„Das Unternehmen muss den Menschen dienen“

Interview mit Heinrich Deichmann

Wirtschaftsforum: „Herr Deichmann, Sie repräsentieren in dritter Generation ein Familienunternehmen, das im vergangenen Jahr sein 100. Jubiläum gefeiert hat. Aus Ihrer Sicht: was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Faktoren, die das Unternehmen langfristig erfolgreich machen?“

Heinrich Deichmann: „Der wichtigste Faktor war von Anfang an, dass meine Großeltern und später auch meine Eltern das Ziel verfolgt haben, die Wünsche der Kunden zu erkennen und diese so gut wie möglich zu erfüllen. An diesem Ziel hat sich bis heute nichts geändert. Hinzu kommt: Als Familienunternehmen denken wir sehr langfristig, das bedeutet unter anderem, dass der Gewinn im Unternehmen bleibt, so dass wir aus eigener Kraft wachsen können. Wir konzentrieren uns darauf, das Deichmann-Konzept weltweit zu multiplizieren. Den Firmenzweck haben wir in unserem Leitbild zusammengefasst, das von Anfang unter der Überschrift stand: „Das Unternehmen muss den Menschen dienen.“ Mit zunehmendem Wachstum galt dieses Ziel dann auch für die eigenen Mitarbeiter und sehr bald auch für Menschen in Not, für die vor allem mein Vater sehr früh begonnen hat, nachhaltige Hilfsprojekte zu entwickeln.“

Wirtschaftsforum: „In je drei Worten auf den Punkt gebracht: - Für welche Werte steht Deichmann? -Was sind die USPs des Unternehmens?

Heinrich Deichmann: „Bei den Werten kann man es mit vier Worten sagen: Menschlichkeit, Langfristigkeit, Unabhängigkeit, Ehrlichkeit. Beim Alleinstellungsmerkmal müssten Sie eigentlich die Kunden fragen. Wir wollen den Dreiklang realisieren, dass die Kunden bei uns modische Schuhe in guter Qualität zu einem sehr günstigen Preis kaufen können.“

Wirtschaftsforum: „Stichwort Multi-Channel Marketing: Im Zuge des wachsenden E-Commerce hat sich auch Deichmann neu aufgestellt. Wie wichtig sind heute die Filialen, wie wichtig die Online- und Mobile-Aktivitäten und -verkäufe? Welche aktuellen Entwicklungen/ Pläne gibt es hier?“

Heinrich Deichmann: „Ich weiß nicht, ob „neu aufgestellt“ hier der richtige Begriff ist. Wir waren die ersten, die im Jahre 2000 begonnen haben, Schuhe per Internet zu verkaufen. Dieses Konzept haben wir dann mit zunehmendem Tempo weiterentwickelt und perfektioniert. Heute haben wir international 18 Onlineshops, die prozentual deutlich zweistellig pro Jahr wachsen. Multi-Channel heißt für uns, dass wir dem Kunden auf allen Kanälen das beste Angebot machen wollen und diese Kanäle miteinander bestmöglich verknüpfen. Wir sind die einzigen in Deutschland, die den Kunden die Möglichkeit bieten, zum Beispiel online zu bestellen und die Ware bei Bedarf in einer unserer rund 1.200 Filialen zurückzugeben. Oder man bestellt online, wenn man vorher im Laden nicht die passende Größe gefunden hat. Man kann aber auch online vorreservieren lassen oder bestellen und im Laden die Schuhe abholen. Es gibt also viele Wege und wir wünschen uns natürlich, dass der Kunde sich am Ende für uns entscheidet. Über welchen Kanal er den Kauf tätigt, ist zweitrangig. In jedem Fall möchten wir, dass er bei uns das beste Angebot findet.“

Wirtschaftsforum: „Deichmann hat in den vergangen Jahren verstärkt mit Celebrities als Testimonials gearbeitet, unter anderem mit den Sugarbabes, den Pussycat Dolls, Cindy Crawford oder Halle Berry. Nach welchen Gesichtspunkten suchen Sie Ihre Werbeträger aus? Welches Image sollen diese kommunizieren oder auf die Marke transferieren?“

