Integrierte Wertschöpfung im Wohnbau

Interview mit Rudolf Wagner, Vertriebsleiter der ETZI-Group GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wagner, die Rahmenbedingungen im Wohnbau haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Welche strategischen Hebel sind heute entscheidend, um Planungssicherheit und wirtschaftlichen Erfolg zu gewährleisten?

Rudolf Wagner: Die Situation ist zweifellos anspruchsvoll, zeigt aber auch sehr klar, wer sein Geschäftsmodell beherrscht. Klassische Bauweisen mit vielen Schnittstellen stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Unser Ansatz setzt daher konsequent auf Vorfertigung, integrierte Wertschöpfung und klar definierte Systeme. Unsere Systemhäuser sind vollständig durchgeplant, von der WALLMENT-Ziegelfertigwand über das WINDOWMENT®-Fensterkomplettsystem bis zur Haustechnik. Da nahezu alle relevanten Gewerke im eigenen Haus angesiedelt sind, behalten wir die Kontrolle über Qualität, Kosten und Termine. Für den Kunden bedeutet das maximale Planungssicherheit und einen fix kalkulierbaren Preis.

Wirtschaftsforum: Sie setzen konsequent auf Massivbau mit Ziegel, obwohl Holz- und Leichtbau derzeit stark diskutiert werden.

Rudolf Wagner: Der Ziegel ist ein äußerst nachhaltiger Baustoff – regional gewonnen, langlebig, mit hervorragenden Eigenschaften beim Schall- und Brandschutz. In Verbindung mit unserer industriellen Vorfertigung verbindet der Massivbau heute kurze Bauzeiten mit hoher Wirtschaftlichkeit und Qualität. Zudem bleibt die Wertbeständigkeit ein entscheidender Faktor, gerade auch im Wiederverkauf. Das überzeugt viele unserer Kunden nachhaltig.

Wirtschaftsforum: Ein großes Thema ist der Fachkräftemangel. Wie stark betrifft er Ihr Unternehmen?

Rudolf Wagner: Natürlich gibt es Engpässe, doch häufig liegt das Problem weniger im Fachkräftemangel als in fehlenden Systemen. Mit vorgefertigten Wänden reichen wenige Fachkräfte auf der Baustelle aus. Gleichzeitig verlagern wir Arbeit gezielt in die Vorfertigung – witterungsunabhängig, qualitativ hochwertig und deutlich attraktiver für die Mitarbeitenden.

Wirtschaftsforum: Herr Wagner, Sie sind seit Ende 2024 Teil der ETZI-Group und verantworten seit Februar den Gesamtvertrieb. Was reizt Sie persönlich an dieser Aufgabe – und wie verstehen Sie Ihre Rolle als Vertriebsleiter?

Rudolf Wagner: Ich schätze vor allem die Möglichkeit, die Weiterentwicklung eines familiengeführten Unternehmens mitzugestalten. Die Kombination aus Innovationskraft, Entscheidungsfreude und gelebten Werten ist selten und motiviert mich sehr. Meine Rolle verstehe ich klar strategisch: Ich schaffe Strukturen, entwickle Vertriebssysteme und unterstütze mein Team mit den richtigen Werkzeugen. Der operative Verkauf liegt bewusst bei den Mitarbeitenden – Vertrauen, Verantwortung und Wertschätzung sind dabei zentrale Erfolgsfaktoren.

Wirtschaftsforum: Die ETZI-Group ist heute weit mehr als ein klassisches Bauunternehmen. Wie ist die Unternehmensgruppe strukturiert, und was prägt Ihre Herangehensweise?

Rudolf Wagner: Wir sind als Holding mit 14 eigenständigen GmbHs und rund 250 Mitarbeitenden aufgestellt. Neben Bau- und Wohnbaugesellschaften gehören auch Erdbau, Haustechnik und seit 2022 unsere Produktionsgesellschaft max-Bausysteme zur Gruppe. Dort produzieren wir WALLMENT-Ziegelfertigwände und innovative WINDOWMENT®-Fensterkomplettsysteme. Ab 2026 erweitern wir unser Portfolio um einen eigenen Zimmereibetrieb, um auch den modularen Holz- und Leichtbau vollständig abzudecken. Ein zentraler Bestandteil dieses integrierten Ansatzes ist das Kundenerlebnis. Hausbau ist ein emotionales Projekt, oft das größte im Leben einer Familie. In unserem 1.000 m2 großen Showroom können Kunden Materialien anfassen, Raumgrößen real erleben und sogar durch ein vollständig eingerichtetes ‘Haus im Haus’ gehen. Darüber hinaus ermöglichen wir Einblicke in die Produktion des eigenen Hauses. Diese Transparenz schafft Vertrauen – und Vertrauen ist die Basis jeder langfristigen Kundenbeziehung.

Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung haben Digitalisierung und neue Technologien für die weitere Entwicklung der ETZI-Group, und wo sehen Sie das Unternehmen in den kommenden Jahren?

