Freiheit auf dem Wasser
Interview mit Cheryl Brown, Geschäftsführerin und Mike Greenup, Marketingdirektor der Crown Blue Line GmbH



Wirtschaftsforum: Frau Brown, Herr Greenup – was ist der Kern des Le Boat-Erlebnisses? Was macht diese Urlaubsform so attraktiv?
Cheryl Brown: Für viele ist es die Freiheit. Man entscheidet selbst, wann man losfährt, wo man anlegt und wie aktiv oder ruhig der Tag wird. Gleichzeitig nehmen wir den Leuten die Sorge, dass Bootfahren kompliziert sein könnte: Auf all unseren Revieren sind keine Führerscheine nötig – wir wählen unsere Fahrtgebiete bewusst so aus. Der zweite Punkt ist das ‘Home-from-home’-Gefühl. Es ist eine Alternative zum Hotel: Sie haben Ihren eigenen Rückzugsort, kochen, wenn Sie wollen, und sitzen abends noch draußen, während die Landschaft langsam vorbeizieht.
Mike Greenup: Und man entdeckt Regionen ganz anders. Statt mit 3.000 Menschen gleichzeitig an einem Hafen auszusteigen, nehmen Sie sich die Zeit für kleine Orte, Märkte, Cafés – und Sie bleiben dort, wo es Ihnen gefällt. Dieses Gefühl, jederzeit ‘abbiegen’ zu können, macht den Reiz aus.
Wirtschaftsforum: Le Boat ist inzwischen ein großer Player. Wie hat sich das Unternehmen entwickelt – und wie sieht das Geschäftsmodell heute aus?
Cheryl Brown: Wir haben über Jahrzehnte skaliert: von den Anfängen 1969 am Canal du Midi bis zu einer Flotte von heute über 950 Booten. Unsere Angebote sind flexibel: Viele Gäste fahren Rundtouren – Start und Ziel sind dieselbe Basis. Wer mehr Strecke machen möchte, wählt eine Einwegroute von Basis A nach Basis B. Die durchschnittliche Reisedauer liegt bei etwa einer Woche, möglich sind aber auch zwei bis drei Wochen oder Kurzpausen. Ein weiterer Wachstumsschritt war die Expansion nach Nordamerika: Der Einstieg in den USA begann 2014, in Kanada eröffneten wir 2016 am Rideau Canal mit zunächst 16 Booten – inzwischen sind es dort deutlich mehr.
Wirtschaftsforum: Viele Menschen reizt ein Bootsurlaub, aber sie fürchten technischen Aufwand, Enge oder Stress beim Manövrieren. Was tun Sie konkret, um Einsteiger abzuholen?
Cheryl Brown: Innovation bedeutet bei uns Einfachheit. Wir bauen unsere Boote exklusiv für unsere Gäste und richten alles darauf aus, dass sich auch Menschen ohne Erfahrung schnell sicher fühlen. Bei den Premiumlinien Horizon und Liberty sprechen wir bewusst von ‘schwimmenden Apartments’: breite Grundrisse, möglichst wenige Stufen, viel Wohngefühl – und vor allem Kabinen mit eigenen Badezimmern. Entscheidend ist die Manövrierbarkeit: Unsere neuen Boote haben Bug- und Heckstrahlruder. Damit lässt sich das Boot sehr fein steuern – auch Anlegen wirkt plötzlich nicht mehr einschüchternd. Und wir haben einen Bereich, der für viele zum Lieblingsort wird: die Flybridge. Wir nennen sie ‘Fun Bridge’, weil Gäste dort den Großteil der Zeit verbringen – fahren, schauen, essen, planen.
Wirtschaftsforum: Herr Greenup, Sie sollen international Wachstum und Aufmerksamkeit steigern. Wie erreichen Sie Menschen, die noch nie über Hausbooturlaub nachgedacht haben?
Mike Greenup: Indem wir zeigen, wie es sich wirklich anfühlt – und nicht nur erklären, dass es schön ist. Bewertungen und Inhalte unserer Gäste sind dafür extrem stark. Wenn Familien Videos posten oder in ihren Worten beschreiben, wie unkompliziert die Übergabe war und wie schnell man ‘drin’ ist, schafft das Vertrauen. Wir sehen außerdem eine große Schnittmenge mit Menschen, die Outdoor lieben – Wandern, Kultur, Camping. Viele suchen heute nach Erlebnissen statt nach Standardurlaub. Genau da passt das Produkt hervorragend.
Wirtschaftsforum: Welche Trends prägen Ihr Geschäft – und worauf setzen Sie in den kommenden Jahren?
Cheryl Brown: Covid hat gezeigt, wie stark das Bedürfnis nach Nähe, Natur und ‘Urlaub im eigenen Radius’ ist. Wir haben damals sehr aktiv Boote in Staycation-Regionen verlagert – auch nach Deutschland – und dadurch neue Zielgruppen gewonnen. Ein weiterer Trend ist für viele Menschen sehr praktisch: Sie möchten mit Hund reisen. Bei uns sind Haustiere willkommen; etwa 20% der Gäste bringen ihren Hund mit an Bord. Für die Zukunft investieren wir weiter in Produktinnovation: Liberty war als luxuriöses Zwei-Kabinen-Boot ein großer Erfolg; parallel arbeiten wir an Liberty 3 und 4. Und wir prüfen ein kleineres, hochwertiges Boot speziell für Paare – damit der Einstieg noch leichter wird. Nachhaltigkeit ist dabei ein Muss: Rein elektrisch macht erst Sinn, wenn die Infrastruktur flächendeckend vorhanden ist. Kurzfristig testen wir HVO-Kraftstoff in Frankreich und Irland, der die Emissionen im Vergleich zu Standarddiesel deutlich senken soll – um rund 90% nach unseren Angaben.
Mike Greenup: Und aus Business-Sicht ist wichtig: Wir messen konsequent Kundenzufriedenheit. Ein NPS von 58 ist in der Reisebranche stark – und er zeigt uns, dass das Erlebnis stimmt. Dazu kommt: Le Boat bringt jährlich über 100.000 Gäste aufs Wasser, 85% davon sind Neukunden – das ist ein klares Zeichen, dass das Produkt immer mehr Menschen erreicht.