Heinrich Deichmann: „Unsere Testimonials stehen immer für internationalen Lifestyle. Sie zeigen modebewussten Frauen verschiedener Altersgruppen, dass Mode und guter Geschmack für jeden erschwinglich sind. Aktuell machen wir gute Erfahrungen mit Kollektionen, die wir zusammen mit internationalen Bloggerinnen herausbringen und die wir exklusiv online anbieten. Hier erreichen wir vor allem eine junge Zielgruppe mit einem hochmodischen Angebot.“

Wirtschaftsforum: „Ursprünglich war Deichmann einmal ein Schuhmacherladen. Was ist Deichmann heute?“

Heinrich Deichmann: „Heute sind wir ein internationaler Modeanbieter, der durch seine kurzen Beschaffungswege modische Kollektionen sehr schnell zu günstigen Preisen in die Läden bringt. Wir haben die Mode praktische demokratisiert – ähnlich wie H&M.“

Wirtschaftsforum: „Unter Ihrer Leitung ist die Internationalisierung des Unternehmens entscheidend vorangetrieben worden. Was sind aktuell die wichtigsten Märkte für Deichmann und in welchen Ländern sehen Sie in den nächsten Jahren vielversprechendes Wachstumspotenzial?“

Heinrich Deichmann: „Die Nummer 1 ist für uns nach wie vor Deutschland. Hier machen wir immer noch 41 Prozent unseres Gruppenumsatzes. Dann folgen die USA, wo wir seit 1984 aktiv sind und inzwischen rund 500 Läden haben. Dann folgt die Schweiz, in der wir seit 1973 mit unterschiedlichen Formaten vertreten sind. Insgesamt sind wir als Deichmann-Gruppe heute in 24 Ländern aktiv.“

Wirtschaftsforum: „Welche konkreten Pläne für 2015 gibt es? Was ist ihre Vision für das Unternehmen mittel- und langfristig?“

Heinrich Deichmann: Wir haben in den letzten Jahren stark expandiert. Wir wollen nun zunächst in den vorhandenen Märkten das Wachstum weiter vorantreiben. Wir sehen in den meisten Ländern noch Wachstumspotential. Das gilt vor allem für die USA, die Türkei und auch Großbritannien. In Russland haben wir gerade angefangen. Wir planen aber auch internationales Wachstum mit anderen Formaten innerhalb der Deichmann-Gruppe. Wir setzen dabei – wie in der Vergangenheit – auf solides Wachstum aus eigener Kraft, ohne Kredit und Börsengänge. Deichmann soll auch zukünftig ein unabhängiges Familienunternehmen bleiben. Natürlich untersuchen wir auch weitere potentielle Märkte in neuen Ländern. Darüber reden wir dann, wenn es soweit ist.“

Wirtschaftsforum: „Was treibt Sie persönlich an, das Familienunternehmen weiterzuführen?“

Heinrich Deichmann: „Ich habe schon als Jugendlicher aus nächster Nähe erlebt, wie mein Vater die Firma geführt und aufgebaut hat und dass für ihn Unternehmertum immer mit sozialer Verantwortung zu tun hatte. Er hat sich von Anfang an auch für Menschen in Not engagiert, indem er zahlreiche Hilfsprojekte unterstützt oder entwickelt hat. Da war er für mich ein Vorbild und hat mir gezeigt, was der tiefere Sinn ist, der hinter der Arbeit für das Unternehmen steckt. Vor diesem Hintergrund ist bei mir schon früh der Wunsch entstanden, ebenfalls diesen Weg zu gehen.“

Wirtschaftsforum: „Herr Deichmann, bitte geben Sie uns eine Lebensweisheit aus Ihrer Erfahrung als Unternehmer.“

Heinrich Deichmann: „Geld ist ein guter Diener – aber ein schlechter Herr!“

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