Textile Inspirationen

Interview mit Bernd Steverding, Geschäftsführer der ESSENZA HOME GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Steverding, wie stellt sich die Marktsituation im Heimtextilbereich, insbesondere vor dem Hintergrund des wachsenden Internethandels, aktuell dar?

Bernd Steverding: Grundsätzlich haben die Konsumenten die Schränke heute voll. Sie brauchen eigentlich nichts mehr, sondern kaufen, was ihnen gefällt – was sie möchten. Das bedeutet für uns, dass wir ihre Begehrlichkeit wecken müssen, sodass sie in ein Geschäft kommen oder etwas im Netz sehen, das sie gern haben möchten. Unser Markt hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert. Immer mehr – auch größere – Anbieter schließen sich zusammen. Im Möbelhandel findet ebenfalls eine starke Konzentration statt. Häufig wird deshalb prognostiziert, der Fachhandel habe keine Zukunft mehr. Das sehe ich anders. Der Fachhandel muss sich individuell aufstellen, einen guten Service anbieten und schnell agieren, dann kann er ein Einkaufserlebnis schaffen, dass das Internet niemals leisten kann.

Wirtschaftsforum: Inwieweit ist hier die Politik gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen?

Bernd Steverding: Die Einzelhändler brauchen ganz klar mehr Flexibilität. Das Thema Ladenschluss trifft die Händler empfindlich. Die Gewerkschaften kämpfen dagegen an – für die Arbeitnehmer. Das ist verständlich. Aber man muss auch berücksichtigen, dass der stationäre Handel gegen Onlineshops antritt, die von montags bis sonntags rund um die Uhr geöffnet haben. Vor diesem Hintergrund ist jede Reglementierung, wie zum Beispiel unser Ladenschlussgesetz, nicht mehr zeitgemäß und stellt eine Wettbewerbsverzerrung dar.

Wirtschaftsforum: Sie bieten im Bereich Heimtextilien ein gut sortiertes Portfolio an. Setzen Sie Schwerpunkte, um sich vom Wettbewerb abzuheben?

Bernd Steverding: Traditionell sind wir im Bettwäsche-Bereich stark. Hier liegen unsere Wurzeln. Auch heute noch macht der Bereich rund 40% unseres Gesamtgeschäfts aus. Darüber hinaus haben wir Teppiche, kleine Möbel, Dekoration und Accessoires sowie auch Damen-Tag- und Nachtwäsche im Programm. Wir bieten Produkte rund um das Schlaf- und Wohnzimmer und das Bad an. Wir haben zwei eigene Marken: Essenza, unsere älteste Marke, und unsere junge Marke Covers & Co, mit der wir verstärkt junge Leute unter 25 ansprechen. Außerdem halten wir verschiedene populäre Lizenzmarken, wie zum Beispiel Pip Studio, Marc O‘ Polo oder Esprit.

Wirtschaftsforum: Worauf legen Sie bei der Auswahl der Produkte und Marken besonderen Wert?

Bernd Steverding: Bei uns wird Design großgeschrieben. Zudem orientieren wir uns an den Trends der Modewelt. Unsere Lizenzmarken sind alle auch als Modemarken bekannt. Aber über die Optik der einzelnen Produkte hinaus kann der Kunde mit unseren Produkten ganzheitliche Konzepte inszenieren, seine oder ihre eigene Wohnwelt schaffen.

Wirtschaftsforum: Sind Sie auch über die deutschen Landesgrenzen hinaus aktiv?

Bernd Steverding: Ja! Als niederländisch-deutsches Unternehmen sind die Benelux-Länder als Absatzmarkt selbstverständlich sehr wichtig. Darüber hinaus arbeiten wir mit Kunden in Frankreich, Italien, Spanien und der Schweiz zusammen. Geschäftsbeziehungen gibt es aber auch nach Osteuropa, Kanada und in den arabischen Raum. Dabei berücksichtigen wir, dass jedes Land seine eigene Bettwäsche-Kultur hat und gehen auf diese individuell ein. In den Niederlanden hat man offene Verschlüsse, in Deutschland Knöpfe und Reißverschlüsse, die Schweiz, Österreich, Italien und Osteuropa wiederum haben andere Größen. Wir haben hier an unserem Sitz in Borken expandiert und investiert und ein Zentrallager aufgebaut. Von hier aus bedienen wir direkt ganz Europa. Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Jahren international noch viel stärker werden.

Wirtschaftsforum: Sie selbst stammen ja aus einer langen Textil- und Unternehmer-Tradition. Wo sehen Sie ESSENZA HOME langfristig am Markt?

