Die Industrie 4.0 kommt – ganz automatisch

Interview mit Bernhard Kuchenbaur, Bereichsleiter Sales und Service der Eberhard AG Automations- und Montagetechnik

Wirtschaftsforum: Herr Kuchenbaur, welche Meilensteine haben die Eberhard AG geprägt?

Bernhard Kuchenbaur: Die Firma wurde 1964 von Pius Eberhard als Familienunternehmen gegründet. Seit der Entwicklung von Platinenbestückern auf der Basis von EBS 300-Standards 2001 sind wir in der Automobilindustrie sehr erfolgreich. Ein Jahr später haben wir die Prozessvalidierung für die pharmazeutische Industrie bekommen und die erste Maschine nach GMP- (Good Manufacturing Practice) Regeln ausgeliefert. 2008 haben wir eine Niederlassung in den USA gegründet, eine weitere 2009 in Tschechien und 2013 eine Niederlassung in China. Ein wichtiger Schritt war die Entwicklung eines neuen Platinenbestückers 2019, der es ermöglicht, vier Pin-Typen mit einer Maschine zu bearbeiten. Das ist weltweit einmalig. 2020 haben wir das erste Längstaktsystem mit modularisierter Plattform auf digitaler Basis an einen asiatischen Kunden ausgeliefert.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre wichtigsten Produkte?

Bernhard Kuchenbaur: In der Vergangenheit waren die Platinenbestücker das Rückgrat des Unternehmens. Durch den Strukturwandel in der Automobilindustrie wird diese Produktgruppe aber an Bedeutung verlieren. Ein stabiles Geschäftsfeld, das wir weiter ausbauen werden, sind die Steckverbinder. Sie werden in der Automobilindustrie teilweise durch andere Systeme ersetzt werden, dafür steigt ihr Bedarf in anderen Industrien. Wir sind außerdem in die Montagetechnik eingestiegen. Sie wird neben der E-Mobilität auch in der Consumer-Elektronik, der Transportindustrie, der Daten- und Telekommunikation und der Pharma- und Medizintechnik immer wichtiger werden. Generell werden wir uns in Richtung Industrie 4.0 orientieren.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich die Eberhard AG in den letzten Jahren entwickelt?

Bernhard Kuchenbaur: Weltweit beschäftigen wir rund 360 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von 50 Millionen EUR. Seit 2000 sind wir überdurchschnittlich gewachsen. Das lag zum einen an der Internationalisierung, zum anderen an der Entwicklung innovativer Produkte. Corona hat uns einen kleinen Dämpfer verpasst. Daher erwarte ich in den nächsten zwei Jahren kein großes Wachstum in unseren Stammmärkten. Wir werden uns aber verstärkt auch neuen Märkten wie der Montagetechnik zuwenden.

Wirtschaftsforum: Welche Impulse können Sie dem Unternehmen geben?

Bernhard Kuchenbaur: Ich bin seit Sommer 2019 im Unternehmen und heute verantwortlich für Vertrieb, Projektmanagement und Service. Damit bin ich eine Kontaktstelle zu den Kunden. Ein wichtiges Anliegen ist mir die digitale Transformation in Vertrieb und Marketing. 80% der Unternehmen informieren sich zunächst im Internet, bevor sie Aufträge vergeben. Deshalb ist es wichtig, sich dort entsprechend zu präsentieren. Corona hat die digitale Entwicklung extrem beschleunigt und damit auch eine Veränderung in der Gesellschaft bewirkt. Man akzeptiert heute Dinge, die früher noch undenkbar waren. Ich finde die Verbindung von Tradition und Innovation im Vertrieb sehr spannend und ich liebe Veränderungen.

Wirtschaftsforum: Was macht Eberhard so erfolgreich?

Bernhard Kuchenbaur: Eindeutig die Mitarbeiter. Denn sowohl die Innovationen als auch die Produktqualität, für die wir bekannt sind, gehen von ihnen aus. Zudem zählen für uns als Familienunternehmen noch Werte wie Zuverlässigkeit, Gründlichkeit, Genauigkeit, Qualitätsbewusstsein und die Bereitschaft, sich für das Unternehmen einzusetzen.

Wirtschaftsforum: Wohin möchten Sie das Unternehmen mittelfristig führen?

