COMSOL: Vom Start-up zum Multiphysik-Marktführer

Interview mit Dr. Thorsten Koch, Geschäftsführer der Comsol Multiphysics GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Koch, Comsol Multiphysics feiert im nächsten Jahr sein 25-jähriges Bestehen in Deutschland. Wie hat sich das Unternehmen in all den Jahren entwickelt?

Dr. Thorsten Koch: COMSOL wurde 1986 in Schweden gegründet und ist seitdem stetig gewachsen. Im Jahr 2000 eröffneten wir unsere Niederlassung. Seitdem sind wir in diesem spannenden Simulationsmarkt fest etabliert. Wir haben uns kontinuierlich weiterentwickelt und unser Produktportfolio erweitert. Heute sind wir weltweit mit über 500 Mitarbeitern vertreten und können auf 25 erfolgreiche Jahre in Deutschland zurückblicken.

Wirtschaftsforum: Und was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Meilensteine, die COMSOL zu dem gemacht haben, was es heute ist?

Dr. Thorsten Koch: Ein ganz wesentlicher Punkt ist sicherlich unser Fokus auf die Multiphysik-Simulation. Von Anfang an war es unser Ziel, Ingenieuren und Wissenschaftlern eine Plattform an die Hand zu geben, mit der sie alle relevanten physikalischen Prozesse in ihre Modelle integrieren können. Das unterscheidet uns wesentlich von vielen Wettbewerbern, die sich oft auf Einzeldisziplinen beschränken. Zudem haben wir in den letzten Jahren die Möglichkeit geschaffen, unsere Simulationstools in Form von Apps einem breiteren Nutzerkreis zugänglich zu machen – das ist ein weiterer wichtiger Meilenstein auf unserem Weg.

Wirtschaftsforum: Was sind die Kernkompetenzen und Besonderheiten Ihrer Simulationssoftware?

Dr. Thorsten Koch: Der Schlüssel zu unserem Erfolg ist unser ganzheitlicher, multiphysikalischer Ansatz. Unsere Software ermöglicht es, sämtliche relevanten physikalischen Prozesse und Phänomene in einem Modell zu berücksichtigen. Das ist einzigartig am Markt und erlaubt unseren Kunden, komplexe Fragestellungen umfassend zu simulieren. Darüber hinaus haben wir große Fortschritte bei der Benutzerfreundlichkeit und Integration unserer Lösungen gemacht, etwa durch die Einführung unserer Simulations-Apps.

Wirtschaftsforum: Wie haben sich die jüngsten Krisen wie die Coronapandemie und der Ukrainekrieg auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Dr. Thorsten Koch: Dank unseres breit diversifizierten Kundenportfolios sind wir sehr krisenresistent. Während in manchen Bereichen die Nachfrage vorübergehend zurückging, konnten wir in anderen Segmenten wie der Digitalisierung und Automatisierung deutlich zulegen. Insgesamt hat sich unser Geschäft in dieser turbulenten Phase als sehr stabil erwiesen. Unsere Kunden schätzten es, dass sie auch im Homeoffice mit unserer Software weiterarbeiten konnten.

Wirtschaftsforum: Welche Innovationen haben Sie in den letzten Jahren auf den Markt gebracht?

Dr. Thorsten Koch: Eine erfolgreiche Innovation war die Einführung des Application Builders, mit dem unsere Anwender die Nutzung ihrer Modelle extrem vereinfachen und Simulation für viel breitere Zielgruppen möglich machen. Und mit der Einführung von Ersatzmodellen auf Basis von KI-Technologien können COMSOL-Anwender Simulationen praktisch in Echtzeit durchführen, was die Technologie noch praxistauglicher macht.

Wirtschaftsforum: Wie begegnen Sie dem akuten Fachkräftemangel in Ihrem Unternehmen?

Dr. Thorsten Koch: Der Fachkräftemangel ist in der Tat eine große Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Zum einen optimieren wir unsere internen Prozesse, um effizienter zu werden und den Personalbedarf zu reduzieren. Zum anderen suchen wir geduldig und gezielt nach geeigneten Talenten, auch wenn der Markt angespannt ist. Bei uns herrscht ein sehr freundliches und offenes Arbeitsklima, wo man sich füreinander einsetzt. Diese positive Atmosphäre wurzelt in unseren Werten Ehrlichkeit und Bescheidenheit: Wir sind transparent in unseren Entscheidungen und Handlungen und stellen nicht uns selbst in den Vordergrund, sondern die erstaunlichen Leistungen unserer Anwender, die mit unser Software Großes vollbringen. Das alles hilft uns dabei, qualifizierte Mitarbeiter für uns zu begeistern und langfristig an uns zu binden.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie COMSOL in fünf oder zehn Jahren? Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Dr. Thorsten Koch: Unser Ziel ist es, unsere Marktführerschaft im Bereich der multiphysikalischen Simulation weiter auszubauen. Wir wollen unsere Technologie in immer mehr Branchen und Anwendungsfeldern etablieren und noch mehr Ingenieure und Forscher von unseren Lösungen überzeugen. Dazu werden wir unsere Produktentwicklung weiter vorantreiben und unseren Kundenservice kontinuierlich verbessern. Auch die Ausweitung unserer internationalen Präsenz ist ein wichtiger strategischer Schwerpunkt für uns.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an, für Comsol zu arbeiten?

