Wenn der Schein nicht trügt: Qualität auf dem Prüfstand

Interview mit Gabi Kigle-Böckler, Vice President der BYK-Gardner GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Kigle-Böckler, die BYK-Gardner GmbH hat ihren Hauptsitz in Geretsried und mehrere Standorte im Ausland. Nun ist ein weiteres Unternehmen in den USA hinzugekommen.

Gabi Kigle-Böckler: Die Firma, die wir erworben haben, fügt sich nahtlos in unser bestehendes Produktportfolio ein. Es handelt sich um eine innovative Technologie, die bereits in unseren aktuellen Märkten Anwendung findet. Zudem ergibt sich für uns die Möglichkeit neue Märkte zu erschließen, insbesondere den vielversprechenden Halbleitermarkt.

Wirtschaftsforum: Wie ist die strukturelle Aufstellung des Unternehmens?

Gabi Kigle-Böckler: Neben mehreren Standorten im amerikanischen Markt haben wir einen expandierenden Standort in China, einem Schlüsselmarkt im Umbruch mit neuen Elektrofahrzeugherstellern. Weltweit verfügen wir über 350 Mitarbeiter, wovon 225 in Deutschland tätig sind. Der aktuelle Jahresumsatz liegt bei 100 Millionen EUR, und wir verzeichnen ein nachhaltiges Wachstum von 3 bis 5% pro Jahr. BYK-Gardner ist Mitglied der globalen Altana Holding.

Wirtschaftsforum: Welche Pro-gnosen haben Sie für die Zukunft des Unternehmens?

Gabi Kigle-Böckler: Die Aussichten für die Zukunft sind positiv. Allerdings ändern sich die Anforderungen schneller als in der Vergangenheit. Unsere Flexibilität als kleineres Unternehmen in einer starken Holding ist dabei von Vorteil.

Wirtschaftsforum: Seit wann sind Sie im Unternehmen tätig?

Gabi Kigle-Böckler: Schon seit Beendigung meines Studiums 1987. Zunächst war ich zehn Jahre für die technische Unterstützung unserer Produkte in den USA zuständig, später für Support, Produktmanagement und Marketing. Als Vice President für Produktmanagement und Marketing im Bereich Automobil liegen meine Prioritäten in der Sicherstellung einer hohen Innovationsrate und hochtechnischen Leistung unserer Messgeräte.

Wirtschaftsforum: Welche Produkte sind heute besonders wichtig?

Gabi Kigle-Böckler: Wir zeichnen uns durch qualitativ hochwertige Produkte und eine konsequente Ausrichtung an Innovationen aus. Unsere Qualitäts- und Prozesskontrolllösungen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es um Produkte geht, bei denen Farbe, Erscheinungsbild und physikalische Eigenschaften wichtige Kriterien sind. Generell entwickeln wir immer mehr Software, steigen also in den Bereich Digitalisierung ein, um Daten zu analysieren und automatisierte Lösungen zu entwickeln. Unsere jüngsten Produkte ermöglichen störungsfreie mehrschichtige Messungen mittels Ultraschall.

Wirtschaftsforum: Welche Zielgruppen sind besonders wichtig für BYK-Gardner, und was sind die Gründe für den Erfolg des Unternehmens?

Gabi Kigle-Böckler: Unser Hauptfokus liegt auf Lackherstellern und Lackverarbeitern im Automobilsektor, sowohl im OEM- als auch im Reparaturbereich. Aber auch viele andere Branchen wie Möbel-, Elektrogeräte- und Baumaschinenhersteller gehören zu unseren Zielgruppen. Unser Erfolg gründet sich auf den Fokus und die Zusammenarbeit mit unseren Kunden, kontinuierliche Innovation und zunehmend auf Digitalisierung. Wir wachsen gemeinsam mit unseren Märkten und Kunden. Im Marketingbereich setzen wir auf CRM und unsere Website, aber auch auf Messeauftritte und zu einem gewissen Grad auf Social Media.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie die Unternehmenskultur beschreiben?

Gabi Kigle-Böckler: Die geringe Fluktuation spiegelt wider, dass die Mitarbeiter Freude an ihrer Arbeit haben. Die Vielfalt der Aufgaben und attraktive Konditionen, auch durch die Zugehörigkeit zur Altana Holding, fördern die Mitarbeiterbindung.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihre Vision für die nächsten Jahre?

Gabi Kigle-Böckler: Unsere Vision ist ein kontinuierliches, gesundes Wachstum und eine starke Positionierung in unseren bestehenden Märkten. Wir wollen uns den schnellen Veränderungen stellen und uns erfolgreich gegen die wachsende Konkurrenz auf dem Weltmarkt behaupten.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihr persönlicher Antrieb?

