Natürlich nachhaltig

Interview mit Karsten Lindlein, Geschäftsführer der Biovegan GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Lindlein, Sie sind Geschäftsführer der Biovegan GmbH, einem Vorreiter der bio-veganen Ernährung, dessen Produkte seit 1986 ‘Leidenschaft für natürlichen Genuss’ symbolisieren. Wie sah die Entwicklung dieses Traditionsunternehmens in den vergangenen Jahren aus? 

Karsten Lindlein: Bis 2020 war Biovegan ein klassisches Familienunternehmen; 2021und 2024 kam es zu Eigentümerwechseln. Während der Pandemie hatten die Menschen plötzlich mehr Zeit und begannen beispielsweise zu backen, was Biovegan in die Karten spielte. Der Boom hielt allerdings nicht an, im Gegenteil: Die Post- Coronazeit war für viele wirtschaftlich herausfordernd. Die Nachfrage nach Biovegan-Produkten, die im Premiumsegment anzusiedeln sind, ging in dieser Zeit zurück. Wir sind zwar dennoch gewachsen, aber weniger stark als in den Vorjahren.
 

Wirtschaftsforum: Können Sie die Entwicklung mit Zahlen verdeutlichen und wie ging es weiter? 

Karsten Lindlein: Vor Corona konnten wir jährlich zwischen 15 und 20% wachsen und 2020 die Umsatzgrenze von 20 Millionen EUR überschreiten. Da die später einsetzende rückläufige Entwicklung nicht den Erwartungen der Käufer entsprach, wurde Biovegan 2024 erneut verkauft. Heute befindet sich das Unternehmen wieder in Familienhand und arbeitet an langfristigen Zukunftsstrategien.
 

Wirtschaftsforum: Was änderte sich nach dem Verkauf in 2024?

Karsten Lindlein: Wir haben zum Beispiel in den Maschinenpark investiert und damit wieder eine Lieferperformance erreicht, die dem Handel entspricht. Optimierungen, Wartungen, der Austausch und Anbau von Maschinenteilen führten zu einer deutlichen Effizienzsteigerung. Die Produktionsplanung haben wir automatisiert und planen künftig ein KI-unterstützendes Tool. Wir fertigen nicht mehr auftragsbezogen, sondern mit größerer Flexibilität in einer Blockplanung, die auch mögliche Veränderungen oder Extreme zulässt. Auch in der Logistik haben wir umgedacht und die Fertigwarenlogistik an einen regionalen Partner outgesourct. Die positive Entwicklung spiegelt sich auch bei den Mitarbeitern wider; innerhalb von fünf Jahren konnten wir unser Team 85 auf 125 Mitarbeitende ausbauen. Die Entscheidung, Investitionen zu tätigen, war damit genau richtig. 
 

Wirtschaftsforum: Welche Entwicklungen sehen Sie in Zukunft? 

Karsten Lindlein: Wir sind optimistisch und fühlen uns mit unseren Produkten gut aufgestellt. Die vegane Ernährung findet immer mehr Akzeptanz. Biovegan ist im vergangenen Jahr um 15% gewachsen; das sind Sprünge, die man in der Branche früher gewohnt war, in den vergangenen drei, vier Jahren jedoch nicht mehr. In Zukunft rechnen wir mit einer anhaltend positiven Entwicklung. Ein Wachstumstreiber wird unsere zweite Marke PURYA! sein, die seit 2021 zu uns gehört. Mit den bio-veganen PURYA!-Proteinshakes aus rein natürlichen Zutaten haben wir etwas vollkommen Neues auf den boomenden Markt gebracht. Zudem gibt es Synergien beider Marken; wir haben zum Beispiel einen Porridge mit höherem Proteingehalt entwickelt. Beide Marken profitieren voneinander, positionieren sich aber eigenständig am Markt. 

Wirtschaftsforum: Sie sind seit langem für Biovegan tätig. Was zeichnet das Unternehmen aus?

Karsten Lindlein: Wir haben seit Jahren eine eigene Produktentwicklung; neben vier Entwicklern beschäftigt sich ein Innovationsbeauftragter in Berlin mit den neuesten Trends. Biovegan hat immer den Blick nach vorn gerichtet. Dabei geht es nicht nur darum, innovativ zu sein, sondern nachhaltig Gutes zu tun. Wir beziehen unsere Bourbon-Vanille beispielsweise ausschließlich aus Madagaskar, wo wir uns vor Ort am Bau einer Schule beteiligen. Auch in der Biobranche selbst setzen wir anders als in anderen Märkten eher auf Partnerschaften als auf ein ausgeprägtes Konkurrenzdenken. Hier hält man zusammen und unterstützt sich. Diese Haltung könnte ein Vorbild für andere Branchen sein. 
 
Wirtschaftsforum:
Biovegan feiert in diesem Jahr das 40-jährige Jubiläum. Wo liegt für Sie der Schlüssel für diese Erfolgsgeschichte? 
 

Karsten Lindlein: Der Schlüssel zum Erfolg liegt bei unseren Mitarbeitern, die auch in schwierigen Zeiten zu Biovegan gestanden und an den Wandel geglaubt haben, und bei unseren treuen Kunden. Nicht zuletzt haben die Investitionen uns stark für den Wettbewerb gemacht. Die Balance dieser drei Faktoren wird auch künftig entscheidend sein. Zum Beispiel, wenn wir die letzten Marktlücken in Deutschland schließen und im europäischen Ausland Fuß fassen wollen. 

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