Mehr als ein Koffer: ein Statement

Interview mit Bernd Georgi, Geschäftsführer der Floyd GmbH

Floyd macht Reisen zum Ausdruck eines individuellen, weltoffenen Lebensgefühls. Mit bunten Koffern auf Skateboard-Rollen, cleveren Details und einem unverwechselbaren Lifestyle-Ansatz zeigt das Unternehmen, dass Reisen mehr sein kann als nur von A nach B zu kommen.

Vom Skateboard in die Welt

Die Wurzeln von Floyd reichen zurück bis ins Jahr 1996, als Bernd Georgi und Horst Kern mit der Star-Tags GmbH eine Produktionsagentur für Kopfbedeckungen und Gepäck gründeten. „Koffer fand ich persönlich immer spießig“, erinnert sich Bernd Georgi. „Ich habe immer Taschen getragen.“ Der Wendepunkt kam, als er einen von Star-Tags produzierten Koffer testete und sich fragte, warum alle Hersteller dieselben, wenig komfortablen Rollen verbauten. Die Inspiration lag für ihn auf der Hand – oder besser gesagt: unter den Füßen. Bernd Georgi und Horst Kern hatten sich als Kinder beim Skateboardfahren kennengelernt, in einer Zeit, als Polyurethanrollen das Skateboard revolutionierten. „Diese Rollen waren leiser, schneller und hatten Grip – warum also nicht bei Koffern?“ Die Idee war geboren: Koffer mit Skateboard-Rollen, die nicht nur funktional, sondern auch Ausdruck eines Lebensgefühls sein sollten.

Mehr als nur Gepäck – der ‘Floyd Spirit’

Von Beginn an setzte Floyd auf einen klaren Markenkern: Freude am Leben, Freude am Reisen, Gemeinschaftssinn, Weltoffenheit – und eine gesunde Portion Augenzwinkern. „Floyd ist kein Koffer, den man aus Statusgründen kauft“, betont Bernd Georgi. „Unsere Kunden sind aktiv, positiv und nicht arrogant. Sie kaufen ihn, weil er ihnen gefällt – und weil er anders ist.“ Dazu trägt nicht nur das Design bei, sondern auch durchdachte Details: Ein stabiler Aluminiumrahmen ersetzt den Reißverschluss, das Koffergehäuse gibt es in leuchtenden Farben, die Rollen sind austauschbar und lassen sich individuell gestalten. Hinzu kommen Aufkleber und Kooperationen mit Künstlern und Marken. Das Resultat: ein Koffer, der nicht nur Reisebegleiter, sondern oft auch Wohnaccessoire ist – manche Kunden stellen ihn bewusst in ihre Wohnung oder nutzen ihn als Sitzgelegenheit. Bemerkenswert ist auch die Community, die sich um die Marke gebildet hat. „Es ist mir vorher noch nie passiert, dass man sich am Flughafen grüßt, nur weil man denselben Koffer hat“, erzählt Bernd Georgi. „Aber bei Floyd passiert das regelmäßig.“

Wachstum mit Augenmaß

Heute vertreibt Floyd seine Produkte in Europa, Nordamerika und Asien – von Luxuskaufhäusern wie dem KaDeWe oder Breuninger in Deutschland bis hin zu Lane Crawford in Hongkong und Samaritaine in Paris. Der Exportanteil ist hoch, besonders stark sind die Märkte in Japan, Südkorea, Taiwan, Thailand und den USA. „In Amerika geben die Kunden oft schneller Geld aus, die Warenkörbe sind im Schnitt 30% größer als in Europa“, berichtet Georgi. Trotz eines Umsatzes von rund 10 Millionen EUR und einem jährlichen Wachstum von etwa 30% bleibt Floyd ein kleines Unternehmen mit unter zehn festangestellten Mitarbeitern. „Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen“, sagt Georgi. „Unser Wachstum finanzieren wir aus dem Cashflow. Das gibt uns die Freiheit, die Marke in unserem Tempo zu entwickeln.“ Statt aggressiver Massenwerbung setzt Floyd auf kreative Guerilla-Marketingaktionen – etwa die auffälligen Floyd-Fahrzeuge, die an Wochenenden in Münchens Maximilianstraße parken und mit ihren Koffern auf dem Dach neugierige Blicke anziehen.

Zukunft mit offenem Horizont

Auch wenn das Sortiment inzwischen Taschen und Baseballmützen umfasst, bleibt das Unternehmen vorerst im Reiseumfeld. Doch Bernd Georgi denkt weiter: „Ich kann mir vorstellen, dass der Floyd Spirit auch in andere Bereiche übertragen wird – Wohnen, Hotellerie, Sonnenbrillen, vielleicht sogar Musik.“ Erste Kooperationsanfragen aus der Möbelbranche gibt es bereits. Entscheidend ist für Georgi, dass jede Entwicklung zur Marke passt. „Wir sind offen für Partnerschaften mit den richtigen Marken, aber wir wollen uns nicht verbiegen.“ Das gilt auch für die unternehmerische Haltung: Floyd ist kein auf schnellen Exit getrimmtes Start-up, sondern ein Herzensprojekt. „Es macht Spaß, zu sehen, wie sich unser Baby entwickelt, und tolle Menschen kennenzulernen, die unsere Werte teilen.“ Ein Stück weit ist Floyd auch ein Familienunternehmen. Zwei von Georgis Kindern arbeiten oder arbeiteten bereits mit – seine Tochter im B2B-Geschäft, sein Sohn in den ersten Jahren als Content-Creator. „Das hätte ich nie geplant, aber es hat sich ergeben – und es ist schön zu sehen, dass die nächste Generation Spaß daran hat.“ Mit seinem unkonventionellen Ansatz, einem klaren Markenbild und einer gesunden Portion Lebensfreude hat die Floyd GmbH aus München gezeigt, dass auch in einem vermeintlich gesättigten Markt wie dem für Koffer noch Platz für Innovation und Emotion ist. Bernd Georgi bringt es auf den Punkt: „Mobilität hat mit Freiheit zu tun – und genau dieses Gefühl wollen wir mit Floyd in die Welt tragen.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Tiernahrung mit Qualitätsanspruch

