KI-Tools einsetzen ist einfach. Sie in eine gewachsene Unternehmensstruktur zu integrieren ist eine andere Disziplin.

Interview mit Gregor Draute, Geschäftsführer, Krankikom GmbH

Wir machen immer wieder dieselbe Erfahrung. Unternehmen spüren den Druck, bei KI nicht den Anschluss zu verlieren. Auf jeder Messe, in jedem Strategiemeeting ist es Thema. Und gleichzeitig wächst die Unsicherheit: Was bedeutet das konkret für uns? Wo fangen wir an? Und wie stellen wir sicher, dass wir dabei nicht etwas riskieren, was wir uns nicht leisten können zu riskieren? Denn wer Maschinen baut, Filialen betreibt, Patientendaten verarbeitet oder in regulierten Märkten arbeitet, lebt in einer anderen Realität als das Startup, das in vier Tagen eine Anwendung baut und schaut, was passiert. Lieferkettengesetze, Datenschutz, Betriebsrat, gewachsene IT-Strukturen: das ist die Realität des Mittelstands, und wer darin Verantwortung trägt, denkt zweimal nach, bevor er einfach loslegt. Das ist die Lücke, die wir schließen.

Diese Vorsicht ist berechtigt. Aber sie darf nicht zur Lähmung werden. Denn was gerade passiert, ist mehr als ein technologischer Trend. Es ist eine zweite Chance. Die erste Digitalisierungswelle hat viele Unternehmen nur halbherzig erreicht. Systeme wurden eingeführt, die niemand nutzte. Prozesse wurden digitalisiert, aber nicht integriert. Websites entstanden, die für Menschen lesbar waren, aber nicht für Maschinen. Das Ergebnis: viel investiert, wenig gewonnen. Die zweite Welle stellt eine andere Frage. Nicht ob ein Unternehmen online präsent ist, sondern ob es digital handlungsfähig ist. Ob Wissen, das heute in Köpfen steckt, morgen strukturiert verfügbar ist. Ob Prozesse so aufgebaut sind, dass KI sie sinnvoll unterstützen kann. Wer diese Grundlage jetzt schafft, baut einen Vorsprung, der schwer aufzuholen ist. Wer wartet, riskiert wieder hinterherzulaufen.

Komplexität ist kein Nachteil
Was dabei oft übersehen wird: Digitalisierung scheitert selten an Technologie. Sie scheitert daran, dass die Grundlage nicht stimmt. Informationen, die über Silos verstreut sind, widersprüchliche Daten, Prozesse, die gewachsen sind, aber nie dokumentiert wurden. Unter diesen Bedingungen stößt auch KI schnell an ihre Grenzen, nach außen genauso wie nach innen. Die digitale Grundlage, die KI-Systemen ermöglicht, ein Unternehmen zu kennen, richtig einzuordnen und weiterzuempfehlen, ist dieselbe, die KI intern nutzbar macht, für Support, Automatisierung, Assistenzsysteme. Wer diese Grundlage schafft, löst beide Aufgaben auf einmal. Und hier liegt das Paradoxe: Genau die Komplexität, die sich wie ein Hindernis anfühlt, ist im KI-Zeitalter ein Vorteil. Gewachsene Prozesse, tiefes Branchenwissen, jahrelange Kundenbeziehungen: das ist der Rohstoff, aus dem KI-Anwendungen entstehen, die wirklich funktionieren. Nicht als Experiment, sondern als verlässliche Lösung. Vorausgesetzt, jemand weiß, wie man ihn nutzbar macht.

Was uns durch drei Jahrzehnte trägt
Krankikom gibt es seit 1995. Was uns durch drei Jahrzehnte getragen hat, ist eine einfache Haltung: Technologie wird erst dann produktiv eingesetzt, wenn sie wirklich funktioniert. Konzept und Umsetzung aus einer Hand, und was gebaut wird, wird auch betrieben. Was das konkret bedeutet, zeigt Kombiverkehr, einer der größten Kombinierten Verkehrsträger Europas, ein Kunde, den wir seit über zehn Jahren begleiten. Lag der Anfang in der Digitalisierung von Formularen, verarbeitet das System heute monatlich rund 30.000 Aufträge mit Echtzeitauskunft über jede Ladeeinheit quer durch Europa. Das ist über Jahre gewachsen, weil jemand da war, der mitgedacht hat, als neue Anforderungen kamen, und weil eine Partnerschaft entstand, die über das ursprüngliche Projekt hinausging. Wer Compliance-Anforderungen erfüllen muss, wer Verantwortung gegenüber Betriebsrat und Regulatoren trägt, braucht jemanden, der diese Komplexität als Terrain kennt, nicht als Hindernis. Das machen wir seit über 30 Jahren. Nicht trotz der Komplexität. Wegen ihr.

KI übernimmt keine Verantwortung
KI-Tools ermöglichen es heute, in wenigen Tagen funktionsfähige Anwendungen zu bauen, und viele Unternehmen haben solche Anwendungen bereits im Einsatz oder haben sie beauftragt. Das ist gut. Aber eine Anwendung, die läuft, ist nicht automatisch eine Anwendung, die hält. Sind die Kundendaten sauber getrennt? Wurde das Backup jemals wiederhergestellt, nicht nur eingerichtet? Trägt die Architektur, wenn der unternehmensweite Rollout kommt? KI schreibt Code und übernimmt keine Verantwortung für den Betrieb. Wer die Anwendung betreibt oder beauftragt hat, trägt diese Verantwortung und sollte wissen, ob diese Fragen gestellt wurden. Genau das ist der Punkt, an dem AIvalue, ein von uns entwickeltes Analyseprodukt, und unsere Erfahrung zusammenkommen. AIvalue misst, wie KI-Systeme ein Unternehmen heute wahrnehmen und wo die digitale Grundlage Lücken hat. Wir übersetzen die Befunde in konkrete Maßnahmen, briefen IT-Abteilungen direkt und prüfen, ob die Umsetzung wirklich funktioniert. Andere liefern den Report. Wir bleiben dabei.

