„Unsere Kunden leiten Billionen über den Globus“
Interview mit Dr. Daniel Schmidt, Geschäftsführer der CEPRES GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Schmidt, mit CEPRES wollen Sie im vielfach undurchsichtigen Private Markets-Segment trotz aller Komplexität für Klarheit sorgen. Wo liegt darin die Relevanz für den Finanzmarkt als Ganzes?
Dr. Daniel Schmidt: Jahrzehntelang waren die internationalen Kapitalanlagemärkte von börsennotierten Unternehmen dominiert. Seit den 1980er-Jahren in den USA beziehungsweise etwa ab der Jahrtausendwende in Europa wuchs jedoch die Bedeutung nicht börsengehandelter Unternehmen sowie von Investitionen in Infrastrukturprojekte stetig, insbesondere für große Kapitalanlagegesellschaften, Pensionskassen, Versicherungen, Banken und inzwischen auch staatliche Programme wie Sovereign Wealth Funds.
Vor einigen Jahrzehnten investierten größere institutionelle Anleger vielfach nur opportunistisch im einstelligen Prozentbereich in entsprechende Anlageklassen. Heute liegen viele institutionelle Anleger eher bei einer Größenordnung von 30 bis 40% ihres Portfolios, andere Marktteilnehmer noch deutlich darüber.
Wirtschaftsforum: Worin liegt dabei die zentrale Herausforderung?
Dr. Daniel Schmidt: Weil Private Market-Unternehmen schon definitionsgemäß nicht börsennotiert sind, unterliegen sie auch keinen derart rigiden Veröffentlichungspflichten. Die Umsätze, die Wertgenerierung und die operativen Daten dieser insgesamt rund 400 Millionen Assets bleiben somit vergleichsweise intransparent. Das ist ein enormer Hemmschuh, nicht nur für institutionelle Anleger, die für ein sinnvolles Assetmanagement ein detailliertes Verständnis dieser Unternehmen benötigen, sondern auch für staatliche Akteure, die Kapital in Billionenhöhe in Private Market-Vermögenswerte investieren und Klarheit darüber brauchen, ob sie durch ihre Investitionstätigkeit im Zweifel geopolitische Abhängigkeiten befördern, die nicht in ihrem Interesse liegen.
Wirtschaftsforum: An dieser Stelle kommt CEPRES ins Spiel?
Dr. Daniel Schmidt: Wenn man billionenschwere Summen an Kapital durch die Welt leitet, muss man die Finanzströme und Anlageklassen im Detail verstehen können. Genau diese Lücke haben wir geschlossen. Inzwischen haben wir mit tausenden von Fondsmanagern Verträge geschlossen über den Bezug von Daten zu über 36.000 Fonds, in einer Granularität, die in keinem Reporting erscheint. Dabei zeichnet sich unser Netzwerk insbesondere durch seine hohe Rechts- und Datensicherheit aus. Nur so konnten wir das Vertrauen gewinnen, diese tiefergehenden Daten auch Investoren zur Verfügung zu stellen, die auf dieser Basis guten Gewissens Kapital bereitstellen können. Auf Grundlage dieser Daten bieten wir unseren Kunden verschiedene weiterführende, oftmals AI-basierte Technologiesysteme an, etwa Datenanalyseverfahren zur Due Diligence in der Pre-Investment-Phase oder Monitoring-Lösungen, mit denen wir Investoren über den gesamten Asset-Lifecycle hinweg unterstützen können.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei inzwischen auch die künstliche Intelligenz?
Dr. Daniel Schmidt: Sie ist für uns sicherlich ein Gamechanger, an dem wir mit unserem neuen Consulting-Produkt AI Insights bereits unsere Kunden teilhaben lassen. Doch am Ende des Tages ist die KI nur so schlau wie die Datengrundlage, auf der sie aufbauen kann. Das beginnt schon mit der richtigen Master-ID. Bevor ein Unternehmen wie jüngst etwa SpaceX an die Börse geht, verbringt es viele Jahre in den Private Markets, wo es Kapital von Venture Capital Fonds oder anderen Quellen anzieht. Diese gesamte Entwicklung eines Unternehmens kann CEPRES lückenlos verfolgen und dabei feststellen, wer bis zum IPO an der Wertgenerierung partizipiert hat. Gleichzeitig tauschen wir uns im Rahmen der Datengenerierung täglich mit den Fondsmanagern aus, um die Vollständigkeit und eine hinreichende Granularität des Datenbestands sicherzustellen. Im Zweifel kann die Datenquelle dann von uns entdeckte Fehler korrigieren, während sich der Datenempfänger auf ein sauberes Datenset verlassen kann.
Wirtschaftsforum: Eine Transparenz, von der auch staatliche Kapitalgeber und Wirtschaftswissenschaftler profitieren können.
Dr. Daniel Schmidt: So ist CEPRES überhaupt erst entstanden. Die ursprüngliche Idee kam auf, als ich 2001 im Rahmen meiner Doktorarbeit ökonometrische Analysen zu Private Equity-Märkten anstellen wollte und Mühe hatte, an die entsprechenden Daten zu kommen. Wir sind also eigentlich als Research-Institut gestartet. Die ökonometrischen Modelle, die in diesem Zuge entstanden sind, bilden auch heute noch die Basis einiger Softwareprodukte, die wir anbieten, wenn auch inzwischen in stark erweiterter Form. So erstellen wir mithilfe unserer Predictive Intelligence etwa Forecasts, die Anwender bei der Portfolioplanung unterstützen. Gleichzeitig stellen wir nicht nur Daten zu den individuellen, idiosynkratischen Entwicklungen von Unternehmen oder Fonds, sondern auch Marktdaten zur Verfügung. Auch wenn wir uns schon seit über 20 Jahren mit tiefgreifenden ökonometrischen Zusammenhängen und Korrelationen beschäftigen, können wir durch unsere heutigen KI-basierten Auswertungsmöglichkeiten natürlich noch deutlich tiefer in die Materie vordringen.
Wirtschaftsforum: CEPRES ist eines von wenigen deutschen Unternehmen, denen es gelungen ist, in einem daten- und softwarebasierten Geschäftsfeld die internationale Technologieführerschaft zu erringen, die sonst meist amerikanischen Marktteilnehmern vorbehalten bleibt.
Dr. Daniel Schmidt: Wir haben früh die wachsende Nachfrage nach Private Market-Assets erkannt, lange bevor der entsprechende Datenbedarf tatsächlich in dieser Breite bestand. So konnten wir früh auf diesem Weg vorangehen. Nun entwickeln wir uns zugleich zu einem KI-Unternehmen weiter, um unsere Marktführerschaft auch künftig zu sichern.










