Jeden Tag das Rad neu erfinden

Interview mit Jonas Keune, Managing Director der BOOSTER Precision Components (Schwanewede) GmbH

Den Namen BOOSTER Precision Components (Schwanewede) trägt der Hersteller von Verdichterrädern erst seit 2017. Dennoch kann das Unternehmen aus der Nähe von Bremen bereits auf über 70 Jahre Erfahrung im Bereich Zerspanung zurückblicken. Das Vorgängerunternehmen PRAE-TURBO, 2003 von Dr. Heinz-Rudolf Jung und Reiner Wahlers gegründet, war Teil der Firmengruppe PRÄWEST, die seit 1945 auf diesem Gebiet Spitzentechnologie entwickelt.

„PRAE-TURBO ist über die Jahre massiv gewachsen und wurde von Beginn an mit Oliver Romano (damaliger Geschäftsführer, heutiger Gruppen COO) aufgebaut. Ob des enormen Wachstums wurde deshalb 2015 an den Investor Halder verkauft, der als Förderer mittelständischer Firmen weitere Entwicklungsmöglichkeiten bot“, erzählt Managing Director Jonas Keune.

Aus einer Fusion mit der im selben Geschäft tätigen Firma CCN entstand in diesem Zuge die weltweit agierende BOOSTER Precision Components GmbH, die ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main hat. In der Produktionsstätte, die 2004 in Schwanewede auf der ‘grünen Wiese’ entstand, dreht sich seitdem alles um das Verdichterrad.

„Es ist eine der Kernkomponenten im Turbolader und komprimiert die Zuluft für den Verbrennungsprozess. Dadurch werden die Leistung gesteigert und die Emissionswerte verbessert“, erklärt Jonas Keune. Der Industriemechaniker und Maschinenbau Ingenieur im Bereich Produktionstechnik begann vor zehn Jahren als Programmierer für 5-Achsige-CNC-Fräsmaschinen. Ferner hat der 33-Jährige diverse Konstruktionsprojekte für die Automationsabteilung in seinen Anfängen begleitet.

Bereits zwei Jahre nach seinem Zugang wurde Jonas Keune zum Werksleiter ernannt und seit 2015 ist der spätere Prokurist und jetzige Geschäftsführer auch Teilhaber und damit faktisch geschäftsführender Gesellschafter.

Als Hauptverantwortlicher für das gesamte Werk legt er viel Wert auf eine starke Interaktion aller beteiligten Personen und Unternehmenssparten. Seine Top fünf Manager im Werk und das gesamte Team dahinter sorgen jeden Tag aufs Neue für eine erfolgreiche Performance.

„Unser Blick ist dabei immer auf Innovation und eine zukunftsweisende Produktion gerichtet“, betont er und sagt weiter: „Ich selbst bin immer noch nah an der Technik. Dass wir viele technisch versierte Führungskräfte haben, zeichnet uns auch aus.“

„Unser Vorteil ist, dass wir heute schon wissen, wie wir es morgen besser machen.“ Jonas KeuneManaging Director
Jonas Keune, Managing Director der BOOSTER Precision Components (Schwanewede) GmbH

Visionen und Missionen

Nicht nur in Schwanewede, auch in Mexiko und China produziert BOOSTER Verdichterräder und bedient auf diese Weise die lokalen Märkte. „All unsere Werke sind auf eine Produktfamilie spezialisiert. In der Slowakei haben wir zum Beispiel auch eine Gießerei. Jedes für sich ist aufgrund des enorm großen Know-hows vor Ort im Grunde ein ‘center of excellence’“, so der Managing Director. Dieses Know-how erstreckt sich nicht nur auf die Produkte. Auch alle Zusatzprozesse der Produktionskette werden inhouse entwickelt, ebenso wie die hauseigene Automation, sei es Bauteilhandling, -Reinigung,-Entgratung bis hin zur vollautomatischen optischen Endinspektion.

Jonas Keune sieht in den innovativen Zerspanungsprozessen und dem hohen Automationsgrad auch eine besondere Stärke des Unternehmens. Eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung garantiert die Nähe zum Markt, was neueste Technologien betrifft. „Leidenschaft und Präzision“ sind die Schlagworte, die das Handeln prägen.