Dr. Thorsten Koch: Es ist vor allem die faszinierende Materie selbst, die mich jeden Tag aufs Neue begeistert. Aber auch das engagierte Team, mit dem ich zusammenarbeiten darf, ist eine enorme Quelle der Motivation. In all den Jahren, seit ich bei Comsol bin, gab es keinen einzigen langweiligen Tag – es gibt immer etwas Neues zu lernen und etwas, wofür ich mich begeistern kann.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Ein Modell mit Biss

Interview mit Hakan Gürer, Geschäftsführer der Dentaltrade GmbH

Ein Modell mit Biss

Bezahlbarer Zahnersatz, digitale Prozesse und ein Markt im Umbruch: Kaum eine Branche steht aktuell so stark unter Veränderungsdruck wie die Dentaltechnik. Die Dentaltrade GmbH mit Sitz in Bremen und internationaler…

„Digitalisierung ermöglicht noch mehr Kundennähe!“

Interview mit Bennet Friedrich, Leiter Geschäftsentwicklung der Hecon Abrechnungssysteme GmbH

„Digitalisierung ermöglicht noch mehr Kundennähe!“

Wenn bald wieder die Heizkostenabrechnungen ins Haus flattern, hat Hecon Hochkonjunktur: Denn für zehntausende Wohnimmobilien im Südwesten Deutschlands erstellt das gewachsene Familienunternehmen die Jahresendabrechnungen sowie die inzwischen vielfach vorgeschriebenen unterjährigen…

ISM 2026: Neue Formate als Innovationstreiber der Süßwarenbranche

Interview mit Oliver Frese, COO der Koelnmesse GmbH

ISM 2026: Neue Formate als Innovationstreiber der Süßwarenbranche

Die ISM 2026 setzt neue Akzente für die internationale Süßwaren- und Snackbranche. Mit der Einführung der ISM Ingredients und dem Ausbau der Markenfamilie rückt die gesamte Wertschöpfungskette stärker in den…

Spannendes aus der Region Landkreis Göttingen

Das Glas ist halb voll

Interview mit Jan Rettberg, Geschäftsführer Gebr. Rettberg GmbH

Das Glas ist halb voll

Erlenmeyerkolben, Reagenzgläser, Messzylinder – klassische Laborglasgeräte, die den meisten aus dem Chemieunterricht bekannt sein dürften. Die Gebr. Rettberg GmbH aus Göttingen stellt diese bewährten Klassiker und viele andere Glasgeräte, die…

Feuerwehr im Herzen,  Innovation im Einsatz

Interview mit Ernst Müller, Geschäftsführer der MURER-Feuerschutz GmbH

Feuerwehr im Herzen, Innovation im Einsatz

Feuerwehren sind unverzichtbar – egal ob bei Hochwasser, Waldbrand oder Verkehrsunfall. Damit sie ihre Arbeit sicher und effektiv leisten können, brauchen sie verlässliche Ausrüstung und kompetenten Service. Genau dafür sorgt…

„Verlässlichkeit ist unsere DNA!“

Interview mit Dr. -Ing. Marco Krist, Geschäftsführer der TECTRON WORBIS GmbH

„Verlässlichkeit ist unsere DNA!“

Was den Kunden wichtig ist, weiß Geschäftsführer Dr. -Ing. Marco Krist genau – und handelt danach. Bei der TECTRON WORBIS GmbH steht der Kunde mit seinen Anliegen im Mittelpunkt –…

Das könnte Sie auch interessieren

Digital denken, menschlich handeln

Interview mit Jaap Merkus, CEO der NetRom Software B.V.

Digital denken, menschlich handeln

Softwareentwicklung ist längst zum Rückgrat moderner Wirtschaft geworden – und doch braucht es für echte Qualität mehr als nur Code. Es braucht Menschen, die verstehen, zuhören und mitdenken. Einer, der…

Die Architektur intelligenter Archivierung

Interview mit Dr. Thomas Scholtis, CFO der KGS Software GmbH

Die Architektur intelligenter Archivierung

Archivierung scheint unsichtbar – ist aber geschäftskritisch. Ohne sichere Datenbasis scheitern Cloud-Migration, KI-Anwendungen oder S/4HANA-Projekte. Die KGS Software GmbH in Neu-Isenburg hat daraus ein technologisches Erfolgsmodell entwickelt und sich vom…

„Wir wollen es dem Entwickler so  einfach wie möglich machen!“

Interview mit Roland Appel, Manager Technical Marketing und Tim Möbus, Key Account Manager der Embarcadero Germany GmbH

„Wir wollen es dem Entwickler so einfach wie möglich machen!“

Auch Softwareentwickler benötigen eine Software, auf deren Basis sie die Anwendungen ihrer Wahl programmieren können: Genau diese Werkzeuge stellt ihnen Embarcadero bereit, damit sie ausgehend von einer einzigen Codebase eine…

TOP