MORE THAN TECHNOLOGY
Interview mit Christopher Lauken, Head of Marketing and Sales der CAME Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Lauken, CAME steht für Lösungen, die das Leben komfortabler und sicherer machen. Torantriebe, Park- und Pollersysteme, Schranken und Zugangskontrollsysteme sind Inbegriff für technologische Exzellenz. Wie sahen die wichtigsten Entwicklungsschritte des Unternehmens bis heute aus?
Christopher Lauken: CAME wurde 1972 in Treviso von
Paolo Menuzzo gegründet, einem visionären Unternehmer, der elektrische Torantriebe für jeden erschwinglich machen wollte. Mit „Frog“ entwickelte er den ersten Unterflurantrieb, eine Innovation, die zum Synonym für Unterflursysteme wurde. Die innovative Lösung wurde vielfach kopiert und legte den Grundstein für die weltweite Expansion durch die Gründung eigener Niederlassungen und die Übernahme spezialisierter Unternehmen.
Heute ergänzt die Unternehmensgruppe ihre Kompetenzen durch internationale Standorte und Akquisitionen: So fertigt ein türkisches Tochterunternehmen Drehkreuze und Vereinzelungsanlagen, während mit der Übernahme eines Herstellers in Barcelona das Portfolio um Parksysteme erweitert wurde. Die CAME Deutschland GmbH war ursprünglich als Distributionsgesellschaft tätig und ist seit 2012 eine 100%ige Tochtergesellschaft der CAME SpA.
Wirtschaftsforum: Wie lässt sich die internationale Expansion in Zahlen ausdrücken?
Christopher Lauken: Die Gruppe ist heute in 118 Ländern der Welt vertreten, in Europa, aber auch in den USA und den Arabischen Emiraten. Es gibt zehn Produktionsstandorte und vier Zentren für Forschung und Entwicklung. Mit 2.500 Mitarbeitenden erzielen wir einen Umsatz von 400 Millionen EUR.
Wirtschaftsforum: Wie hat sich diese Dynamik auf das Portfolio ausgewirkt?
Christopher Lauken: Das Portfolio wurde kontinuierlich erweitert, unter anderem durch Eigenentwicklungen wie automatisierte Schrankenanlagen, ein Bereich, in dem CAME heute der weltweit größte Hersteller ist. Auch die Vertriebsstrategie hat sich mit dem Wachstum verändert. CAME begann als reiner Hersteller von Automatisierungslösungen für Tore, das heißt, wir waren Zulieferer von Komponenten. Heute sind unsere Produkte für den Endkunden sichtbar. Im Marketing nutzen wir deshalb unterschiedlichste Kanäle, klassische Printmedien wie Fachmagazine, Kataloge und Broschüren, aber auch soziale Formate, die von unserem eigenen Mitarbeiterteam mit Content bespielt werden. Wir investieren in SEO- und SEA-Marketing, um unsere Sichtbarkeit im Markt kontinuierlich zu erhöhen. Auf Fachmessen präsentieren wir Produktneuheiten und Innovationen, während unsere eigene Academy Schulungen und Trainings für Kunden und Partner anbietet. So vermitteln wir nicht nur Know-how, sondern stärken zugleich die Bekanntheit unserer Marke.
Wirtschaftsforum: CAME steht für technologisch anspruchsvolle Produkte und Lösungen. Der Unternehmensclaim lautet jedoch „More than technology“. Warum?
Christopher Lauken: CAME ist einerseits ein weltweit agierender Technologiekonzern, andererseits bis heute ein Familienunternehmen, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Letztlich sind es nicht Maschinen oder Gebäude, die ein Unternehmen ausmachen, sondern die Menschen, die darin arbeiten. Das zeigt sich auch an unserem neuen Standort in Kempen am Niederrhein. Das Gebäude ist mit State-of-the-Art-Technik ausgestattet, erhält seinen eigentlichen Wert jedoch durch die Menschen, die dort arbeiten und ihr Wissen einbringen. Genau das verstehen wir unter „More than technology“.
Wirtschaftsforum: CAME ist weltweit aktiv. Wo erfolgt die Produktion?
Christopher Lauken: Wir verlassen uns auf eigene Produktionskapazitäten. Im vergangenen Jahr haben wir in Treviso ein neues Werk eröffnet, in dem wir Leiterplatten in Eigenregie bestücken. Zwar ließe sich dieser Produktionsschritt in Asien kostengünstiger realisieren, wir haben uns jedoch bewusst für den Standort Europa entschieden, weil die vergangenen Jahre gezeigt haben, wie anfällig globale Lieferketten sein können. Mit einer hohen Fertigungstiefe sowie eigener Entwicklung und Produktion stärken wir unsere Unabhängigkeit und bekennen uns klar zu Qualität, Innovationskraft und dem Wirtschaftsstandort Europa.
Wirtschaftsforum: Wer zählt zu Ihren Kunden?
Christopher Lauken: Wir erzielen rund 90% unseres Umsatzes im B2B-Geschäft und vermarkten unsere Produkte primär über Installateure, Händler oder Torhersteller.
Wirtschaftsforum: Welche Philosophie steht hinter den Produkten?
Christopher Lauken: Unser Ziel ist es, das Leben der Menschen mit unseren Produkten zu vereinfachen. Eine Zutrittskontrolle über ein Handy ist beispielsweise deutlich komfortabler als über einen Schlüssel. Im Idealfall sind unsere Produkte nützlich, fallen aber nicht auf.
Wirtschaftsforum: Gibt es bestimmte Projekte oder Ziele für die Zukunft?
Christopher Lauken: In Deutschland werden wir die Fertigstellung unseres neuen Standorts weiter vorantreiben. Herzstück wird ein Showroom sein, der als interaktiver Erlebnisraum für Kunden und Partner konzipiert ist. Ein vergleichbares Konzept planen wir in Österreich. Insgesamt bleibt unser Kurs klar auf Wachstum ausgerichtet.












