„Wir machen Erholung zugänglicher“

Interview mit Riccardo Turri, CEO der Starpool s.r.l.

Wirtschaftsforum: Herr Turri, Starpool wurde bereits 1975 gegründet. Wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt?

Riccardo Turri: Starpool entstand ursprünglich mit dem Ziel, Saunen und vorgefertigte Schwimmbäder aus Deutschland zu importieren und Hotels in den Dolomiten zu bedienen. Unsere Region ist stark vom Tourismus geprägt. Interessant ist, dass im Statut von Anfang an stand, Starpool beschäftige sich mit der harmonischen Entwicklung des Körpers. Heute würde man den Geist ergänzen – für 1975 war das vorausschauend. Ein wichtiger Schritt kam über Beauty, Kosmetik und ästhetische Behandlungen. Dadurch entstand ein neuer Gedanke: nicht nur eine Sauna zu verkaufen, sondern einen Nutzen, ein Protokoll, eine Behandlung. Später haben wir außerdem Saunen und Dampfbäder sowie Wärme- und Wasseranwendungen produziert – im Grunde eine moderne Interpretation der römischen Thermen.

Wirtschaftsforum: Sie führen das Unternehmen seit 2002. Was hat sich seitdem verändert?

Riccardo Turri: Das Unternehmen hat sich seitdem vielleicht fünf- oder sechsmal verändert. Wellness war früher etwas, das nicht jeder wollte. Dann wurde sie gerade im Hotelbereich zu einem Muss. Wir haben den Prozess stärker industrialisiert, den Kern jedoch beibehalten: Starpool widmet sich dem Wohlbefinden von Menschen. Wir tun das über Projekte, Produkte und klare Nutzungsprotokolle.

Wirtschaftsforum: Wer sind heute Ihre wichtigsten Zielgruppen?

Riccardo Turri: Der Hauptfokus bleibt die Hospitality, also Hotels. Daneben wachsen Private Wellness, Corporate Wellness, Profisport, Fitness und Präventionsmedizin. Teilweise verwenden wir dieselben Produkte, aber mit völlig unterschiedlichen Protokollen. Ein Hotel braucht eine andere Logik als ein Unternehmen, ein Sportclub eine andere als ein privater Nutzer zu Hause.

Wirtschaftsforum: Können Sie ein Beispiel nennen?

Riccardo Turri: Eines unserer bekanntesten Produkte ist Zerobody Dry Float. Es reproduziert die Floating-Therapie, ohne dass der Nutzer mit Wasser in Berührung kommt. Man liegt trocken, erlebt aber den Effekt des Schwebens. Das Produkt wird in Hotels, im Profisport, in Unternehmen, zu Hause und auch im Kontext präventiver Medizin eingesetzt. In Unternehmen haben wir daraus das Format Recharge Room entwickelt: einen Raum für die psychophysische Regeneration der Mitarbeiter, nutzbar für zehn Minuten, fast wie eine Kaffeepause.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Regeneration und Prävention in Ihren Anwendungen?

Riccardo Turri: Im professionellen Sport geht es heute nicht mehr nur um Training, sondern sehr stark um Erholung. Deshalb kombinieren wir Zerobody Dry Float zum Beispiel mit Kryotherapie, Infrarot oder finnischer Sauna und entwickeln daraus Protokolle für Regeneration, Entlastungstage oder die Vorbereitung auf das Training. Dieser Ansatz lässt sich auch auf den privaten Markt übertragen. Für uns wird das Zuhause zunehmend zu einem Trainingsraum für Wohlbefinden: nicht nur Relaxen, sondern regelmäßig etwas für Gesundheit, Balance und Prävention tun.

Wirtschaftsforum: Wie haben die Krisen der vergangenen Jahre Ihr Unternehmen beeinflusst?

Riccardo Turri: Wir haben Chancen und Herausforderungen erlebt. Die größte Chance der Pandemie war, dass das Wohlbefinden der Person zu einem zen­tralen Lebensthema geworden ist. Menschen wollen besser leben. Longevity ist heute ein sehr präsenter Begriff, manchmal etwas zu stark vom Marketing geprägt. Für uns bedeutet Longevity: die Jahre, die man hat, besser zu leben. Seit der Pandemie haben wir eine interne wissenschaftliche Forschungsabteilung aufgebaut, die den Nutzen unserer Produkte validieren soll.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei Starpool?

Riccardo Turri: Für mich beginnt Nachhaltigkeit damit, nur etwas zu verkaufen, das der Kunde wirklich braucht und nutzen wird. Natürlich beschäftigen wir uns auch mit klassischen Themen. Unsere Produkte verbrauchen Strom; deshalb haben wir seit 2018 Software entwickelt, die den Stromverbrauch bei gleicher Leistung um 20% reduziert. Außerdem achten wir beim Holz auf regionale Beschaffung.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne verfolgen Sie für die Zukunft?

Riccardo Turri: Wir wollen Wohlbefinden ernsthafter, bewusster und zugänglicher machen. Es geht nicht darum, einfach Produkte zu addieren, sondern sinnvolle Systeme mit klarem Nutzen zu schaffen. Die Frage lautet immer, welches Ziel der Nutzer erreichen soll, in welchem Umfeld er sich bewegt und welches Protokoll dafür wirklich sinnvoll ist. Unser Ursprung war die harmonische Entwicklung von Körper und Geist. Genau daran arbeiten wir weiter – heute mit mehr Technologie, mehr Forschung, mehr wissenschaftlicher Validierung und einem breiteren Verständnis von Wellness, das Prävention, Regeneration und Lebensqualität stärker miteinander verbindet.

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