Rudolf Wagner: Digitalisierung ist für uns kein Trend, sondern gelebter Alltag. Wir arbeiten mit BIM, setzen auf durchgängige digitale Prozesse und nutzen KI-Tools im Marketing und in der Kommunikation. Das steigert Effizienz, Geschwindigkeit und Qualität. Gleichzeitig binden wir das Know-how junger Mitarbeitender aktiv ein, etwa über Workshops und offene Austauschformate. Strategisch liegt unser Fokus auf Systembau, mehrgeschossigem Wohnbau und energieoptimierten Lösungen. Mit unserer integrierten Struktur, einer starken Unternehmenskultur und einem klaren Qualitätsanspruch sehen wir uns gut aufgestellt, um Innovation und Effizienz im Massivbau voranzutreiben und einen Beitrag zu leistbarem Wohnraum zu leisten.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Bau

Baustelle 4.0: GPS statt Schnur und Bandmaß

Interview mit Michael Finette, Geschäftsführer Baubetrieb Finette GmbH

Baustelle 4.0: GPS statt Schnur und Bandmaß

Der deutsche Wohnungsbau bricht ein, Baustoffe verteuern sich, Fachkräfte fehlen. Wer in diesem Umfeld bestehen will, braucht ein klares Profil, verlässliche Qualität und die Bereitschaft, in moderne Technik zu investieren,…

Beton erhalten, Zukunft ­sichern

Interview mit Thomas Klee, Geschäftsführer der Consolvo GmbH

Beton erhalten, Zukunft ­sichern

Die Instandsetzung bestehender Betonbauwerke gewinnt angesichts alternder Infrastruktur, steigender Kosten und wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen zunehmend an Bedeutung. Gefragt sind Lösungen, die Schäden zuverlässig beheben und zugleich möglichst viel Bausubstanz erhalten. Genau…

Bauen mit Handschlagqualität

Interview mit Jürgen Fien, Geschäftsführer der Fien GmbH Bauunternehmen

Bauen mit Handschlagqualität

Vom kleinen Auftrag für private Bauherren bis zum Rohbauprojekt in Millionenhöhe: Die Fien GmbH Bauunternehmen aus Wehr verbindet die Flexibilität eines mittelständischen Familienbetriebs mit der Leistungsfähigkeit größerer Bauunternehmen. Regionale Nähe,…

Spannendes aus der Region Ried im Traunkreis

Marktführer durch Qualität

Interview

Marktführer durch Qualität

Die Automobilindustrie ist bekannt für ihre extrem hohen Qualitäts- und Serviceanforderungen. Zudem ist die Branche hochgradig wettbewerbsintensiv und steht in direkter Abhängigkeit von makroökonomischen und -politischen Entwicklungen. Die TCG UNITECH…

Mit KI IP-Abläufe revolutionieren

Interview mit Daniel Holzner, Geschäftsführer der ABP PATENT NETWORK GmbH

Mit KI IP-Abläufe revolutionieren

Seit vielen Jahrzehnten gilt die ABP PATENT NETWORK GmbH als schlagkräftiger Schutzrechtsdienstleister im Bereich des geistigen Eigentums (IP). Mit der patentbutler.AI hat das Unternehmen nun eine KI-Lösung implementiert, die perspektivisch…

Ein Green Champion der Verpackungsbranche

Interview mit Axel Kühner, CEO der Greiner AG

Ein Green Champion der Verpackungsbranche

Der steigende Bedarf an nachhaltigen Lösungen stellt viele Branchen vor große Herausforderungen. Die Verpackungsbranche ist gefordert Lösungen zu entwickeln, die höchste Ansprüche an Haltbarkeit und Funktionalität erfüllen, gleichzeitig aber kreislauftauglich…

Das könnte Sie auch interessieren

Wann lohnt sich Kauf statt Miete bei Kältelagerung?

Wann lohnt sich Kauf statt Miete bei Kältelagerung?

Bei der Lagerung temperaturempfindlicher Waren stellt sich die Frage: Kühlcontainer kaufen oder mieten? Die Antwort auf diese Frage hängt von zahlreichen betrieblichen Rahmenbedingungen ab, wozu insbesondere der geplante Nutzungszeitraum, das…

Textile Lieferketten: Wie Zertifizierung Bio-Baumwolle nachweisbar macht

Textile Lieferketten: Wie Zertifizierung Bio-Baumwolle nachweisbar macht

Der Handel verlangt Belege, Konsumenten stellen Fragen, und Regulatoren erhöhen den Druck: Für mittelständische Textilunternehmen wird die Bio-Baumwolle Zertifizierung zunehmend zur betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit. Ein Etikett mit dem Wort „organisch" reicht…

Wenn Arbeit mobil wird: Warum passende Unterkünfte zum Erfolgsfaktor für Unternehmen werden

Wenn Arbeit mobil wird: Warum passende Unterkünfte zum Erfolgsfaktor für Unternehmen werden

Großbaustellen, Anlagenwartungen, Industrieprojekte und technische Montagen lassen sich häufig nicht allein mit Personal aus der unmittelbaren Umgebung realisieren. Handwerksbetriebe, Industrieunternehmen und Personaldienstleister schicken ihre Beschäftigten deshalb regelmäßig für mehrere Tage,…

TOP