Vom Boden zur Bühne der Markeninszenierung
Interview mit Stefan Imfeld, Creative Director der visuals united AG

Wirtschaftsforum: Herr Imfeld, wie sind Sie zur visuals united AG und zur Marke FOTOBODEN gekommen?
Stefan Imfeld: Ich komme aus dem Kommunikationsdesign und habe zuvor in verschiedenen Agenturen gearbeitet. Zur visuals united AG bin ich vor rund zehn Jahren über ein kreatives Buchprojekt gekommen. Ich kannte die Marke schon damals als innovatives, kleines Unternehmen mit großem Ideenreichtum. Aus diesem Projekt entstand schnell eine feste Zusammenarbeit.
Wirtschaftsforum: Was hat Sie daran gereizt, langfristig Teil des Unternehmens zu werden?
Stefan Imfeld: Mich hat von Anfang an fasziniert, dass FOTOBODEN aus einem echten Mangel heraus entstanden ist. Jemand wollte einen kreativen Messeboden und stellte fest, dass es so etwas am Markt nicht gab. Wenn ein Unternehmen seinen Markt selbst schafft, ist das für kreative Menschen ein ideales Umfeld. Genau dieses Innovationsmoment hat mich bis heute gehalten.
Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Unternehmen seit den Anfängen entwickelt?
Stefan Imfeld: Gestartet sind wir mit temporären Lösungen. Schnell wurde klar, dass individualisierte Böden in viel mehr Bereichen sinnvoll sind. Also haben wir das Material weiterentwickelt, langlebiger gemacht und neue Qualitätsstufen geschaffen – in enger Zusammenarbeit mit der Industrie. Ein Meilenstein war der Einsatz im Thronsaal von Schloss Neuschwanstein. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Einbindung in die Jordan-Gruppe, die uns im Objektbereich deutlich gestärkt, den Zugang zu neuen Kundengruppen eröffnet und die Entwicklung unserer Objektqualitäten weiter beschleunigt hat.
Wirtschaftsforum: Was bedeutet die Zugehörigkeit zur Jordan-Gruppe konkret?
Stefan Imfeld: Sie war für uns ein großer Schub. Als 100%ige Tochter profitieren wir von Erfahrung und Marktzugang im Objektbereich. Dadurch konnten wir langlebige Qualitäten wie unsere Objektlösungen schneller etablieren und professioneller in den Markt bringen. Für Kunden bedeutet das: individuelle Lösungen, bessere Verfügbarkeit und je nach Einsatzbereich sehr langlebige Produkte mit entsprechend langen Nutzungszyklen.
Wirtschaftsforum: Welche Stärken unterscheiden FOTOBODEN heute von anderen Anbietern?
Stefan Imfeld: Wir sind vollständig zertifiziert, was für viele Wettbewerber eine echte Eintrittsbarriere darstellt. Auf vielen Messegeländen sind wir deshalb faktisch alternativlos. Hinzu kommen unser Know-how als First Mover und der Anspruch, kreative Lösungen mit maximaler Gestaltungsfreiheit und langlebiger Qualität zu verbinden – vom Logo bis hin zu fotorealistischen 3D-Motiven ist nahezu alles realisierbar.
Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit spielt bei Ihnen eine zentrale Rolle. Wie zeigt sich das konkret?
Stefan Imfeld: Nachhaltigkeit ist bei uns seit den Anfängen Teil der Entwicklung und kein nachträgliches Thema. Wir sind weltweit die Einzigen, die mit biozirkulären Materialien arbeiten, und stellen aktuell die gesamte Produktfamilie auf Biorenyl um, das den CO2-Ausstoß deutlich reduziert. Seit unserem Umzug nach Köln produzieren wir zudem mit eigener Photovoltaik, die mehr Strom liefert, als wir benötigen. Parallel bauen wir unsere seit Jahren bestehenden Recycling-, Rücknahme- und Upcyclinglösungen inklusive CO2-Ausgleich weiter aus.
Wirtschaftsforum: In welchen Bereichen kommen Ihre Lösungen heute zum Einsatz?
Stefan Imfeld: Die Bandbreite ist groß: Messe, Handel, Supermärkte, Museen, Kulturbereich und Krankenhäuser, wo unsere Böden antibakteriell beschichtet und vollständig zertifiziert sind. Gerade dort bieten auch barrierefreie Leitsysteme einen echten Mehrwert. Während der Pandemie kamen neue Anwendungen hinzu, etwa Abstandsmatten sowie Lösungen für digitale Formate und Filmproduktionen, unter anderem auch für Netflix. Projekte wie das Ballonmuseum zeigen, wie flexibel, mobil und wiederverwendbar unsere Produkte sind.
Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung hat die EuroShop für Ihr Unternehmen?
Stefan Imfeld: Die EuroShop ist für uns zentrale Leitmesse, historischer Startpunkt und Wachstumstreiber. Dort hat FOTOBODEN früh entscheidende Sichtbarkeit gewonnen, und seit 2014 sind wir durchgehend vertreten und kontinuierlich gewachsen. In diesem Jahr waren rund 1.500 m2 im Einsatz – eine Fläche, die sich komplett in einem Sprinter transportieren lässt. Gleichzeitig bleibt die Messe unsere wichtigste Bühne, um die Vielfalt unserer Anwendungen zu zeigen.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung, KI und zukünftige Marktentwicklungen für Ihr Unternehmen?
Stefan Imfeld: KI senkt die Einstiegshürde für kreative Ideen. Unter dem Motto „Prompt to Reality“ zeigen wir, wie daraus schnell reale Lösungen entstehen. Gleichzeitig automatisieren wir Angebote und Serviceprozesse, die künftig auch über Tools, Chatbots oder Apps rund um die Uhr verfügbar sein sollen. International bleiben wir aktiv, mit der DACH-Region, insbesondere der Schweiz und Österreich, als Kernmarkt. Weitere Partner, auch in den Niederlanden, sollen Lieferketten verkürzen und logistische sowie zolltechnische Herausforderungen erleichtern. Mit aktuell rund 13 Mitarbeitenden setzen wir auf Effizienz, nachhaltige Materialien und optimierte Prozesse für weiteres Wachstum.












