Dauerhafte Liebesbeziehung

Interview mit Fabio Boccacci, Firmenchef der Fonderia Boccacci SPA

„Wir fertigen manuell geformte Rohrgussteile“, beschreibt Fabio Boccaci die Tätigkeit der Fonderia Boccacci SPA. „Die Teile sind mittelgroß und wir produzieren sie auf modernen, automatisierten Anlagen. Die Gussteile werden anschließend gereinigt, lackiert und weiter bearbeitet.“

Dank der großen Fertigungstiefe können die Teile von den Kunden gleich weiterverarbeitet werden. Fabio Boccacci: „Aus den Gussteilen fertigen unsere Auftraggeber zum Beispiel Komponenten für Schiffsmotoren und Werkzeugmaschinen. Darüber hinaus verfügen wir über eine Division, die auf Schleuderguss spezialisiert ist. Deren Produktion ist klein, aber sehr interessant und anspruchsvoll.“

Pünktlich und flexibel

„Unsere große Stärke ist der Maschinenpark“, erklärt Fabio Boccacci. „Wenn uns Kunden besuchen, sind sie immer sehr beeindruckt von den Produktionsanlagen.“ Seine Auftraggeber sieht der Firmenchef als Partner. Deshalb legt er größten Wert auf deren schnelle und pünktliche Belieferung. „Wir haben einen Kunden, der 1.200 km von uns entfernt ist. Unsere Lieferungen sind in seinen Produktionsprozess eingebunden, weil er genau weiß, dass wir die Fristen einhalten.“

Zwischen 80 und 90 t Gussteile kann die Fonderia Boccacci täglich gießen. Mittelfristig soll die Fertigung jedoch auf 100 t pro Tag hochgefahren werden.

Technisches Büro 

Eine weitere Kompetenz der Fonderia Boccacci ist das metallurgische Labor. „Hier analysieren und prüfen wir das Material vor und nach dem Guss“, verdeutlicht Fabio Boccacci. „Wir prüfen mittels Ultraschall und magnetoskopisch. Jedes Teil bekommt zudem eine individuelle Nummer. So wissen wir noch Jahre später, wann, wo und von wem das Stück bearbeitet wurde.“

Außerdem verfügt die Gießerei über ein technisches Büro, das die Gussstücke plant. „Oft arbeiten wir bei der Planung auch mit den technischen Büros unserer Kunden zusammen“, betont Fabio Boccacci.

Anlage für grosse Teile 

Das 1969 gegründete Unternehmen startete in den 1970er-Jahren mit der Fertigung von Gusseisen-rollen zur Laminierung von Rohren. Später kamen die Produktion von Gussbarren und der Schleuderguss hinzu.

„Seit 1997 haben wir eine halbautomatische Anlage, mit der wir große Teile bis zu 7 x 3 m herstellen können“, freut sich der Präsident. „Meines Wissens waren wir die Ersten auf der Welt mit einer solchen Anlage. Seit 2008 haben wir mehr als 20 Millionen Euro in die Modernisierung investiert.“

Viele Exporte 

Seinen juristischen Sitz hat das Unternehmen in Mailand. Die Produktion befindet sich auf einem 30.000 m² großen Gelände in Piana Batolla in der Nähe des Hafens von La Spezia. Außerdem unterhält die Fonderia Boccacci noch eine 3.000 m² große Werkstatt in Ligurien. Der aktuelle Umsatz liegt bei 32 Millionen EUR.

142 Beschäftigte arbeiten in der Firma, hinzu kommen weitere 18 in der ligurischen Werkstatt. Die Exportquote liegt zwischen 55 und 65%. Exportmärkte sind unter anderem Deutschland, Finnland, Belgien, Österreich, USA, Saudi-Arabien und China.

Wichtige Mundpropaganda

„Unsere Kunden sind größer als wir und schätzen unsere Flexibilität“, verdeutlicht Fabio Boccacci. „In der Branche sind wir bekannt und betreiben deshalb nicht so viel Marketing. Mundpropaganda ist neben einigen Fachmessen immer noch das Beste.“

Bei Messen ist die Fonderia Boccacci auf der EMU und der BIMU vertreten. „Ich bin Optimist“, beschreibt der Präsident seine Sicht auf die Zukunft. „Ich sehe uns als Unternehmen, das wachsen kann, und wir planen entsprechende Investitionen, damit wir wachsen können.“ So wird die große Liebe von Fabio Boccacci wohl noch lange andauern.

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