Auf dem Weg in eine zementfreie Zukunft

Interview mit Geert Hanssen, Commercial Director der Bosch Beton GmbH & Co.KG

Bosch Beton hat einen sechsstufigen Weg in eine zementfreie Zukunft formuliert. Die erste Generation der ʻtraditionellen’ Betonmischung von Stützmauern besteht aus Kies, Sand, Wasser und einem 100%igen Zementanteil. In der dritten Generation Betonmischung konnte dieser Anteil bereits um die Hälfte reduziert werden.

„Wir arbeiten jetzt an der nächsten Generation von Hybridlösungen, die uns in drei weiteren Schritten zu einer zementarmen Lösung führen werden“, erklärt der Kaufmännische Direktor Geert Hanssen. „Um den Zementgehalt noch weiter zu reduzieren, mischen wir ihn mit einem Geopolymer zu einem Hybridprodukt, das bis zu 75% zementfrei ist. Der letzte Schritt ist eine 100% zementfreie Geopolymer-Stützmauer der ersten Generation.“

Der Zeit voraus

Mit dieser Lösung ist Bosch Beton seiner Zeit weit voraus – jedoch leider auch den einschlägigen Vorschriften. „Momentan werden vollständig zementfreie konstruktive Stützwände noch nicht von den Baunormen erfasst und sind deshalb in Deutschland nicht zugelassen“, bedauert Geert Hanssen. „Unsere eigenen laborbasierten Tests haben minimale Abstriche bei der Druckfestigkeit ergeben, die gegen die enormen potenziellen Kohlenstoffeinsparungen abgewogen werden müssen.“

Grüne Lösungen gefragt

Die ersten Pilotprojekte mit zementfreien Geopolymer-Stützwänden wurden schon gestartet. Weitere sollen folgen. Auch hinsichtlich des Umweltkostenindikators sind solche Lösungen wegweisend. „Die Baubranche muss nachhaltiger werden, wenn die Umweltziele erreicht werden sollen. Aber auch der Gesetzgeber muss die derzeitige Kluft zwischen Technologie und Regulierung dringend beseitigen“, betont Geert Hanssen. „Hierzu kann unsere Geopolymer-Lösung einen wichtigen Betrag leisten.“

Bei einer Gesamtjahresproduktion von rund 60.000 Stützmauern mit einer Höhe von 0,5 bis 7 m ist das CO2-Einsparpotenzial allein bei Bosch Beton enorm.

Zertifiziert nachhaltig

Im Einklang mit dem Unternehmensmotto „Building a Solid Future“ wird Bosch Beton weiterhin eine nachhaltige Agenda verfolgen. 2017 wurde das Unternehmen als erster Stützwandhersteller der Welt mit dem internationalen Zertifikat des Concrete Sustainability Council (CSC) in Bronze ausgezeichnet.

„Dieses weltweite Gütesiegel ist ein Maßstab für verantwortungsvolle und nachhaltige Produktion und Betriebsführung“, erläutert Geert Hanssen. „Damit setzen wir ein Zeichen.“ Ein weiteres Zeichen wird gesetzt, wenn das Unternehmen im nächsten Jahr seinen ersten wasserstoffbetriebenen Lkw in Empfang nimmt. „Dies ist nur ein weiteres Teil des Nachhaltigkeitspuzzles“, fügt Geert Hanssen hinzu. „Bereits heute haben wir Projekte, bei denen wir völlig kohlenstoffneutral sind.“

Zwei Standbeine

Bosch Beton ist auf Betonstützmauern für Kunden aus den Bereichen Infrastruktur und Landwirtschaft spezialisiert. Letzteres ist historisch gewachsen. Das Familienunternehmen wurde 1972 vom Vater der heutigen Geschäftsführer gegründet. Er hatte damit begonnen, Weideroste aus Zement von Hand herzustellen. Drei Jahre später ermutigte ihn die steigende Nachfrage anderer Landwirte in der Region zur Gründung des Unternehmens.

Mitte der 1980er-Jahre wurden die ersten Stützwände produziert und das Unternehmen begann mit der internationalen Expansion über Handelsvertreter in Deutschland, Dänemark und Belgien. Seit 2019 produziert das Unternehmen in einer neuen, hochmodernen Fabrik in Barneveld. „Hier können wir die Vorteile der Vorfertigung hinsichtlich Qualität und Flexibilität voll ausschöpfen“, betont Geert Hanssen. „Wir haben zudem stark in die Automatisierung und Robotik investiert, um den drohenden Fachkräftemangel abzuwenden.“

International wachsen

Das Unternehmen wird als Innovator und Pionier gesehen. Seine Lösungen sind nicht nur auf dem heimischen Markt, sondern in ganz Europa gefragt. Der Export macht derzeit zwei Drittel des Umsatzes aus und bietet reichlich Potenzial für weiteres Wachstum. „Wir haben seit 2014 eine Vertriebsniederlassung in Deutschland und haben 2021 eigene Vertriebsbüros in Dänemark, Belgien und Frankreich eröffnet“, sagt Geert Hanssen. „Unser Hauptziel ist der deutsche Markt, wo das Qualitätsdenken ähnlich ist und Beton ein bevorzugtes Baumaterial ist.“

Bereit für die Zukunft

Mit Blick auf die Zukunft arbeitet das Unternehmen daran, die Zulassung für seine zementfreien Stützmauern zu erhalten. Bis dahin wird das Unternehmen weiter in diese nachhaltigen Alternativen investieren. „Die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks des Bausektors ist von entscheidender Bedeutung für die Reduzierung der Kohlenstoffemissionen insgesamt“, betont Geert Hanssen. „Irgendwann werden die Energiepreise so stark ansteigen oder der politische Druck zunehmen, dass zementfreie Alternativen ihre Berechtigung haben werden. Wir wollen bereit sein, wenn dieser Tag kommt.“

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