Architektur im Wandel
Interview mit Stefan Vogl, geschäftsführender Gesellschafter der bharchitektengesellschaft mbH

Seit mehr als drei Jahrzehnten konzentriert sich bharchitekten vor allem auf öffentliche Auftraggeber. Schulen und Sporthallen gehören ebenso zum Portfolio wie Rathäuser, Gebäude für Polizei und Feuerwehr, Wertstoffhöfe oder Projekte für die Deutsche Bahn. Gerade hier zeigt sich, wie stark sich die Rahmenbedingungen verändert haben.
Vom Architekturbüro zum Generalplaner
„Früher wurde für die Architektenarbeit der Architekt beauftragt, für das Tragwerk der Tragwerksplaner“, sagt Stefan Vogl. Heute bündelt die öffentliche Hand immer häufiger sämtliche Planungsdisziplinen in einem Auftrag. Teilweise werden sogar Planung, Realisierung und Bau gemeinsam ausgeschrieben. Für Stefan Vogl ist das ein „Paradigmenwandel“.
bharchitekten übernimmt deshalb zunehmend Verantwortung als Generalplaner und arbeitet auch mit Generalübernehmern. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck: Wo früher 15 oder 20 Mitbewerber üblich waren, sind heute 50 keine Seltenheit. Umso wichtiger wird die langjährige Erfahrung mit öffentlichen Projekten. „Es gibt viele Dinge, die machen wir einfach automatisch, weil wir wissen, dass sie notwendig sind.“
Nachhaltigkeit von Anfang an
Wie dieser Anspruch in der Praxis aussieht, zeigt eine Grundschule in Gersthofen. Statt den Bestand abzureißen, entwickelte das Team eine dritte Lösung: Die alte Schule bleibt erhalten und soll künftig anders genutzt werden, daneben entsteht ein neues, energieoptimiertes Gebäude. „Wir reißen es nicht einfach ab und tun so, als könnten wir das alles heutzutage besser“, sagt Stefan Vogl. So bleibt die im Bestand gebundene graue Energie erhalten. Auch bei einem Schulprojekt in Lübeck steht die Öffnung zum Quartier im Mittelpunkt.
Nachhaltigkeit wird dabei von Beginn an mitgedacht. Holz- und Holzhybridbau, wiederverwendbare Materialien und ein möglicher späterer Rückbau gehören inzwischen zum Planungsalltag. Auch das eigene Büro nimmt sich in die Pflicht und ist EMAS-zertifiziert. Bei der Gebäudetechnik setzt bharchitekten bewusst auf Low Tech: „Jede Technik, die es nicht gibt, muss man nicht warten und kostet nichts.“ Konzepte wie Nachtauskühlung können helfen, Gebäude ohne aufwendige Klimatisierung komfortabel zu halten.
Wissen sichern, Zukunft gestalten
Auch Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern die Arbeit. KI übernimmt bereits Recherche- und Routineaufgaben und soll künftig stärker in die Prozesse integriert werden. „Wir wollen die KI für uns arbeiten lassen und nicht andersrum“, formuliert Stefan Vogl den Anspruch.
Strategisch will bharchitekten seine Rolle als Generalplaner weiter ausbauen und zugleich die personelle Kontinuität sichern. Denn das Wissen steckt für Stefan Vogl nicht nur in der Geschäftsführung, sondern vor allem in den Köpfen der Mitarbeitenden. Was ihn persönlich antreibt, bringt er auf einen Satz: „Der Wille, aktiv mitzugestalten.“ Architektur sei dabei immer Teamleistung – und genau diese Haltung soll auch die nächsten Generationen im Unternehmen prägen.









