spiel. Das Unternehmen mit Sitz in Schwertberg in Österreich ist Spezialist für Kunststoffventile und…

Das könnte Sie auch interessieren

Von Sonnen- und Schattenseiten

Interview mit Helmut Mauerer, Geschäftsführer der hm-pv GmbH

Von Sonnen- und Schattenseiten

Die Solarbranche hat in den vergangenen Jahrzehnten eine dynamische Entwicklung durchlaufen und ist zu einem zentralen Bestandteil der Energiewende geworden. Trotz Herausforderungen wie wirtschaftlichen Krisen, schwankenden Förderbedingungen und Lieferengpässen bleibt…

„Wir sind wie eine Familie mit allen Höhen und Tiefen!“

Interview mit Henning Diephaus, Geschäftsführer der Funke GmbH & Co. KG

„Wir sind wie eine Familie mit allen Höhen und Tiefen!“

Mit ihrer Tradition von fast 160 Jahren sieht sich die Funke GmbH & Co. KG auch für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt. Ein breites Kundenportfolio, der Einsatz innovativer Technologie…

Das Energieökosystem der Zukunft

Interview mit Jie Zhang, Managing Director Europe der GoodWe Europe GmbH

Das Energieökosystem der Zukunft

Mit Photovoltaikmodulen, Wechselrichtern, Wärmepumpen und vielen weiteren Artikeln hält der chinesische GoodWe-Konzern alle wesentlichen Komponenten bereit, damit die Energiewende gelingen kann. Kein Wunder, dass das Unternehmen in den 16 Jahren…

TOP