Bernd Steverding: Wir werden ein neues B2B-Portal mit einer hohen Warenverfügbarkeit implementieren und in unsere Logistik investieren. Die schnelle Lieferung ist ein wichtiges Erfolgskriterium. Darüber hinaus werden wir vor allem an unserem ganzheitlichen Service arbeiten. Es geht heute nicht mehr nur um den Verkauf von Ware. Es gibt zum Beispiel so gut wie keine Lagerhaltung mehr im Einzelhandel. Entsprechend brauchen wir eine schnelle und effiziente Logistik. Wir werden uns in den kommenden Jahren noch stärker auf die veränderten Bedürfnisse unserer Kunden einstellen und vermehrt ganzheitliche Lösungen anbieten.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Interview mit Antonio Lucá, Hauptgesellschafter der MADISON COSMETICS GmbH

Kosmetik ist Vertrauens­sache

Der Kosmetikmarkt ist schnell, laut und gleichzeitig hoch reguliert. Neue Marken entstehen gefühlt über Nacht, Trends werden in sozialen Netzwerken beschleunigt und Kunden erwarten immer häufiger beides: ein gutes Gefühl…

Wenn Qualität Leben rettet

Interview mit Hans-Werner Holdermann, Geschäftsführer der Deutsche Blistergesellschaft mbH

Wenn Qualität Leben rettet

Die Verblisterung von Arzneimitteln könnte die Patientensicherheit revolutionieren. Doch während technisch bereits Weltspitze erreicht ist, hinkt der rechtliche Rahmen dramatisch hinterher. Die Deutsche Blistergesellschaft arbeitet mit Fehlerquoten im Nanobereich, während…

Arbeitssicherheit strategisch gedacht

Interview mit Marc Riegel, Geschäftsführer und Jennifer Stöckel, Chief of Staff der SAFETEE GmbH

Arbeitssicherheit strategisch gedacht

Globale Krisen, geopolitische Spannungen und wachsende Anforderungen an Großprojekte verändern die Rahmenbedingungen der Arbeitssicherheit spürbar. Wie Unternehmen auch unter unsicheren Vorzeichen handlungsfähig bleiben und Sicherheit strategisch verankern, zeigt die SAFETEE…

Spannendes aus der Region Kreis Borken

Vom Ladenbau zur Ladestation

Interview mit Sebastian Hellmich, Geschäftsführer und Sebastian Reh, Vertriebsleiter der hesotec gmbh

Vom Ladenbau zur Ladestation

Die Elektromobilität steckt voller Potenziale und Herausforderungen – von der Ladeinfrastruktur bis zum Energiemanagement. Die hesotec gmbh hat sich sowohl im Metallbau als auch in der Entwicklung hochwertiger Ladestationen einen…

Von Emmerich in die Welt

Interview mit Jordi Queralt, Geschäftsführer der H. von Gimborn GmbH

Von Emmerich in die Welt

Vom Arzneimittelhersteller zur internationalen Katzenmarke: Seit 1855 hat sich die H. von Gimborn GmbH vom traditionsreichen Chemiebetrieb zu einem internationalen Spezialisten für Katzensnacks und Katzenstreu entwickelt. Geschäftsführer Jordi Queralt erklärt,…

Roboter im Schwarm

Interview mit David Niedermaier, Geschäftsführer & CTO AGILOX Services GmbH

Roboter im Schwarm

Das Leben der Menschen in ihrer Arbeitsumgebung sicherer zu machen, war die Vision – von Anfang an. Heute ist die AGILOX Services GmbH Technologieführer im Bereich der Autonomen Mobilen Roboter…

Das könnte Sie auch interessieren

Arbeitswelten im Wandel

Interview mit Nina Heisinger, Geschäftsführerin der Heisinger Büro- & Objekteinrichtung GmbH & Co. KG

Arbeitswelten im Wandel

Das Büro kehrt zurück – jedoch in neuer Funktion. Wer heute Mitarbeitende bewusst vor Ort zusammenbringen möchte, benötigt weit mehr als Schreibtische und Besprechungsräume. Es geht um Orte, die Austausch…

Belgisches Möbeldesign – auf Beständigkeit gebaut

Interview mit Marie Claeys, Vertriebsleiterin der Mobitec Systems S.A.

Belgisches Möbeldesign – auf Beständigkeit gebaut

Mobitec Systems S.A. aus Eupen in Belgien gehört heute zu den führenden europäischen Herstellern von Stühlen, Sesseln und Tischen und bleibt dabei fest in Familienhand. Seit 1990 steht das Unternehmen…

Technik mit Stil

Interview mit Andy Trümpler, Verwaltungsratspräsident der Isolag AG

Technik mit Stil

Die Gestaltung gewerblicher Räume spielt eine entscheidende Rolle für Funktionalität, Ästhetik und Wohlbefinden von Mitarbeitern und Kunden. Besonders die Decke, ein häufig übersehener Teil der Innenarchitektur, hat weitreichende Auswirkungen auf…

TOP