Bernhard Kuchenbaur: Ich sehe Eberhard als internationalen Player, der zusammen mit den Kunden Standards erarbeitet. Mit unseren Innovationen wollen wir eine weltmarktführende Position einnehmen, sowohl in der Mechanik als auch bei Software und Digitalisierung.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

„Standard ist nicht unbedingt besser!“

Interview mit Morris Wilisch, geschäftsführender Gesellschafter der masetec GmbH

„Standard ist nicht unbedingt besser!“

Mit masetec versorgt Morris Wilisch seit vielen Jahren Unternehmen aus verschiedensten Industriezweigen mit Sensorsystemen und den dazugehörigen Magneten. Warum eine Standardlösung dabei nicht immer kosteneffizienter ist, wie er auch im…

„Überall, wo Drähte verarbeitet werden, sind wir zu Hause“

Interview mit Martin Zeiher, Geschäftsführer der Zorn Maschinenbau GmbH

„Überall, wo Drähte verarbeitet werden, sind wir zu Hause“

Wer einen Spezialisten für Sondermaschinenbau und Zerspanung im Mikrobereich sucht, der auch mit Drähten zurechtkommt, die viermal dünner sind als ein menschliches Haar, stößt irgendwann auf die Zorn Maschinenbau GmbH…

Mit Flexibilität durch den Wandel

Interview mit Dario Peran, geschäftsführender Gesellschafter der Brämig & Stehling GmbH

Mit Flexibilität durch den Wandel

Automatisierung gilt als einer der Schlüssel, um industrielle Produktion in Deutschland wettbewerbsfähig zu halten. Doch ausgerechnet in einer Phase, in der Investitionen dringend nötig wären, agieren viele Unternehmen zurückhaltend. Für…

Spannendes aus der Region Landkreis Göppingen

„Entscheidend sind Qualität und Termintreue!“

Interview mit Alexander Schaal, Geschäftsführer Sport der SPORTSTÄTTENBAU Garten-Moser GmbH u. Co. KG

„Entscheidend sind Qualität und Termintreue!“

Die Unternehmensgruppe Garten Moser engagiert sich nicht nur im klassischen Garten- und Landschaftsbau, sondern auch in der Errichtung und Pflege von Outdoor-Sportanlagen: Zu den Auftraggebern zählen neben Bundesligisten auf allen…

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien

Die Sicherheitsanforderungen an den Transport von Batterien für die Elektromobilität und ähnliche Anwendungsfelder sind immens: Seit 2017 entwickelt LogBATT aus dem Neckartal hierfür zielgerichtete Produkte für den gesamten Batterie­lebenszyklus von…

Zwischen Hand­werk und Kunst

Interview mit Steffen Bayer, Geschäftsführer der METALLART Treppen GmbH

Zwischen Hand­werk und Kunst

Treppen verbinden Ebenen und schaffen Räume mit Charakter. Wo handwerkliche Präzision auf außergewöhnliches Design und durchdachte Funktion trifft, entstehen individuelle Treppenkonzepte, die weit mehr sind als der Weg von unten…

Das könnte Sie auch interessieren

MORE THAN TECHNOLOGY

Interview mit Christopher Lauken, Head of Marketing and Sales der CAME Deutschland GmbH

MORE THAN TECHNOLOGY

Fortschritt beginnt nicht mit Technologie – sondern mit Menschen, die den Mut haben, sie neu zu denken. Seit Jahrzehnten entwickelt die CAME SpA aus Italien intelligente Lösungen für Automatisierung und…

Engineering für besondere Aufgaben

Interview mit Dr. Wolfgang Heimberg, Geschäftsführer der HTI Automation GmbH

Engineering für besondere Aufgaben

Vom Physiker in der Automobilentwicklung zum Unternehmer in der Laborautomation: Dr. Wolfgang Heimberg hat mit der HTI Automation GmbH einen Spezialisten aufgebaut, der sich bewusst zwischen Standard und Individualität positioniert.…

Vision trifft Automation

Interview mit Roland Jenning, Geschäftsführer der inos Automationssoftware GmbH

Vision trifft Automation

In der industriellen Automatisierung steigen die Anforderungen an Effizienz, Präzision und Qualität kontinuierlich. Produkte müssen nicht nur schnell, sondern auch fehlerfrei und reproduzierbar gefertigt werden. Vor diesem Hintergrund gewinnen innovative…

TOP