Wo Zukunft Anschluss findet

Interview mit Florence Fischer, Geschäftsführerin der GPG Glasfaser Projekt GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Fischer, Sie spielen als Generalunternehmen eine Schlüsselrolle im Glasfaserausbau. Wie fing bei GPG alles an?

Florence Fischer: Das Unternehmen wurde 2019 von Wolfgang Ruh gegründet. Herr Ruh hatte bereits 40 Jahre Erfahrung in der Telekommunikationsbranche und wollte mit dem Glasfaserausbau ein neues Kapitel nach seiner Rente aufschlagen. Die ersten Projekte konzentrierten sich auf den Ausbau von Industriegebieten im Auftrag der Vodafone. Diese Gebiete waren über Deutschland verteilt. Das heißt, wenig Hausanschlüsse, viel Strecke und besondere Anforderungen. 2020 war das erste Projekt für den flächendeckenden Glasfaserausbau: Die erste Gemeinde wurde komplett ausgebaut und alle Haushalte mit Vertrag angeschlossen. Armin Störmer kam als zweiter Geschäftsführer ins Haus und führt heute mit mir die Geschäfte. 

Wirtschaftsforum: Wo sind Ihre regionalen Schwerpunkte beim Glasfaserausbau?

Florence Fischer: Wir bauen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern Glasfasernetze (FTTH) und betreiben heute den Hauptsitz in Duisburg sowie zwei Niederlassungen in Baden-Württemberg. Im letzten Jahr ist eine Niederlassung in Hamm hinzugekommen. Wir gründen Niederlassungen immer dort, wo wir aktuelle Projekte haben, damit wir die Arbeiten vor Ort besser steuern können, vor allem mit Blick auf die Materialwirtschaft. Materialdisposition und Qualitätssicherung sind unsere wichtigsten Aufgaben. Als Generalunternehmen sind wir das Bindeglied zwischen Netzbetreibern beziehungsweise öffentlichen Auftraggebern und den spezialisierten Bauunternehmen, die die Arbeiten vor Ort für uns ausführen.

Wirtschaftsforum: Bei Ihnen stehen großflächige Projekte im Vordergrund. Mit wem kooperieren Sie?

Florence Fischer: Unsere Kunden sind die Netzbetreiber. Das sind zum Großteil die großen Energieversorger, die auch Glasfasersparten haben, also NetCom BW als Tochter von EnBW in Baden-Württemberg, mit denen wir intensiv zusammenarbeiten. Oder die Westnetz in Nordrhein-Westfalen. Aus der Historie heraus hatten wir viele Projekte mit der BBV Deutschland. So haben wir auch mit dem flächendeckenden Ausbau angefangen. Man merkt insgesamt, dass der Glasfaserausbau bei den Energieversorgern eine Rolle spielt, weil sie die Trasse ohnehin schon oft öffnen. Der privatwirtschaftliche Ausbau hingegen ist in den letzten Jahren etwas ins Stocken geraten, was mit der Zinswende zusammenhängt.

Wirtschaftsforum: Wie treten Sie an Ihre Kunden heran?

Florence Fischer: Nach wie vor sind Messen für uns interessant, denn dort kommen wir mit den Firmen in Kontakt, für die wir arbeiten. Ein weiterer Faktor ist Qualität. Gerade deshalb bitten uns Firmen um ein Angebot. Das gute Netzwerk unserer Eigentümer und der Geschäftsführung öffnet immer wieder Türen für den Vertrieb in die Energiewirtschaft und Telekommunikationsbetreiber.

Wirtschaftsforum: Was sehen Sie als größte Erfolgsfaktoren?

Florence Fischer: Hohe Qualität, Budgettreue und eine hochwertige Dokumentation sind unsere Erfolgsfaktoren. Gerade die Dokumentation ist ein häufig vernachlässigter Punkt. Als ich in der Branche begann, war das noch anders. Da gab es das fertig gebaute Netz und hinterher fiel auf, dass keine Dokumentation vorlag, was einem spätestens bei der Aktivierung oder Nachverdichtung, bei all den Themen, die jetzt auch gerade relevant sind oder werden, auf die Füße fiel. Das haben wir immer schon anders gemacht und einen starken Fokus auf Dokumentation gelegt. So konnten wir unsere Projekte gut steuern, schnell abschließen und das nächste Projekt anfangen. Daneben ist es unsere Zuverlässigkeit, die wir auch deshalb gewährleisten können, weil wir ein kleines Team sind und die Firma sehr familiär arbeitet. Der größte Erfolgsfaktor ist also unsere konsequente Ausrichtung auf Qualität und Dokumentation.

Wirtschaftsforum: Das Thema Nachhaltigkeit hat auch die Glasfaserbranche erreicht.

Florence Fischer: Glasfasernetze gelten grundsätzlich als nachhaltiger als Stromnetze, weil sie weniger Energie im Betrieb benötigen und deutlich wartungsfreundlicher sind. Es wird eine Leerrohrstruktur gelegt und dort hinein kommt das Glasfaserkabel. Durch die Reserven ist das Leerrohr bis zu einem gewissen Grad gut erweiterbar, ohne den Boden nochmals zu öffnen. Wenn die Struktur gut gebaut ist, dann kann ich das Leerrohr theoretisch auch anders nutzen. Das ist, wenn man jetzt an Energie und Materialverbrauch denkt, ein wirklich riesengroßer Faktor. Was auch in Richtung Nachhaltigkeit geht, ist ein Trend, den wir immer stärker feststellen. Es kommen erste Anfragen, um mit der Glasfaser auch gleich neue Stromtrassen zu verlegen. Das heißt, man schafft Synergien, man verbindet beide Gewerke, man muss dann nur einmal den Boden öffnen, was unglaublich viel Material spart und für die Gemeinden angenehmer ist. Außerdem hat man ein erneuertes Stromnetz, das auch den aktuellen Anforderungen entspricht. Viele Stromnetze in den Gemeinden sind total überlastet durch die wachsende Zahl an E-Autos, deren Strombedarf die Netze ebenfalls abdecken müssen. Und das ist für uns ein spannender Faktor, auch mit Blick auf die Zukunft. Irgendwann wird Glasfaser in der Fläche groß ausgebaut sein, aber dann bleibt immer noch das Stromthema in vielen Regionen ungelöst.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr Blick in die Zukunft aus?

Florence Fischer: Unsere konkreten Ziele für dieses Jahr sind die Nachverdichtung und der Ausbau der Netzebene 4, die sogenannte Inhouse-Verkabelung. Deswegen haben wir eine Tochterfirma gegründet, eben um solche Arbeiten selbst abbilden zu können und um schnell und flexibel zu sein. Nachverdichtung im bestehenden Netz erfordert eine korrekte Dokumentation und man braucht jemanden, der sich gut damit auskennt. Mittelfristig werden wir uns vermehrt in der Verlegung von Stromnetzen engagieren, wo wir bereits heute Kompetenzen aufgebaut haben. Je weniger Glasfaser gebaut wird, desto mehr wird der Strom kommen. Wir haben bei fast allen Baustellen Mitverlegungsanfragen unterschiedlichen Ausmaßes. Das wird mehr werden. Das heißt, wenn Glasfaser verlegt ist, wird es in Deutschland sicherlich mit dem Stromnetzausbau weitergehen. Wir werden diese Entwicklung auf jeden Fall begleiten.

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