Viele Potenziale, eine Vision

Interview mit Sandra Maile, CEO und Ulrich Ermel, COO der FORTEC Elektronik AG

Wirtschaftsforum: Frau Maile, Herr Ermel, die FORTEC AG feiert im Juli ihr 40-jähriges Firmenjubiläum. Welche großen Meilensteine haben diese vier Jahrzehnte geprägt?

Sandra Maile: Vier junge Männer gründeten das Unternehmen 1984 und sind nach sechs Jahren, also relativ schnell, an die Börse gegangen. Durch Akquisitionen sind wir vom reinen Produktanbieter zum Systemlösungsanbieter geworden; damit verbunden waren Einstiege in die Bereiche Embedded Systems, Power Supplies und Display Technology, Heute entwickeln und fertigen wir auch eigene Produkte. 2015 wurde durch eine letzte größere Akquisition die Internationalisierung mit dem Einstieg in den amerikanischen und englischen Markt weiter forciert.

Ulrich Ermel: Die Entwicklung ging und geht bis heute weiter. Durch die vielen Einzelakquisitionen war eine heterogene Landschaft entstanden, die zusammengeführt werden musste. Ziel war, die Potenziale der einzelnen Unternehmen zu stärken, sie mehr zu vernetzten und die einzelnen Marken zu vereinheitlichen. Das ‘FORTEC One-Projekt’ war ein wesentlicher Schritt in Richtung Zukunft.

Sandra Maile: Ich bin seit 2017 im Vorstand tätig. 2020, nachdem die ersten Gesellschaften und Arbeiten konsolidiert und Standorte zusammengeführt worden waren, war die Geburtsstunde des strategischen Ansatzes ‘Grow together’. Aus der heterogenen Landschaft sollte ein Konzern entstehen, der als Einheit mit einer Strategie, einer Vision und einer Mission wahrgenommen wurde. Deshalb befinden wir uns seit 2017 im Transformationsprozess. Es gab eine Zeit, in der wir uns finden mussten; man muss den Spirit kreieren, die Mitarbeiter, aber auch das Management davon überzeugen, dass das in einem veränderten Markt der richtige Weg ist. Für diesen Identifikationsprozess muss man sich Zeit nehmen, wenn man erfolgreich sein will.

Wirtschaftsforum: FORTEC beschäftigt rund 230 Mitarbeiter. Wie sieht die Identifikation heute aus?

Ulrich Ermel: Unsere Mitarbeiter sind mit Leidenschaft und Engagement bei der Sache, was uns sehr stolz macht. Die Mission, das, was wir für unsere Kunden tun, ist in den Köpfen der Mitarbeiter und es ist schön zu sehen, welche Beiträge und Ideen von ihnen kommen. Sie identifizieren sich mit der Strategie, geben neue Impulse, rufen eigene Initiativen ins Leben und sind die wirklich wichtigen Menschen hinter dem Unternehmen. Viele engagieren sich ehrenamtlich, was wir unterstützen

Sandra Maile: Wir organisieren gemeinsame Veranstaltungen, Arbeitskreise, haben Mitarbeiterbefragungen und nehmen Feedback sehr ernst. Konstruktives Feedback zu geben, in beide Richtungen, ist uns wichtig. Unser Slogan ist zum Beispiel in einem Workshop entstanden, wo wir uns mit der Frage auseinandergesetzt haben, was uns ausmacht. Wir sind Mittelständler mit einem globalen Netzwerk, haben lokale Verankerungen mit Spezialisten vor Ort. Wir sind mittelständisch geprägt und börsennotiert mit allen damit verbundenen Chancen und Bürden; diese besondere Kombination grenzt uns vom Wettbewerb ab.

Wirtschaftsforum: Inwiefern setzt sich FORTEC mit seinen Leistungen ab?

Ulrich Ermel: Als Systemlieferant für komplexe Elektronik können wir immer das Beste herausholen und Kunden eine höhere Wertschöpfung bieten. Kunden konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenzen, wir übernehmen für sie den Bereich Elektronik. Dabei konzentrieren wir uns auf die Märkte Medical, Transportation, Railway und Defense und bieten langlebige, zuverlässige Produkte, die man reparieren kann und für die es Ersatzteile gibt.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Unternehmen?

Sandra Maile: Wir sind auf der digitalen Reise, die ständig neue Herausforderungen wie zum Beispiel IT-Security oder Infrastruktur mit sich bringt. Beim Thema KI sind wir relativ am Anfang, aber wir arbeiten damit, wollen sehen, wo wir es sinnvoll nutzen können, wo wir dadurch effizienter arbeiten können.

Wirtschaftsforum: Wie soll es in Zukunft weitergehen?

Ulrich Ermel: Die Welt verändert sich und wir verändern uns mit ihr mit. Wir müssen uns globaler aufstellen, um zum Beispiel von geopolitischen Unsicherheiten unabhängiger zu werden. Sowohl für die Beschaffungsseite als auch für die Absatzmärkte müssen wir uns diversifizieren. Ein wichtiger Slogan für uns lautet deshalb ‚Go international‘. Und das in vielerlei Hinsicht.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Schnell. Schlank. Versorgungssicher.