Interview mit Beate Rank, Geschäftsführerin der F&F Pet Food GmbH

Tiernahrung mit Qualitätsanspruch

Die Tiernahrungsbranche ist von starkem Wettbewerb und einem anspruchsvollen Markt­umfeld geprägt. Mit eigener Produktion, kompromisslosem Qualitätsanspruch und einer klaren Premiumstrategie hat sich die F&F Pet Food GmbH erfolgreich im Markt…

Bauen mit Sicherheit und Nähe

Interview mit Kathleen Pfennigsdorf, Geschäftsführerin der AKOMA GmbH

Bauen mit Sicherheit und Nähe

Ein eigenes Haus bleibt für viele Menschen ein Lebenstraum. Doch steigende Baukosten, hohe Zinsen und komplexe Vorgaben erschweren den Weg ins Eigenheim. Die AKOMA GmbH aus Remchingen begleitet private Bauherren…

Datteln direkt vom Ursprung

Interview mit Semi Ouanes, Geschäftsführer der Ouanes Früchte GmbH

Datteln direkt vom Ursprung

Vor fast 30 Jahren begann die Geschichte der Ouanes Früchte GmbH mit einem Kleintransporter und einer mutigen Idee. Heute importiert das Familienunternehmen jährlich rund 2.000 t Datteln aus Tunesien, Palästina,…

Spannendes aus der Region München

Wert schaffen, wenn der Markt bremst

Interview mit Benjamin Johansson, Vorstand der GIEAG Immobilien AG

Wert schaffen, wenn der Markt bremst

Projektentwickler stehen seit Jahren unter Druck: Zinsen, Baukosten, geopolitische Unsicherheiten und ein deutlich vorsichtigerer Investmentmarkt haben die Spielregeln verändert. Für die GIEAG Immobilien AG ist diese Phase vor allem eines:…

Microliving als intelligente Antwort auf neue Wohnbedürfnisse

Interview mit Benjamin Oeckl, Geschäftsführer der BelForm GmbH & Co. KG

Microliving als intelligente Antwort auf neue Wohnbedürfnisse

Zwischen klassischer Mietwohnung und Hotel hat sich ein neuer Wohnmarkt etabliert. Die BelForm GmbH & Co. KG aus München gehört zu den Spezialisten für Microliving-, Serviced-Apartment- und Senior-Living-Konzepte und hat…

„Wir heben die Performance von ­ERP-Plattformen“

Interview mit Dipl.Wirt.Ing. Christoph Bartolome, Vorstand der bartolome röder AG

„Wir heben die Performance von ­ERP-Plattformen“

Viele Unternehmen stehen derzeit vor tiefgreifenden Prozessveränderungen, insbesondere auch in ihrem ERP-Umfeld. Auf Basis ihres gewachsenen Prozess-Know-how und ihrer versierten Architekturkompetenz, gepaart mit ihrem tiefen interkulturellen Verständnis, begleitet die bartolome…

Das könnte Sie auch interessieren

„Bei uns sitzen echte Menschen am Telefon!“

Interview mit Florian Neidig, Geschäftsführer der HACH GmbH & Co. KG

„Bei uns sitzen echte Menschen am Telefon!“

Werbeartikel sind weit mehr als Kugelschreiber und Kalender – sie sind Markenbotschafter, Kundenbinder und oft der erste greifbare Eindruck eines Unternehmens. Zwischen digitalem Wandel, wachsendem Wettbewerbsdruck und steigenden Ansprüchen behauptet…

Handwerk als strategischer Vorteil

Interview mit Matthias Fischer, Geschäftsführer der Fischer Markenschuh GmbH

Handwerk als strategischer Vorteil

Wenn Konsumsegmente unter globalem Preisdruck schwanken, zeigt ein Produkt besondere Stabilität: der Hausschuh. Während in vielen Sparten schnelle Trends dominieren oder Billigware den Markt flutet, behaupten sich Anbieter wie die…

Bereit für atemberaubende Reisen

Interview mit Sandra Tüter, Geschäftsführeri der SOMA Caravaning Center Bremen GmbH

Bereit für atemberaubende Reisen

Das SOMA Caravaning Center Bremen hat sich in den letzten Jahren vom reinen Händler von Campern und Reisemobilen zum ganzheitlichen Partner seiner Kunden weiterentwickelt und bietet in diesem Zuge inzwischen…

TOP