Zukunft und persönliches Schlusswort
Der Mittelstand in Deutschland ist außergewöhnlich stark. Gute Produkte, verlässliche Qualität, über Jahrzehnte aufgebaute Expertise. Und trotzdem entsteht gerade ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber KI. Das sollte nicht so sein. Diese Komplexität ist kein Nachteil im KI-Zeitalter. Sie ist der Rohstoff, aus dem echte KI-Anwendungen entstehen, die wirklich funktionieren. Man muss nur wissen, wie man ihn nutzbar macht. Die eigentliche Frage lautet nicht: Welches KI-Tool führen wir ein? Sie lautet: Ist unsere digitale Grundlage bereit, diese zweite Chance zu nutzen? Haben wir jemanden an der Seite, der die richtigen Fragen stellt, bevor etwas schiefläuft, nicht danach? Manchmal reicht ein erstes Gespräch, um Klarheit zu bekommen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Nachhaltigkeit mit Tradition

Interview mit Daniela Schlotz, Geschäftsführende Gesellschafterin der HAKAWERK W. Schlotz GmbH

Nachhaltigkeit mit Tradition

Die Anforderungen an Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegeprodukte steigen: Sie sollen zuverlässig wirken, ergiebig und hautverträglich sein und zugleich Umwelt und Ressourcen schonen. Die HAKAWERK W. Schlotz GmbH verfolgt diesen Ansatz…

Die Besten für den Nordwesten

Interview mit Ricardo Corominas, Geschäftsführer der PRIMUS Personaldienstleistungen GmbH

Die Besten für den Nordwesten

Unter dem Motto „Just Works“ will die Primus Personaldienstleistungen GmbH aus Oldenburg mit einem engen Niederlassungsnetz im Nordwesten Deutschlands als starker Karrierepartner für ihre Mitarbeiter auftreten, die sie wiederum bei…

Verlässlich durch jede Wetterlage

Interview mit Dirk Tombült, Geschäftsführer der Fedder und Zünkler Service GmbH & Co. KG

Verlässlich durch jede Wetterlage

Ob Schnee, Eis, Hitze oder Starkregen: Außenflächen von Immobilien müssen ganzjährig sicher, gepflegt und nutzbar bleiben. Für bundesweit aufgestellte Unternehmen ist das eine komplexe Aufgabe. Fedder und Zünkler koordiniert Winterdienst,…

Spannendes aus der Region Nordrhein-Westfalen

MORE THAN TECHNOLOGY

Interview mit Christopher Lauken, Head of Marketing and Sales der CAME Deutschland GmbH

MORE THAN TECHNOLOGY

Fortschritt beginnt nicht mit Technologie – sondern mit Menschen, die den Mut haben, sie neu zu denken. Seit Jahrzehnten entwickelt die CAME SpA aus Italien intelligente Lösungen für Automatisierung und…

Wo Zukunft Anschluss findet

Interview mit Florence Fischer, Geschäftsführerin der GPG Glasfaser Projekt GmbH

Wo Zukunft Anschluss findet

Unsere digitale Zukunft braucht vor allem eines: eine leistungsfähige Glasfaserinfrastruktur, sei es im Homeoffice, in Unternehmen oder für smarte Städte und Gemeinden. Daran arbeitet die GPG Glasfaser Projekt GmbH bundesweit…

Magnete bewegen die Welt

Interview mit Stefan Möwius, Geschäftsführer der BEC Gesellschaft für ­Produktmanagement mbH

Magnete bewegen die Welt

Ob Kofferraumklappe, Windkraftanlage oder Robotiksystem – hinter vielem steckt ein Dauermagnet. Die BEC Gesellschaft für Produktmanagement mbH aus Moers liefert diese unsichtbaren Kraftpakete seit über 30 Jahren kundenspezifisch gefertigt in…

Das könnte Sie auch interessieren

„Aus Ideen funktionierende Produkte entstehen lassen!“

Interview mit Berthold Kramer, Geschäftsführer der ENGESSER GmbH

„Aus Ideen funktionierende Produkte entstehen lassen!“

Erfolg entsteht dort, wo Menschen Herausforderungen als Chance begreifen. Aus Ideen werden präzise Bauteile und aus anspruchsvollen Aufgaben wirtschaftliche Lösungen. Diesem Anspruch folgt die ENGESSER GmbH aus dem baden-württembergischen Geisingen.…

„Wachstum und Kultur sind kein Widerspruch!“

Interview mit Dr. Sven Fürth, CEO der netgo group GmbH

„Wachstum und Kultur sind kein Widerspruch!“

Digitalisierung ist heute weit mehr als Technologie – sie entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Die netgo group mit Sitz in Berlin ist darauf spezialisiert, Kunden auf diesem…

Auf der Seite des Kunden

Interview mit Carmen Philippi, Geschäftsführung, Vorstand der Versteegen Assekuranz – Versicherungsmakler AG

Auf der Seite des Kunden

Versicherungen gelten als komplex, unpersönlich und oft schwer verständlich. Gerade Unternehmen benötigen jedoch Lösungen, die exakt zu ihren Risiken passen und im Schadenfall zuverlässig greifen. Die Versteegen Assekuranz – Versicherungsmakler…

TOP