Interview mit Alexander Bell, Geschäftsführer und Andre Schmidt, Vertriebsleiter der Medsorg GmbH

Schnell. Schlank. Versorgungssicher.

Die Anforderungen an Pflegeeinrichtungen steigen – und damit auch der Bedarf an verlässlichen Partnern, die Versorgungssicherheit, Effizienz und Qualität zusammenbringen. Gerade bei Verbrauchsmaterialien und Pflegebedarf zählt nicht nur der Preis,…

„Man muss standhaft bleiben – im Ring und im Betrieb“

Interview mit Theo Krechlok, Geschäftsführer der KES Krechlok Elektrosysteme GmbH

„Man muss standhaft bleiben – im Ring und im Betrieb“

Auffällig ist die Geradlinigkeit im Werdegang von Theo Krechlok. Der Geschäftsführer der KES Krechlok Elektrosysteme GmbH war Juniorenweltmeister im Boxen und stand für die Bundeswehr im Ring – Erfahrungen, die…

Unterirdische Leitungen digital erfassen und sichtbar machen

Interview mit Jürgen Besler, Geschäftsführer der infrest Infrastruktur eStrasse GmbH

Unterirdische Leitungen digital erfassen und sichtbar machen

Die infrest Infrastruktur eStrasse GmbH hat sich in den letzten 14 Jahren als führender Anbieter von Leitungsauskunftsdienstleistungen in Deutschland etabliert. Mit über 18.600 erfassten Infrastrukturnetzbetreibern und mehr als 6,5 Millionen…

Spannendes aus der Region Landkreis Fürstenfeldbruck

Ein halbes Jahrhundert Kompetenz in der Vermögensverwaltung

Interview mit Christian Janas, Leiter Vermögensverwaltung, Mitglied der Geschäftsführung der DJE Kapital AG

Ein halbes Jahrhundert Kompetenz in der Vermögensverwaltung

Wer über ein Vermögen verfügt, möchte dieses gerne sicher und gewinnbringend anlegen. Mit der Erfahrung von mehr als einem halben Jahrhundert bietet sich die DJE Kapital AG als kompetenter Vermögensverwalter…

MedTech mit Verantwortung – Lösungen, die verbinden

Interview mit Laura Garcia Baglietto, Executive Vice President Medical Devices & Environment International der GBA Group und Dr. Timo Lebold, Geschäftsführer der GBA MDS GmbH

MedTech mit Verantwortung – Lösungen, die verbinden

Die GBA Group zählt zu den führenden Labor- und Beratungsdienstleistern im europäischen Life Sciences-Sektor. In Gilching bei München bietet die GBA Medical Device Services GmbH regulatorische Beratung und umfassende Analytik…

„Als Sprachdienstleister sind wir keine Blackbox“

Interview mit Heike Leinhäuser, Geschäftsführerin der Leinhäuser Language Services GmbH

„Als Sprachdienstleister sind wir keine Blackbox“

Zu den Kunden von Heike Leinhäuser und ihrem 50 Mitarbeiter starken Team aus erfahrenen Linguisten zählen zahlreiche multinationale Großunternehmen mit strengsten Qualitätsanforderungen an die korrekte und zielgruppengerechte Ausarbeitung ihrer Texte…

Das könnte Sie auch interessieren

Effiziente Energie aus der Grafschaft Bentheim

Interview mit Uwe Mennebäck, Director Sales und Markus Grevinga, Director Engineering sowie Daniel Schraad, Site Director der STEMMANN-TECHNIK GmbH

Effiziente Energie aus der Grafschaft Bentheim

In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und Effizienz zu zentralen Erfolgsfaktoren für Industrie und Mobilität geworden sind, kommt innovativen Technologien eine Schlüsselrolle zu. Die STEMMANN-TECHNIK GmbH – ein Unternehmen des…

Elektrisch. Engagiert. Endenburg.

Interview mit Rik Kant, Geschäftsführer der Endenburg Elektrotechniek B.V.

Elektrisch. Engagiert. Endenburg.

Vom Lampengeschäft zum Elektrotechnik-Spezialisten: Die Geschichte der Endenburg Elektrotechniek B.V. reicht fast 100 Jahre zurück. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum gibt Geschäftsführer Rik Kant Einblicke in die Unternehmensstruktur, das besondere Führungsmodell…

Energiewende als Motor

Interview mit Marco Geiler, Geschäftsführer und Rolf Anti, Geschäftsführer der J. Schneider Elektrotechnik GmbH

Energiewende als Motor

Transformatoren für Windkraftanlagen, Stromversorgungen für Rechenzentren, Service für Tunnelbohrmaschinen: J. Schneider Elektrotechnik ist überall dort aktiv, wo Präzision und Zuverlässigkeit zählen. Das Offenburger Unternehmen will bis 2030 auf 600 Mitarbeiter…

TOP