„Die Familie von Dr. Jung hat in diesem Sinn Leitsätze erstellt, die im Unternehmen immer noch täglich gelebt werden: ‘Keine permanente technische Innovation bedeutet Rückschritt und damit das Ende für jeden und alles.’ Und: ‘Die Qualität unserer Produkte hat für uns höchste Priorität. Terminprobleme oder wirtschaftliche Zwänge können nur die zweite Priorität haben.’ Man kann schon sagen, dass wir jeden Tag das Rad neu erfinden“, sagt Jonas Keune und fügt hinzu: „Unser Vorteil ist, dass wir heute schon wissen, wie wir es morgen besser machen.“

CEO Jerko Bartolić hat seine Visionen für das Unternehmen in folgende Worte gefasst: „Wir wollen als führender TIER-2 Lieferant von Turboladerkomponenten international wahrgenommen werden und uns mit Qualität und Verfahrenstechnik als ausgezeichneter Partner etablieren!“

Auch die Mission ist bei BOOSTER festgeschrieben und wesentlicher Teil des Selbstverständnisses: „Wir sind global präsent und orientieren uns an den Bedürfnissen unserer Kunden. Dabei streben wir kontinuierlich nach neuen Bestleistungen bei Produkteinführungen und in der Serienproduktion. Wir sind der festen Überzeugung, dass sich nachhaltiges Wachstum, Umweltschutz und soziale Verantwortung nicht ausschließen. Vielmehr bilden die drei Aspekte gemeinsam die Säulen unserer Stakeholder-Orientierung.“

Jonas Keune, Managing Director der BOOSTER Precision Components (Schwanewede) GmbH
„Die Turbo-Penetration ist die eigentliche Alternative für die Zukunft.“ Jonas KeuneManaging Director

Der Verbrennungsmotor lebt

Wenngleich von vielen schon längst totgesagt, sieht Jonas Keune das Ende des Verbrennungsmotors noch lange nicht gekommen. „Die E-Motoren werden von den Medien gepuscht. Sie haben auf jeden Fall auch eine Relevanz, aber an eine Infrastruktur, die ein Durchbruch in der E-Mobilität erfordern würde, ist in den nächsten fünf Jahren nicht zu denken. Der Anteil an E-Motoren wird in diesem Zeitraum nur bei etwa 5% erwartet. Wir sehen vielmehr einen starken Zuwachs der Turbo-Penetration besonders für Benzinmotoren. Sie ist die eigentliche Alternative für die Zukunft.“

Dementsprechend sieht er das Geschäftsfeld als klaren Wachstumsmarkt, in den es sich zu investieren lohnt. „Das Ziel ist ganz klar, weiter zu wachsen – und zwar stets schneller als der Markt.“ BOOSTER will seine Marktführerschaft ausbauen und bis spätestens bis 2022 die 200 Millionen EUR-Umsatzgrenze erreichen. Mehr Wachstum bedeutet aber auch mehr Personal: „Wir punkten als größter Arbeitgeber in Schwanewede mit Zukunftsperspektive.“

So gelingt es immer wieder, in enger Kooperation mit Forschungsinstituten und Fachhochschulen junge Nachwuchstalente zu gewinnen.

Made in Germany

Jonas Keune hat hohe Ansprüche an seinen Job. Um seine Funktion als Managing Director ganzheitlich erfüllen zu können, studiert er seit zwei Jahren nebenberuflich in St. Gallen, um den akademischen Grad des Executive Master of Business Administration (MBA) zu erwerben.

An seinem Job faszinieren ihn vor allem die Komplexität der Produktion und die Vielfalt an Stellschrauben, die es zu entdecken gilt. „Das technische Limit immer wieder neu auszuloten und gleichzeitig die prozessfähige Produktion aufrecht zu erhalten, ist die Herausforderung.“

Seine Botschaft an die Politik lautet: „Im Arbeitsmarkt muss die Flexibilität von Mittelständlern im Hinblick auf den Personalbereich bis hin zu den Entwicklungsmöglichkeiten erhalten bleiben. Es ist wichtig, das ‘Made in Germany’ hochzuhalten und die Bedeutung des Landes als hochinnovativen Produktionsstandort zu stärken.“

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