Gabi Kigle-Böckler: Mein persönlicher Antrieb besteht in meiner engen Verbindung zur Firma. Ich möchte diese Verbindung an die Mitarbeitenden weitergeben und gemeinsam mit ihnen die Zukunft aktiv gestalten. Die Mitarbeitenden sollen von meiner langjährigen Erfahrung und Leidenschaft für das Unternehmen profitieren.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern
Wissen, das im Haus bleibt

Interview mit Grischa Jacobs, Gründer und CEO der AONIC GmbH

Wissen, das im Haus bleibt

E-Mails, Wikis, ERP-Systeme oder CRM-Daten: In fast jedem Unternehmen ist Wissen über viele Orte verstreut. Die AONIC GmbH aus Darmstadt bringt seit 2012 Ordnung in diese Strukturen und macht es…

Technologiehoheit schafft Handlungsfreiheit

Interview mit Céline Quervel, Geschäftsführerin der W. Classen GmbH & Co. KG

Technologiehoheit schafft Handlungsfreiheit

Technologisches Know-how, eigene Patente und selbst entwickelte Anlagen sind für die CLASSEN-Gruppe mehr als reine Innovationsmotoren: In volatilen Märkten sichern sie Kostenhoheit, Unabhängigkeit und strategischen Handlungsspielraum. Gerade in Zeiten geopolitischer…

„Mich reizt die Komplexität!“

Interview mit Nikola Tubic, Vorsitzender und CEO der Wyss&Lila AG

„Mich reizt die Komplexität!“

Wer sich mit Engineeringdienstleistungen im Bahnsegment selbstständig machen will, muss die Materie bis ins Detail verstehen. Nikola Tubic ist diesen Schritt nach mehr als zwei Jahrzehnten Branchenerfahrung gegangen und gründete…

Zwischen Klostermauern und Alpenblick

Interview mit Pater Johannes Bauer, Cellerar der Ettaler Klosterbetriebe GmbH

Zwischen Klostermauern und Alpenblick

Tradition und Wirtschaft müssen kein Widerspruch sein – besonders dort, wo historische Verantwortung, Gastfreundschaft und nachhaltiges Handeln seit Jahrhunderten zusammengehören. Die Ettaler Klosterbetriebe GmbH verbindet klösterliches Leben mit Hotel, Gastronomie,…

Der etwas andere Problemlöser

Interview mit Christian Heidler, Vorstand der hmd-software AG

Der etwas andere Problemlöser

Schreibmaschine, Taschenrechner, Locher und Papierstapel statt Dashboard. Vor 40 Jahren war das Rechnungswesen papierlastig, analog und zeitaufwändig. Heute sorgen Digitalisierung und künstliche Intelligenz dafür, dass viele Prozesse effizienter, schneller und…

Digitalisierung mit Augenmaß

Interview mit Falk Tengler, Geschäftsführer der dvhaus Software & Solutions GmbH

Digitalisierung mit Augenmaß

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung zählt zu den anspruchsvollsten Transformationsprojekten unserer Zeit. Besonders in der Justiz treffen komplexe Abläufe, hohe Sicherheitsanforderungen und föderale Strukturen aufeinander. Die dvhaus Software & Solutions…

Intelligente Sensoren: Der Schlüssel zur Effizienz in der Industrie

Interview mit Dirk Möller, Vice President der Produktgruppe Sensoren der Hottinger Brüel & Kjær A/S

Intelligente Sensoren: Der Schlüssel zur Effizienz in der Industrie

Hottinger Brüel & Kjær A/S ist nicht nur ein führendes Unternehmen im Bereich der Messtechnik, sondern auch ein innovativer Partner, der seinen Kunden hilft, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern.…

Ein Quanten­sprung voraus

Interview mit Marco D’Aquino, Mitglied der Geschäftsleitung der Distek Strumenti & Misure s.r.l.

Ein Quanten­sprung voraus

Während Europa nach mehr technologischer Souveränität strebt und Quantentechnologien strategisch an Bedeutung gewinnen, zeigt ein mittelständisches Unternehmen aus dem süditalienischen Neapel, wie sich Innovationskraft, technisches Know-how und familiäre Unternehmenskultur erfolgreich…

Wo Gewicht nicht stillsteht, entscheidet Präzision

Interview mit Filipe Lourenço, CEO und Michael Kuster, Marketing Director der DIGI SENS Switzerland AG

Wo Gewicht nicht stillsteht, entscheidet Präzision

Präzise Messdaten sind entscheidend für effiziente Prozesse – besonders dort, wo Gewicht während laufender Abläufe erfasst werden muss. Die DIGI SENS Switzerland AG hat sich auf diese Anforderungen spezialisiert. CEO…

TOP