Unterirdische Leitungen digital erfassen und sichtbar machen

Interview mit Jürgen Besler, Geschäftsführer der infrest Infrastruktur eStrasse GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Besler, welche Herausforderungen sehen Sie beim Bau von Infrastrukturen, insbesondere in Bezug auf unbekannte Leitungen im Boden?

Jürgen Besler: Eine der größten Herausforderungen beim Tiefbau ist das Risiko, unbekannte Leitungen zu beschädigen. Es gibt kein zentrales Leitungskataster in Deutschland. Das kann zu erheblichen Schäden und Verzögerungen führen. Unsere Plattform Leico – Leitungs-check-online hilft, diese Risiken zu minimieren, indem sie eine umfassende Datenbank bereitstellt, auf die Bauunternehmen und Planer zugreifen können, bevor sie mit ihren Arbeiten beginnen.

Wirtschaftsforum: Wie funktioniert das genau?

Jürgen Besler: Wenn ein Bauprojekt geplant wird, können die Verantwortlichen über unser Portal die relevanten Informationen zu den unterirdischen Leitungen anfordern. Unser System ermöglicht es, die geplanten Bauflächen einzugeben und sofort zu sehen, welche Infrastrukturen betroffen sind. So können sie potenzielle Schäden vermeiden und die Bauarbeiten effizienter gestalten.

Wirtschaftsforum: Welche Vorteile bietet Ihre Plattform im Vergleich zu traditionellen Methoden?

Jürgen Besler: Unsere Plattform ist webbasiert und benötigt keine zusätzliche Softwareinstallation. Nutzer können sofort loslegen, was Zeit und Kosten spart. Zudem haben wir eine Georeferenzierung implementiert, die es ermöglicht, die Daten ähnlich wie bei Google Maps zu visualisieren. Das erhöht die Transparenz und erleichtert die Planung.

Wirtschaftsforum: Sie haben erwähnt, dass es in Deutschland viele unterschiedliche Quellen gibt. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Datenbank aktuell bleibt?

Jürgen Besler: Wir haben ein Team, das kontinuierlich neue Infrastrukturnetzbetreiber recherchiert und die Datenbank pflegt. Alle sechs Monate kontaktieren wir die Betreiber, um sicherzustellen, dass die Informationen auf unserer Plattform aktuell sind. Diese regelmäßige Pflege ist entscheidend, um die Qualität unserer Daten zu gewährleisten. Zudem haben wir die Anzahl der erfassten Infrastrukturnetzbetreiber in unserer Datenbank auf über 18.600 erhöht und arbeiten kontinuierlich daran, diese Zahl weiter zu steigern. Unser Ziel ist es, die digitale Vernetzung in der Branche voranzutreiben und die Effizienz von infra­strukturellen Bauvorhaben durch innovative Lösungen zu erhöhen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der In­frastrukturplanung?

Jürgen Besler: Digitalisierung ist der Schlüssel zur Effizienzsteigerung in der Infrastrukturplanung. Durch digitale Prozesse können wir nicht nur die Planung beschleunigen, sondern auch die Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren verbessern. Unser Ziel ist es, die Bürokratie zu minimieren und die Zusammenarbeit zwischen Bauunternehmen, Kommunen und Netzbetreibern zu optimieren.

Wirtschaftsforum: Wie sieht die Zukunft für infrest aus? Welche Entwicklungen planen Sie?

Jürgen Besler: Wir haben große Pläne. Neben der Erweiterung unserer Datenbank und der Verbesserung unserer Plattform möchten wir auch neue Softwarelösungen entwickeln, die speziell auf die Bedürfnisse der BIS-Fortführung zugeschnitten sind. Zudem arbeiten wir an der Integration künstlicher Intelligenz, um Prozesse weiter zu automatisieren und zu optimieren.

Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit Verbänden und anderen Unternehmen für Ihr Geschäftsmodell?

Jürgen Besler: Die Zusammenarbeit mit Verbänden wie dem Bauindustrieverband NRW ist für uns von großer Bedeutung. Durch solche Partnerschaften können wir unsere Dienstleistungen gezielt bewerben und unseren Kunden Sonderkonditionen anbieten. Das stärkt nicht nur unsere Marktposition, sondern verbessert auch die Reichweite unserer Dienstleistungen.

Wirtschaftsforum: Wie reagieren Sie auf die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen in der Bauwirtschaft?

Jürgen Besler: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema für uns. Unsere digitalen Lösungen tragen dazu bei, CO2-Emissionen zu reduzieren, indem sie den Ressourcenverbrauch minimieren und die Effizienz steigern. Zudem engagieren wir uns aktiv in Projekten, die umweltfreundliche Baupraktiken fördern.

Wirtschaftsforum: Abschließend, was motiviert Sie persönlich in Ihrer Rolle bei infrest?

Jürgen Besler: Ich bin seit 2006 dabei, als das PPP-Modell als Vorläufer der 2010 als GmbH gegründeten infrest startete. Ich finde es sehr erfüllend, an einem Projekt zu arbeiten, das einen echten Unterschied macht. Die Möglichkeit, die Planung und Durchführung von Infrastrukturprojekten zu verbessern und dabei zur Sicherheit und Effizienz in der Bauwirtschaft beizutragen, motiviert mich jeden Tag. Es ist spannend, Teil einer Branche zu sein, die sich ständig weiterentwickelt und innovativ bleibt.

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