Langfristig denken, gezielt ­rekrutieren

Interview mit Dr. Rafał Mroziewski, Geschäftsführer der Mondi sp. z o.o.

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Mroziewski, Mondi gibt es seit 2011. Wie hat sich das Unternehmen seither entwickel?

Dr. Rafał Mroziewski: Mondi ist aus der Beobachtung des Arbeitsmarktes entstanden: Die industrielle Wertschöpfung in Deutschland hängt zunehmend von der Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte ab und genau hier entstehen strukturelle Engpässe. Seit der Gründung haben wir uns Schritt für Schritt vom klassischen Personaldienstleister zum strategischen Partner für Indus­trieunternehmen entwickelt. Unser Fokus liegt nicht auf kurzfristiger Überlassung.Was uns antreibt, ist der Aufbau stabiler Personalstrukturen. Die durchschnittliche Einsatzdauer in der Branche liegt bei zwei bis drei Monaten. Bei uns sind es über elf Monate. Während ein durchschnittlicher Wettbewerber dieselbe Stelle viermal im Jahr neu besetzen muss, bleiben unsere Mitarbeiter. Das schafft

Effizienz, und zwar auf beiden Seiten. Die Pandemie war für viele ein Einbruch, doch für uns letztlich auch eine Chance: Wir haben unsere Prozesse stärker datengetrieben gestaltet und KI-gestützte Matching-Systeme aufgebaut.

Wirtschaftsforum: Die vergangenen Jahre waren von Krisen geprägt. Was hat das mit Ihrem Markt und Ihren Kunden gemacht?

Dr. Rafał Mroziewski: Unmittelbar nach der Pandemie war der Bedarf groß, die Kundengewinnung einfach. Doch nach ein, zwei Jahren Aufschwung geriet die deutsche Wirtschaft in eine Phase ohne Wachstum. Die Arbeitslosigkeit stieg auf rund 3 Millionen Menschen. Für einfachere Stellen gibt es regional wieder genug Kandidaten. Das zwang uns, uns nach oben zu orientieren: hin zu Spezialisten und Ingenieuren für Produktionsunternehmen. Gleichzeitig haben wir unsere Branchenabhängigkeit erkannt: Bis 2020 erwirtschafteten wir den Großteil unseres Umsatzes in der Automobilindustrie. Heute sind wir bewusst diversifiziert in Chemie, Pharma, Verteidigung und Infrastruktur. Das reduziert Risiken und stärkt das Wachstumspotenzial.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Mondi am Markt, und was macht den Unterschied gegenüber anderen Anbietern?

Dr. Rafał Mroziewski: Wir haben eine ziemlich außerordentliche Strategie: Wir rekrutieren ausschließlich in Polen – aus dem gesamten Land – und sind dabei ausschließlich auf dem deutschen Markt tätig. Viele unserer internen Mitarbeiter sind Muttersprachler beider Länder, haben selbst Jahre in Deutschland gelebt und verstehen die kulturellen Unterschiede aus eigener Erfahrung. Das ist kein Marketing, das ist gelebte Realität. Bei unseren Kunden gibt es keinen weiteren ausländischen Personaldienstleister außer Mondi. Unsere deutschen Wettbewerber konzentrieren sich regional und haben schlicht keinen vergleichbaren Zugang zu einem belastbaren Kandidatenpool. Dazu kommen 15 Jahre Erfahrung im deutsch-polnischen Arbeitsmarkt, tiefes Verständnis industrieller Produktionsprozesse und eine Talentdatenbank mit 100.000 Kandidaten. Unsere Kunden bewerten uns im Schnitt mit 8,3 von 10 Punkten. Dieselben Kunden geben deutschen Mitbewerbern im Vergleich eine 5 oder 6.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt KI bei Mondi?

Dr. Rafał Mroziewski: Wir haben eine umfassende Datenbasis und mit Unterstützung der Technischen Universität in Poznań ein eigenes System entwickelt. Ich habe parallel KI im Business an der Universität Oxford studiert, um die Zusammenhänge in der Tiefe zu verstehen. Das System unterstützt uns beim Kandidatenmatching, bei der Analyse von Kompetenzprofilen und bei der Prognose der Mitarbeiterbindung, denn wir wollen nicht, dass ein Mitarbeiter eingestellt wird und dann wieder geht. KI ersetzt bei uns keine Menschen, aber sie macht unsere Arbeit deutlich besser.

Wirtschaftsforum: Was erwarten Sie von 2026 und wo soll Mondi langfristig stehen?

Dr. Rafał Mroziewski: 2026 werden wir stark wachsen, schätzungsweise um 40%. Wir sind gut vorbereitet, haben klare Strukturen, die richtigen Branchen und seit Jahresbeginn sehr viele Aufträge. Die Branche insgesamt schwächelt, weil viele Anbieter kurzfristig orientiert sind und keinen Zugang zu skalierbaren Personalressourcen haben. Wir schon. Mittelfristig planen wir zudem die Gründung einer GmbH in Deutschland und erwägen eine Expansion in den DACH-Raum nach Österreich und die Schweiz, perspektivisch auch Schweden. Das langfristige Ziel ist klar: Mondi als internationalen strategischen Partner für Industrieunternehmen zu etablieren, die an mehreren Standorten in verschiedenen Ländern einen verlässlichen, qualitätsorientierten Anbieter suchen. Menschen sind die Strategie. Ohne die richtigen Menschen – intern wie extern – lässt sich nichts davon umsetzen.

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